Ex-Bayern-Präsident Hoeneß flüchtet sich in die Opferrolle - und stiehlt Nachfolger Hopfner bei dessen Inthronisierung die Show.

Es war der emotionale Höhepunkt eines Abends, der eigentlich gar nicht ihm gehörte.

Statt sie seinem Nachfolger Karl Hopfner zu überlassen, beanspruchte Uli Hoeneß die Bühne auch bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern München am Freitagabend ganz für sich allein.

Mit einer flammenden Ansprache wandte sich der 62-Jährige an die insgesamt 1593 anwesenden Mitglieder und redete sich nach etwas zittrigem Beginn zunehmend in Rage.

Exakt 50 Tage nachdem er wegen Steuerbetrugs zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt wurde, verschaffte der am 14. März als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FCB zurückgetretene Hoeneß seinem Ärger lautstark Luft. Ärger, aus dem nach eigener Aussage mittlerweile sogar Hass geworden ist.

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Er rechnete mit den Medien ab. Was die mit ihm und seiner Familie in den vergangenen Monaten angestellt hätten, sei "unglaublich".

Er prangerte die an, die öffentlich auf einen Mann eingeprügelt hätten, "der bereits am Boden lag und liegt".

Kurz: Er flüchtete sich in die Opferrolle.

Von seinem Steuervergehen erzählte er, als sei dieses nur ein unglücklicher Zufall: "Ich habe durch meine Spekulationen drei Millionen Euro verloren und jetzt werde ich 30 bis 35 Millionen Euro an das Finanzamt zahlen."

Das Bad in der Menge, die Standing Ovations und Sprechchöre der Bayern-Anhänger genoss Hoeneß dabei sichtlich.

Erst recht, als er zum Abschluss seiner 15-minütigen Rede mit kräftiger Stimme sein Comeback ankündigte: "Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war's noch nicht!"

Es war die große Show eines unbestritten großen Mannes im deutschen Sport.

Eines Mannes, der den FC Bayern zu dem gemacht hat, was er heute ist: Rekordmeister, Triple-Sieger, Weltmarke.

Eines Mannes, der allerdings auch immer selbst gerne mit nacktem Finger auf die Fehler anderer gezeigt hat.

So wie im Fall des damaligen Leverkuseners und Fast-Bundestrainers Christoph Daum, dem sein Kokainkonsum im Jahr 2000 zum Verhängnis wurde.

"Kriminelle haben im Fußball nichts zu suchen", tönte Hoeneß damals.

Rein nach Faktenlage müsste das nun also auch für ihn gelten. Immerhin ist der Ex-Bayern-Boss ein verurteilter Steuerbetrüger.

Stattdessen übergab der langjährige Vereinspatron das Zepter wohl nur vorübergehend an seinen bisherigen Vize Hopfner, als Platzhalter sozusagen.

Selbst bei seiner eigenen Inthronisierung war es dem langjährigen Finanzchef der Bayern nicht gestattet, aus dem Schatten des großen Mannes herauszutreten.

Ein fragwürdiger, ja fast schon stilloser Abschied von Hoeneß, der vor lauter Wut offenbar vergessen hatte, um wen es beim einzigen Tagesordnungspunkt an diesem Abend eigentlich ging.

Nämlich nicht um ihn.

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