Uli Hoeneß (l.) war 44 Jahre lang als Spieler, Manager und Präsident für den FC Bayern tätig © getty

Nach dem Aus von Uli Hoeneß wählen die Bayern-Mitglieder einen neuen Präsidenten. SPORT1 beantwortet die Fragen zum FCB-Neustart.

Von Mathias Frohnapfel

München - Es erscheint wie eine Formalie und markiert doch offiziell den Endpunkt einer Ära.

Die Mitglieder des FC Bayern wählen einen neuen Präsidenten, nachdem Uli Hoeneß sein Amt niedergelegt hatte.

Ein unausweichlicher Schritt angesichts der Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren. So heftig muss Hoeneß für seine mehr als 28 Millionen Euro an hintergezogenen Steuern büßen.

Im Audi Dome, der Heimstätte der Bayern-Basketballer, wird die Bayern-Familie am Freitagabend (ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) ein neues Oberhaupt küren. Zudem geht es darum, ob die durch den Verwaltungsbeirat vorgeschlagenen Präsidiumsmitglieder bestätigt werden.

Es ist bisher der einzige offizielle Tagesordnungspunkt.

Doch nach "Bild"-Informationen soll auch Hoeneß selbst auf der Veranstaltung sprechen. Und natürlich wird die außerordentliche Mitgliederversammlung ein Stimmungsbarometer, wie es in der Münchner Seele ausschaut nach der 0:4-Demontage durch Real Madrid im Champions-League-Halbfinale (BERICHT: Fiasko statt Finale).

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Mitgliederversammlung:

Darf Hoeneß zu den Mitgliedern sprechen?

Das ist rein formal keine Schwierigkeit. Wie die Bayern-Mitglieder auf einen Auftritt Hoeneß' reagieren werden, ist indes nicht vorherzusehen.

Noch im November gab es gigantischen Beifall für den Patriarachen nach dessen Steuerbeichte vor mehr als 3.000 Bayern-Getreuen. Hoeneß sagte voller Pathos: "Ich werde diesem Verein dienen, solange ich atme." Damals war allerdings der gewaltige Umfang seines Steuervergehens noch nicht bekannt.

Vizepräsident Rudolf Schels würde sich über Hoeneß-Erscheinen freuen, er betonte: "Wir müssen uns für unseren Ex-Präsidenten nicht schämen. Er hat als Privatperson einen Fehler gemacht. Deshalb dürfen und werden wir aber nie seine Leistung in Frage stellen."

Wer folgt Hoeneß und wie wird das Präsidium besetzt sein?

Karl Hopfner steht als einziger Kandidat für den Präsidenten-Job bereit. Der bisherige Vize-Präsident genießt bei den Bayern auch aufgrund seiner Wirtschaftskompetenz großes Ansehen, zudem ist er bereits seit drei Jahrzehnten im Klub in führender Rolle mit dabei. "Er identifiziert sich zu hundert Prozent mit dem Verein und kennt das Geschäft", erklärte Profi Thomas Müller zu Hopfner. Als Hopfners Stellvertreter hat der Verwaltungsbeirat Rudolf Schels sowie Dieter Maier vorgeschlagen.

Hat die Wahl auch Auswirkungen auf den Aufsichtsrat?

Es ist davon auszugehen, dass Hopfner wie zuvor Hoeneß neben dem Präsidentenamt auch das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG übernehmen wird. Nach Hoeneß' Rücktritt übte adidas-Boss Herbert Hainer diese Aufgabe aus. Hainer dürfte dann wieder in die Rolle des stellvertretenden Aufsichtsratschefs rücken.

Was für ein Typ ist Karl Hopfner?

Bereits 1983 kam Hopfner zum Verein, begleitete den damaligen Manager Hoeneß bei allen Entscheidungen. Der gelernte Betriebswirt half zudem die millionenschweren Transfers abzuwickeln. Seit Hopfner als designierter Präsident gilt, hat der 61-Jährige auch bereits Kante gegenüber Borussia Dortmund gezeigt, quasi die "Abteilung Attacke" weitergeführt.

Zum Darlehensstreit mit Dortmund-Chef Hans-Joachim Watzke sagte er: "Eine Unwahrheit bleibt eine Unwahrheit" und fügte an, mit dem Begriff "Baron von Münchhausen" wäre Watzke "noch geschmeichelt". Auch als daraufhin die Eiszeit zwischen FCB und BVB ausbrach, bekräftigte Hopfner: "Ich entschuldige mich sicherlich nicht, auf keinen Fall." (NEWS: Hopfner entschuldigt sich nicht)

Wie geht es weiter?

Hopfner wird sich als Präsident neben den Fußballern auch um die Basketball-Abteilung kümmern. Das Klub-Prinzip "Nicht mehr Geld auszugeben als man einnimmt" wird auch Hopfner verteidigen.

Allerdings wird auch er für den Profikader größere Summen zur Verfügung stellen, zumal Trainer Pep Guardiola nach dem Aus in der Königsklasse einen Umbau angedeutet hat. In der "Sport Bild" hatte Bayerns Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen angekündigt: "Wir werden so tief, wie es nötig ist, in die Tasche greifen. Wir sind sehr gut aufgestellt und können Pep Guardiola seine Wünsche - wenn er welche hat - erfüllen."

Nicht ausgeschlossen ist, dass Hoeneß nach seiner Haftstrafe womöglich wieder das Präsidentenamt übernimmt.

Was erwartet Matthias Sammer vom neuen Präsidenten?

Sammer betonte mit Blick auf den neuen Boss Hopfner: "Das ist keine Stunde null. Unter strategischen Gesichtspunkten kann das sportliche Tagesgeschäft weiterlaufen wie bisher." Hopfner wird noch am Freitagabend nach der Mitgliederversammlung in einer Pressekonferenz den Reportern Rede und Antwort stehen und seine Pläne erläutern.

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