Raphael Schäfer und der 1. FC Nürnberg haben zehn der letzten elf Spiele verloren. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des 33. Spieltags © getty

In Nürnberg scheint die Luft nach der Pleite gegen Hannvover raus. Fans resignieren, Spieler klammern sich an die Hoffnung.

Nürnberg - Die Stimmung am Rande des Abgrunds schwankte zwischen ein bisschen Wut, viel Resignation und dem trotzigen Hoffen auf ein Wunder.

Die Anhänger des 1. FC Nürnberg pfiffen, sie schwenkten weiße Taschentücher. Sie riefen auch "Bader raus". Und sie ließen ihn und die Spieler selbstverständlich wissen, dass sie "die Schnauze voll" haben.

Doch so richtig explosiv war die Stimmung in der Tat nicht: Beim Publikum ist nach dem 0:2 (0:1) gegen Hannover 96 (Bericht) die Luft raus - bei der Mannschaft aber offensichtlich auch. ( 885351 DIASHOW: Die Bilder des 33. Spieltags )

Nur Prinzen zeigt Leidenschaft

Noch ist der 1. FC Nürnberg nicht abgestiegen. Und wie schon das Sprichwort besagt: Die Hoffnung stirbt auch in diesem Fall zuletzt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich hätte nicht gedacht, dass wir mit 26 Punkten noch immer am Leben sind", sagte Verteidiger Per Nilsson.

Interimstrainer Roger Prinzen, gegen Hannover mit seinem Einsatz an der Seitenlinie noch der aktivste, leidenschaftliche Vertreter des Club, erklärte voller Trotz: "Wir werden versuchen, die, die uns schon abgeschrieben haben, eines Besseren zu belehren."

Argumente, wie das gelingen soll, musste auch Prinzen schuldig bleiben. Sportvorstand Bader hingegen schwieg nach der Pleite.

So klang Husztis 0:1 auf SPORT1.fm:

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Club hofft auf Nachsitzen

Weil die Konkurrenten Hamburger SV und Eintracht Braunschweig ebenfalls verloren, hätte der Club mit einem Sieg gegen Hannover auf den Relegationsplatz klettern können. "Es ist ärgerlich, dass wir diese Chance nicht genutzt haben", sagte Nilsson.

Die Franken haben ihr Schicksal nun nicht mehr selbst in der Hand: Sie müssen hoffen, dass Hamburg (in Mainz) und Braunschweig (in Hoffenheim) am letzten Spieltag nicht gewinnen - zugleich benötigen sie einen Sieg beim FC Schalke 04, um wenigstens in den Relegationsspiele am 15. und 18. Mai nachsitzen zu dürfen.

"Wir müssen das Wunder schaffen", sagte Nilsson trotzig. Doch es gibt fast mehr "Aber" als der Club Punkte hat. Schalke 04 muss am letzten Spieltag Rang drei und damit die direkte Qualifikation zur Champions League verteidigen, hat also nichts zu verschenken.

Glaube an die Rettung verloren?

Auf Schalke haben die Nürnberger seit 1993 nicht mehr gewonnen. Gegen Königsblau werden die drei Abwehrspieler Timothy Chandler, Javier Pinola und Marvin Plattenhardt wegen ihrer fünften Gelben Karte fehlen - und damit fast die gesamte Viererkette. "Auch wenn es schwer wird, auf Schalke etwas zu holen, werden wir daran glauben", versicherte Prinzen.

Das gewichtigste Argument gegen ein Wunder ist freilich der Club selbst. Er hat jetzt schon sechsmal nacheinander verloren und zehn der letzten elf Spiele. "Ist doch klar, dass das Selbstvertrauen nicht da ist", sagte Nilsson.

Die Mannschaft ist willig, scheint allen Beteuerungen zum Trotz jedoch nicht mehr daran zu glauben, dass sie sich noch retten kann.

Schäfer klammert sich an die Hoffnung

Die Gegentore von Szabolcs Huszti (5.) und Manuel Schmiedebach (51.) jeweils kurz nach Beginn der Halbzeiten hatten erkennbar demoralisierende Wirkung auf eine Mannschaft, die geistig und körperlich ausgelaugt wirkt.

Was bleibt, sind die üblichen Durchhalteparolen. Doch selbst diese sind schon von Realismus durchsetzt.

Im Fußball seien ja schon die verrücktesten Dinge passiert, sagte Raphael Schäfer. Und natürlich glaube er an einen Sieg auf Schalke, "sonst könnte ich gleich mit Fußball aufhören, dann können wir die A-Jugend oder die Amateure schicken". Der Kapitän sagte allerdings auch: "Wir müssen einfach hoffen, dass wir da irgendwie gewinnen."

Irgendwie schien aber auch ihm schon der Glaube daran zu fehlen.

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