Der Hamburger SV feierte in der laufenden Saison erst sieben Siege © getty

Vor dem 33. Bundesliga-Spieltag spitzt sich die Lage im Tabellenkeller zu. Hamburg wirkt verzweifelt, Braunschweig spottet.

Von Jan Reinold

München - Neun Partien, eine Anstoßzeit, vorletzter Spieltag, 15.30 Uhr:

Was bei Fußball-Nostalgikern Erinnerungen an vergangene Zeiten wachwerden lässt, löst bei vielen Trainern und Spielern Angstzustände aus.

Die Bundesliga geht in den Saison-Endspurt, und im Abstiegskampf naht die Stunde der Wahrheit. Und die könnte vor allem für den einstmals ruhmreichen Hamburger SV bitter werden.

Fünf Punkte Rückstand weist der Liga-"Dino" vor dem 33. Spieltag (ab 15 Uhr LIVE-TICKER und SPORT1.fm) auf den viertletzten VfB Stuttgart aus. Von der direkten Rettung ist vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern keine Rede mehr.

Es geht nur noch um die Sicherung des Relegationsranges (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1 gibt vor dem vorletzten Spieltag einen Überblick über die Lage im Tabellenkeller:

Hamburger SV

Im Ringen um Relegationsplatz 16 sind dem HSV alle Mittel recht, für die letzten Partien sicherten sich die Hanseaten sogar die Dienste des sogenannten "Geistheilers" Joseph Kuhnert.

Durchhalteparolen haben Hochkunjunktur, entsprechend fordert Rafael van der Vaart: "Wir müssen Eier zeigen."

Nach einer Serie von Misserfolgen und angesichts des Gastspiels der Bayern muss HSV-Trainer Mirko Slomka ganz auf das Prinzip Hoffnung setzen.

"Ein Punkt wäre eine Überraschung, ein Sieg eine Sensation. Dafür müssen wir aber über uns hinauswachsen. Und wir benötigen dafür auch einen extremen Laufaufwand", sagte Slomka, der gegen den Rekordmeister ohne gelernten Stürmer auskommen muss.

Auf Seiten der Münchner bleibt abzuwarten, wie groß ihre Motivation für die Bundesliga nach der 0:4-Klatsche in der Champions League gegen Real Madrid sein wird. Möglich, dass FCB-Trainer Pep Guardiola einige seiner Stars bereits für das DFB-Pokalendspiel gegen Dortmund in zwei Wochen schonen wird.

Mit einem Sieg und Niederlagen der Konkurrenz könnte der HSV Relegationsplatz 16 schon vor dem letzten Spieltag sichern. Bei einer Niederlage hat sich der direkte Klassenerhalt erledigt.

VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart hat die mit Abstand besten Karten im Schlussspurt, mit einem Sieg gegen den VfL Wolfsburg (15 Uhr LIVE-TICKER und SPORT1.fm) wären die Schwaben auf jeden Fall durch. Auch eine Niederlage könnte im Optimalfall zum Klassenerhalt reichen.

Dennoch will Huub Stevens noch nichts von einer vermeintlichen Rettung wissen.

"Wir haben es noch nicht gepackt, die Situation ist weiter die gleiche, wir hatten zehn Endspiele - jetzt sind es noch zwei", sagt der niederländische Trainer vor dem Duell mit Europapokal-Anwärter Wolfsburg:

"Wenn einer denkt, er kann mit einem Prozent weniger reingehen, schaffen wir's nicht. Leidenschaft ist gefragt, und ich spüre, dass die Spieler das wissen."

Allerdings wird es keine Gastgeschenke der Wolfsburger geben. Die Niedersachsen (5. Platz, 54 Punkte) liegen nur einen Punkt hinter Leverkusen auf Rang vier, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt.

1. FC Nürnberg

Beim 1. FC Nürnberg ist die Anspannung mit den Händen zu greifen, nach der Panik-Reaktion der Entlassung von Gertjan Verbeek blieb unter Interimstrainer Roger Prinzen der Befreiungsschlag in Mainz (0:2) aus.

Vor dem wegweisenden Heimspiel gegen Hannover 96 (15 Uhr LIVE-TICKER und SPORT1.fm) wird daher die verbale Brechstange ausgepackt.

"Wir haben gegen Hannover das absolute Endspiel. In diesem Spiel muss jeder für sich sagen: Ich werde alles rein schmeißen und das Herz in die Hand nehmen. Wenn wir nicht an die letzte Chance glauben, können wir den Laden zusperren", appelliert Mike Frantz.

"Ich spüre, dass die Mannschaft jetzt richtig brennt", sagt FCN-Interimscoach Prinzen.

Der Vorletzte könnte mit einem Sieg den Relegationsrang erobern, bei einer Niederlage könnte aber auch der insgesamt achte (!) Abstieg der Vereinsgeschichte besiegelt sein.

Eintracht Braunschweig

Anders als Hamburg und Nürnberg demonstriert ausgerechnet Eintracht Braunschweig Selbstbewusstsein. Das Schlusslicht hatte ohnehin nicht mehr erwartet als eine Saison im Tabellenkeller.

Den Humor hat man vor dem Spiel gegen den FC Augsburg (15 Uhr LIVE-TICKER und SPORT1.fm) daher auch noch nicht verloren. "Wir brauchen im Abstiegskampf keinen Heilpraktiker", sagte Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht und spielte damit auf die Situation beim HSV an.

Der 40-Jährige ist davon überzeugt, dass es seine Schützlinge verdient hätten, an den letzten beiden Spieltagen noch an den Rivalen vorbeizuziehen.

"Meine Jungs zeigen das größere Herz und spielen die bessere Rückrunde. Sie haben längst bewiesen, dass sie Abstiegskampf können", sagt Lieberknecht.

Das allerdings müssen sie gegen Augsburg, das noch eine theoretische Chance auf die Europa League hat, dringend unter Beweis stellen. Ähnlich wie Nürnberg könnte Braunschweig mit einem Erfolg den Relegationsrang erobern, im Falle eines Misserfolgs aber auch als Absteiger feststehen.

Das Restprogramm:

VfB Stuttgart (15. Platz, 32 Punkte, 48:59 Tore): Wolfsburg (H), Bayern (A)

Hamburger SV (16. Platz, 27 Punkte, 48:68 Tore): Bayern (H), Mainz (A)

1. FC Nürnberg (17. Platz, 26 Punkte, 36:64 Tore): Hannover (H), Schalke (A)

Eintracht Braunschweig (18. Platz, 25 Punkte, 28:56 Tore): Augsburg (H), Hoffenheim (A)

Im SPORT1-Tabellenrechner können Sie schon einmal verschiedene Szenarien durchspielen

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