Robert Lewandowski (r.) spielt seit 2010 bei Borussia Dortmund © getty

BVB-Boss Watzke deutet an, dass man auch einen anderen Stürmertypen holen könnte. Einen Gündogan-Verkauf schließt er nicht aus.

Von Jan Reinold

München - So richtig genießen konnte Hans-Joachim Watzke das Weihnachtsfest nicht.

Die Niederlage zum Hinrunden-Abschluss gegen Hertha BSC (1:2) und das Abrutschen auf Platz vier wirkten noch einige Zeit nach.

Mit ein paar Tagen Abstand aber konnte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund dann doch zur Ruhe kommen - wenn auch nur recht kurz.

Denn am 2. Januar öffnet das Transferfenster, drei Tage später steht beim BVB der Trainingsauftakt auf dem Programm. Robert Lewandowski könnte dann bereits seinen Wechsel zum FC Bayern verkündet haben, und Watzke muss einen Ersatz für den Polen finden.

Anderer Stürmertyp möglich

"Wir scannen den Markt ganz genau", sagte der BVB-Boss im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Zugleich deutete er an, dass man nicht zwangsläufig eine 1:1-Kopie Lewandowskis suche.

"Man muss einen besonderen Spieler wie Robert nicht eins zu eins ersetzen. Man findet vielleicht einen anderen, der einen anderen Mittelstürmer-Stil spielt, auf den man sich dann einstellt", erklärte Watzke.

Zuletzt hieß es, der Hoffenheimer Kevin Volland sei Top-Kandidat auf die Lewandowski-Nachfolge, auch der Berliner Adrian Ramos wurde gehandelt. Watzke gab keinen Einblick in detaillierte Planungen, betonte stattdessen, dass beim BVB "nicht alles zusammenbricht, wenn Lewandowski geht".

Weitere Abgänge?

Trotzdem aber muss Dortmund den nächsten schweren Verlust verkraften, so wie in den Vorjahren schon bei Mario Götze oder Shinji Kagawa. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Aktuell wird Real Madrid ein heftiges Interesse an Ilkay Gündogan nachgesagt, auch bei Marco Reus und Mats Hummels kommen immer wieder Transfergerüchte auf.

Sorge aber, dass sich zu Lewandowski, der nach Watzkes "Kenntnisstand zu Bayern München gehen will", im Sommer noch weitere Abgänge gesellen, hat Dortmunds Geschäftsführer angeblich nicht.

"Alle anderen (außer Lewandowski, Anm. d. Red.) Spieler haben Verträge, und ich habe auch nicht das Gefühl einer negativen Stimmung", stellte Watzke klar.

Bei Gündogan wolle man den bis 2015 laufenden Vertrag verlängern. Sollte das aber nicht gelingen, werde man den 23-Jährigen verkaufen. Auf Vertragserfüllung zu pochen und erneut auf eine Ablöse zu verzichten - wie bei Lewandowski - schloss Watzke aus: "Der Fall Lewandowski war eine Ausnahme."

Watzke vermisst "absolute Gier"

Das soll auch die aktuelle Situation beim BVB sein. Die mäßige Hinrunde, die gefährdete direkte Champions-League-Qualifikation, die vielen Verletzten, Kritik am Spielstil - all das hat Spuren hinterlassen und drückt auf die Stimmung.

Watzke nahm daher die Spieler in die Pflicht. Als Zwischenstand sei der vierte Platz noch akzeptabel, am Saisonende reiche das aber nicht. "Das ist nicht mehr unsere Zielsetzung", stellte Watzke klar.

Er erwarte von der Mannschaft eine bessere Rückrunde. Und: "Wir brauchen wieder die absolute Gier, ein Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Und wir müssen uns darauf einstellen, dass Gegner physisch komplett dagegenhalten."

Keine Kritik an Klopp

Die Mannschaft setzt Watzke also unter Druck, Trainer Jürgen Klopp aber stärkte er den Rücken. Diskussionen über die angeblich zu einseitige Spielweise, fehlende spielerische Mittel, ein zu sparsames Rotieren oder einen zu dünn besetzten Kader kann Watzke nicht nachvollziehen.

"Jürgen Klopp fehlten sechs oder sieben Stammspieler, ihm waren die Hände gebunden. Für spielerische Abläufe braucht es Automatismen, die nicht mehr so gut funktionieren, wenn man dauernd anders aufstellen muss", sagte Watzke.

An den Auswirkungen der Verletzungsprobleme sehe man im Übrigen den Unterschied zu Branchen-Primus FC Bayern. Der Triple-Sieger verfüge im Kader über etwa 20 Spieler "auf mehr oder weniger Weltklasse-Niveau".

Und der BVB? "Borussia ist so breit aufgestellt, wie das unsere finanziellen Möglichkeiten zulassen", betonte Watzke. Mehr geht offenbar momentan nicht.

Weiterlesen