Tayfun Korkut absolvierte 42 Länderspiele für die Türkei © getty

Hannover 96 entscheidet sich in der Trainersuche für eine überraschende Variante. Der Neue schreibt Bundesliga-Geschichte.

München - Kein Murat Yakin, kein Ricardo Moniz, sondern der (bislang) große Unbekannte: Hannover 96 hat überraschend noch im alten Jahr Tayfun Korkut als neuen Cheftrainer und Nachfolger des gefeuerten Mirko Slomka verpflichtet.

Der 42-malige türkische Nationalspieler, in Deutschland ein eher unbeschriebenes Blatt, unterzeichnete am Silvestertag einen Vertrag bis 2016 und wird damit erster türkischstämmiger Coach im deutschen Oberhaus.

"Diese Verpflichtung ist eine bewusste Entscheidung für die Zukunft von Hannover 96. Mit Tayfun Korkut haben wir uns für einen jungen, top ausgebildeten und hoch motivierten Trainer entschieden, der uns mit seiner Persönlichkeit und seiner Vita voll überzeugt hat", sagte 96-Sportdirektor Dirk Dufner.

Korkut spricht über "faszinierende Aufgabe"

Korkut, der am Sonntag erstmals das Training beim Tabellen-13. leiten und am 25. Januar mit dem Derby beim VfL Wolfsburg sein Pflichtspiel-Debüt feiern wird, meinte: "Ich danke Hannover 96 ausdrücklich für das Vertrauen. Meine Gespräche mit Dirk Dufner waren sehr vertrauensvoll. Vor uns liegt eine anspruchsvolle, aber auch faszinierende Aufgabe."

Als Ersatz für den am Freitag entlassenen Slomka war zunächst Yakin (FC Basel) gehandelt worden, die Verpflichtung des früheren Bundesliga-Profis war aber als zu kostspielig verworfen worden.

Der Ex-Hannoveraner Andre Breitenreiter (SC Paderborn) sagten den Roten ab, zuletzt war Moniz, einst Interimscoach beim Hamburger SV, gehandelt worden.

Erste Erfahrung als Jugendcoach

Kaum jemand hatte indes Korkut als Kandidaten für das alles andere als einfache Traineramt an der Leine auf dem Zettel, zumal der neue Mann keine Erfahrung als Chefcoach mitbringt.

2007 übernahm der frühere Spanien-Legionär die U19 von Real Sociedad San Sebastian, in Deutschland trainierte Korkut die U17 von 1899 Hoffenheim und die U19 des VfB Stuttgart.

In dieser Zeit arbeitete er auch mit Michael Gentner zusammen, dem heutigen sportlichen Leiter der Nachwuchsmannschaften U14 bis U16 des VfB.

"Er liebt das Umschaltspiel"

"Er ist sehr akribisch, liebt das Umschaltspiel und hat viele Facetten aus dem spanischen Fußball hineingebracht, wo er ja auch selbst aktiv war", berichtet Gentner im Gespräch mit SPORT1.

Als Korkut zum Januar 2012 Stuttgart verließ, stand die von ihm trainierte U19 auf Platz 1. Korkut wurde Assistent des türkischen Nationaltrainers Abdullah Avci - die WM in Brasilien verpassten die Türken deutlich. Nach Avcis Rücktritt verzichtete dessen Nachfolger Fatih Terim auf Korkuts Dienste.

Fremdsprachentalent und Nationalspieler

Die Spieler-Vita von Korkut, der fließend Deutsch, Türkisch, Englisch und Spanisch spricht, liest sich derweil durchaus interessant.

In Deutschland stand er lediglich in der Regionalliga für die Stuttgarter Kickers auf dem Platz, spielte sich dann aber in fünf Jahren bei Fenerbahce Istanbul (1995 bis 2000) in die türkische Nationalmannschaft, mit der er 1996 und 2000 an der EM teilnahm.

In Spanien stand Korkut in San Sebastian und bei Espanyol Barcelona unter Vertrag, ehe er in die Türkei zurückkehrte und seine Karriere bei Besiktas sowie Genclerbirligi Ankara ausklingen ließ. 2006 trat Korkut mit nur 32 Jahren zurück und wechselte ins Trainerlager

"Eine mutige Entscheidug"

"Wir wissen, dass wir eine mutige Entscheidung treffen, sehen aber in der Zusammenarbeit mit Korkut eine tolle Perspektive", sagte Dufner.

Korkuts Perspektive ist zunächst, die launische Mannschaft aus Niedersachsen wieder auf Kurs zu bringen. Keinen einzigen Auswärtspunkt holte 96 in der laufenden Saison, das Polster auf Relegationsplatz 16 beträgt nur vier Punkte, der angestrebte Europa-League-Rang ist 13 Zähler entfernt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Sollte Korkut den Krisenklub wieder flott machen können, hätte er seinen Namen als Coach. Sollte er indes scheitern, dürfte es auch für das leitende Personal um Dufner und Klub-Boss Martin Kind ungemütlich werden.

Weiterlesen