Dieter Schatzschneider (r., mit 96-Boss Kind) absolvierte 178 Spiele für Hannover © imago

Hannovers Trainersuche gestaltet sich schwierig. Klub-Boss Kind will einen jungen Trainer, sein Berater lieber einen älteren.

Von Reinhard Franke

München - Die Trainersuche bei Hannover 96 ist nach der Entlassung von Mirko Slomka (Bericht) in vollem Gange. ( 825659 DIASHOW: Die Trainerkandidaten in Hannover )

Sie gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht. Seit Tagen hagelt es Körbe für die Veranwtortlichen um Klub-Boss Martin Kind.

Dieter Schatzschneider, sowas wie eine 96-Legende, früherer Torjäger der Niedersachsen und enger Vertrauter von Kind, betrachtet die aktuelle Lage kritisch.

"Momentan ist man noch etwas unterschiedlicher Meinung, welchen Typ Trainer man holen will, aber da vertraue ich Herrn Kind, er wird schon die richtige Entscheidung treffen", sagt Schatzschneider im Gespräch mit SPORT1.

Kind empfiehlt Sportdirektor Dirk Dufner eine "mutige Entscheidung" und wünscht sich einen jungen Trainer. "Ich habe da eine etwas andere Meinung", betont Schatzschneider jedoch.

"Wenn ich den Blick auf die Tabelle werfe, dann wäre mir ein erfahrener Mann lieber."

Treffen mit Moniz

Schatzschneider fügt hinzu: "Es lässt sich nicht verleugnen, dass der Abstiegskampf immer näher kommt."

Kind wollte zuletzt im SPORT1-Interview nicht vom Abstiegskampf sprechen und lehnt deshalb einen Feuerwehrmann vorerst ab.

(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Aktuell steht der Niederländer Ricardo Moniz im Fokus des Interesses. Dufner bestätigte ein Treffen mit dem 49-Jährigen, verwies aber auf weitere Verhandlungen. "Wir treffen uns mit mehreren potenziellen Kandidaten. Moniz ist einer", sagte er der "Bild".

Moniz trainiert derzeit den ungarischen Rekordmeister Ferencvaros Budapest und ist aus der Bundesliga als früherer Interimscoach des Hamburger SV bekannt.

Sportliche Erfolge feierte der 49-Jährige aber in Österreich, wo er 2012 mit Red Bull Salzburg das Double holte.

Auch Fred Rutten (ehemals Schalke 04) und Murat Yakin (FC Basel) wurden zuletzt als heiße Kandidaten genannt.

Für Schatzschneider sind es alles "interessante Namen".

Auch Yakin sagt ab

Yakin schien favorisiert, doch der 39-Jährige wird nicht Nachfolger von Slomka. Mit dem Schweizer sagte den Niedersachen nun ein weiterer Kandidat ab.

"96 ist nicht uninteressant", räumte Yakin in der "Bild" zwar ein, stellte jedoch klar: "Aber ein Winter-Wechsel ist kein Thema. Meine Aufgabe in Basel ist noch nicht zu Ende"

Zuvor hatte der Basel-Trainer als Favorit in Hannover gegolten, der "Blick" berichtet gar, 96-Sportdirektor Dirk Dufner sei bereits in Basel gesichtet worden.

Nach SPORT1-Informationen gab es aber keinen direkten Kontakt zwischen Hannover und Yakin.

Schatzschneider von Yakin angetan

"Yakin leistet in Basel gute Arbeit", so Schatzschneider, "das wäre trotz seines jungen Alters einer gewesen, mit dem ich mich hätte anfreunden können."

Zuvor hatten bereits Ex-Bremer Thomas Schaaf, Andre Breitenreiter vom SC Paderborn, Ralf Rangnick über seinen Berater bei SPORT1 und Frank Kramer von der SpVgg Greuther Fürth abgesagt.

Will wirklich keiner Coach bei den Niedersachsen werden?

Kenner im Abstiegskampf

Bei Markus Babbel, Thorsten Fink oder Bruno Labbadia ist Schatzschneider eher skeptisch. Es ginge "um Abstiegskampf und nicht darum eine Mannschaft zu formen oder irgendwas aufzubauen. Der neue Trainer sollte einer sein, der älter ist und sich in der Bundesliga und im Tabellenkeller auskennt."

Als Wunschtrainer der 96-Verantwortlichen galt Thomas Schaaf. Doch der frühere Trainer von Werder Bremen sagte Kind persönlich ab. "Er wäre der ideale Mann gewesen, aber er will leider nicht", sagt Schatzschneider.

Der ehemalige Stürmer wünscht sich jedenfalls eine rasche Lösung in der Trainerfrage und begründet dies auch: "Ich hoffe, dass der neue Trainer so schnell wie möglich anfangen kann. Er sollte mit ins Trainingslager fahren, denn er muss die Mannschaft kennenlernen. Alles andere macht keinen Sinn."

Lienen darf hoffen

Viel Zeit bleibt Kind nicht mehr. Am 9. Januar geht es ins einwöchige Trainingslager ins türkische Belek.

Sollte sich Schatzschneider mit seiner Meinung bei Kind doch noch durchsetzen und der Präsident sich für einen erfahrenen Coach entscheiden, könnte die Wahl auf einen alten Bekannten an der Leine fallen.

Ewald Lienen, zur Zeit Trainer des rumänischen Erstligisten Otelul Galati und von von März 2004 bis November 2005 Coach bei 96, hätte dann gute Chancen.

Was das Anforderungsprofil des neuen Trainers angeht, sind Schatzschneider und Kind noch unterschiedlicher Meinung.

Was die Art und Weise der Trennung von Slomka angeht, stellt sich der frühere Stürmer hinter den Klub-Boss.

Kind ist selbstkritisch

Im SPORT1-Interview gestand Kind zuletzt ein, das Krisenmanagement sei "nicht glücklich" gewesen, auch einige seiner Aussagen nicht (Interview).

Schatzschneider stärkt dem Präsidenten nun den Rücken: "Es ehrt ihn, dass er eigene Fehler eingesteht und sagt, vieles sei nicht professionell gewesen, aber die Leute, die von einer stillosen Trennung reden, haben keine Ahnung."

Er ergänzte: "Herr Kind wollte mit Slomka weitermachen. Leider verlor man in Freiburg (1:2, Anm. d. Red.). Dieses Spiel hat einem nach der schlechten Hinrunde den Rest gegeben. Die 100-prozentige Absicht aber war mit Slomka in die Rückrunde zu gehen. Die Trennung war nicht stillos."

[kaltura id="0_1kshtv9x" class="full_size" title="Hannover feuert Slomka"]

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