Trotz des Debakels gegen Real Madrid verteidigt Pep Guardiola vor dem HSV-Spiel seine Spielidee - und findet deutliche Worte.

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Vom FC Bayern berichtet Jonas Nohe

München - Die Kritik war heftig und zahlreich.

Nach dem 0:4-Debakel im Rückspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Real Madrid (BERICHT: Fiasko statt Finale) wurde viel herumgemäkelt an Bayern-Coach Pep Guardiola.

"Man kann hier nicht katalanisch spielen lassen", grantelte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in der "Abendzeitung": "Man kann nicht erwarten, dass Bayern wie Barca spielt."

Sogar Guardiola selbst erkannte, er habe sich "vertan". Wer nun eine Abkehr des Spaniers vom Mantra des Ballbesitzes erwartet hatte, wurde am Freitag deutlich eines Besseren belehrt.

In einer bemerkenswerten Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel beim Hamburger SV (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) machte Guardiola klar, dass er nicht bereit ist, von seinem Weg abzuweichen.

(Alles zur Pressekonferenz von Pep Guardiola ab 18.30 Uhr im bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

"Von meinen Ideen überzeugt"

"Nach der Niederlage bin ich mehr denn je von meinen Ideen überzeugt", sagte der Bayern-Trainer. Ein vermeintlicher Widerspruch. Aber nur, wenn man Guardiola nach dem Champions-League-Aus nicht genau zugehört hatte.

"Der Grund, warum wir verloren haben, ist, dass wir keinen Ballbesitz hatten", hatte der 43-Jährige am Dienstag in der Allianz Arena gesagt und seine Philosophie schon dort verteidigt:

"Fußball spielt man mit dem Ball. Wenn du den Ball nicht hast, hast du keine Kontrolle. Dann hast du keine Chance."

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Taktische Fehler

Sein Fehler seien daher Taktik und Spielerauswahl an diesem einen Abend gewesen. Mit Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos in der Zentrale habe man "nicht gegen diese Super-Spieler bestehen" können.

Guardiola gab mit diesen Entscheidungen die für seine Spielidee so dringend benötigte Überlegenheit im Mittelfeld auf - und setzte ganz nebenbei einmal mehr die zwei teuersten Einkäufe der Bayern-Geschichte auf die Ersatzbank.

40-Millionen-Mann Javi Martinez und der vor der Saison für nur drei Millionen Euro weniger verpflichtete Mario Götze kamen erst nach der Pause, als schon alles entschieden war.

Mannschaft wichtiger als Einzelne

Ob er den Unmut dieser Spieler nachvollziehen könne, wurde Guardiola am Freitag auch gefragt.

"Ich verstehe diese Spieler", setzte der Fußballlehrer an. Aber: "Jeder Spieler will mit seinen Ideen spielen, das geht nicht. Ich muss entscheiden, was das Beste für die Mannschaft ist."

Aus Guardiolas Sicht ist das weiterhin das auf viel Ballbesitz ausgelegte Spiel, das man schon aus seiner erfolgreichen Zeit beim FC Barcelona kennt.

Zugeständnis im Sturmzentrum

"Ich kann die Spieler nicht mit etwas trainieren, was ich nicht fühle", betonte er zum wiederholten Male - und doch sei er auf die ein oder andere Weise den Anforderungen beim FC Bayern entgegen gekommen:

"Ich habe drei Jahre lang ohne echten Stürmer gespielt, hier manchmal mit zwei."

Es war in knapp 35 Minuten Pressekonferenz das einzige Mal, dass Guardiola nicht mit voller Überzeugung an seiner Spielidee festhielt.

Deutliche Worte

In der übrigen Zeit war der Bayern-Coach dagegen sichtlich bemüht, seine Position zu stärken - mit teils deutlichen Worten.

Das Vertrauen der Klub-Bosse sei zunächst einmal "nicht wichtig" und "für mich egal". Die Mannschaft müsse "mit den Ideen des Trainers spielen. Es gibt keine andere Lösung!" Und er werde "nicht alles verändern wegen einer Niederlage.

Wenn seine Philosophie an der Säbener Straße nicht mehr gefragt sei, müsse eben ein anderer Trainer kommen.

In Anlehnung an eine seiner bekanntesten Aussagen also: Ballbesitz, oder nix!

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