96-Boss Martin Kind fordert den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga
Zum DURCHKLICKEN: Die Trainerkandidaten bei Hannover 96 © Getty Images

Hannover-Boss Martin Kind gesteht bei SPORT1 eigene Fehler bei der Slomka-Entlassung ein und beschreibt den Nachfolger.

Von Reinhard Franke

München - Schwere Wochen liegen hinter Martin Kind.

Der Präsident von Hannover 96 musste erst mit ansehen, wie sein Verein in der Tabelle auf Platz 13 abstürzte, dann entließ der 69-Jährige nach langen Überlegungen schließlich Trainer Mirko Slomka (Bericht).

Der Tabellenstand und die eklatante Auswärtsmisere mit null Punkten in der Fremde bei einem Torverhältnis von 6:20 waren schlagkräftige Argumente für eine Trennung. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im SPORT1-Interview spricht Kind nun über die Slomka-Entlassung und gesteht eigene Fehler ein.

SPORT1: Herr Kind, Sie hatten nervenaufreibende Weihnachtstage, die mit der Entlassung von Mirko Slomka endeten. Wie schwer war es für Sie?

Martin Kind: Die Feiertage sind für schwierige Situationen und Entscheidungen sicher nicht der ideale Zeitpunkt. Es ist kein Wunschkonzert, aber das betrifft ja nicht nur mich, sondern auch andere Verantwortliche im Verein. Wir hätten uns ein anderes Szenario gewünscht. Es war schwierig und emotional.

SPORT1: Sie sagen emotional. Wie schwer fiel es Ihnen wirklich einen der erfolgreichsten Trainer der Vereinsgeschichte zu entlassen?

Kind: Emotional, weil es wirklich außergewöhnlich schwierig war und sogar belastend. Mirko Slomka steht für eine sportlich sehr erfolgreiche Ära bei Hannover 96 und diese Leistung hat natürlich bei allen Überlegungen eine emotional deutliche Rolle gespielt. Zum Schluss mussten wir aber eine Sachentscheidung treffen, unter Berücksichtigung der Entwicklung, der Ist-Situation und insbesondere der Perspektive.

SPORT1: Wie sehr bedauern Sie die Entlassung von Herrn Slomka auch menschlich?

Kind: Sehr. Ich kenne Mirko Slomka ja schon lange. Er war bei 96 A-Jugendtrainer, wo ich ihn erstmals kennengelernt habe, danach Co-Trainer bei Ralf Rangnick (2001 bis 2004, Anm. d. Red.) und die letzten Jahre Cheftrainer. In all den Jahren habe ich ihn persönlich kennen- und schätzen gelernt. Wenn man zu Jemandem persönlichen Kontakt hat, dann sind solche Entscheidungen doppelt schwierig.

SPORT1: Zuletzt haben Sie aber bei SPORT1 recht offensiv über ein Slomka-Aus geredet und seine Entlassung mit 60:40 beschrieben. War das ihm gegenüber fair?

Kind: Im Nachhinein bedauere ich natürlich diese Aussage. Ich habe aber auch nach dem letzten Hinrunden-Spiel beim SC Freiburg (1:2, Anm. d. Red.) gesagt, dass dies die gefühlte Wahrnehmung war mit den 60:40. Ich hätte dies aber besser für mich behalten.

SPORT1: Welche Fehler haben Sie noch gemacht?

Kind: Das wird man nochmal im Detail analysieren müssen. Auf jeden Fall haben wir insgesamt keine gute Krisenstrategie gehabt. Das ist deutlich zu sehen. Ich persönlich habe auch einige Fehler gemacht, die man mit Abstand sicher anders beurteilt und anders reagiert hätte. Aber solche Situationen kriegen ihre Dynamik und ich muss auch darauf hinweisen, dass Hannover 96 das ganze Thema erstmal nicht thematisiert hatte, sondern wir mussten uns durch die Öffentlichkeit dem Thema annehmen und akzeptieren, viele Fragen beantworten und da sind sicher taktische Fehler gemacht worden.

SPORT1: Wie hat Herr Slomka die Nachricht mit der Entlassung aufgenommen?

Kind: Das kann ich gar nicht sagen, weil Herr Dufner (96-Manager Dirk Dufner, Anm. d. Red.) diesen Anruf getätigt hat. Ich habe anders mit Herrn Slomka kommuniziert. Herr Dufner hat aber deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es ein professionelles Gespräch gewesen war.

SPORT1: Wie lief die Entlassung ab?

Kind: Vor dem Freiburg-Spiel haben Herr Dufner und ich nochmal mit Slomka gesprochen. Der Urlaub war geplant und bei einer notwendigen Entscheidung hatten wir vereinbart, dass er seinen Urlaub nehmen soll und wenn es eine Entscheidung gibt, dass wir ihm das telefonisch mitteilen.

SPORT1: Mit Verlaub, aber die Entlassung ließ jede Seriosität vermissen. Telefonisch im Urlaub ist nicht gerade guter Stil, oder?

Kind: Natürlich wird es noch ein persönliches Gespräch mit Herrn Slomka geben.

SPORT1: Herr Slomka erhält nun eine Abfindung von rund 1,5 Millionen Euro. Viel Geld für den Verein. Wie sehr belastet das?

Kind: Wirtschaftlich haben wir uns stabil entwickelt. Als Kaufmann muss ich aber ganz deutlich sagen sind Summen, die zu leisten sind, nicht das, was wir uns vorstellen. Wir mussten eine Abwägung treffen und die kann nicht von wirtschaftlichen Überlegungen geleitet sein, sondern von den Perspektiven im sportlichen Bereich.

SPORT1: Jetzt soll schnellstmöglich der Nachfolger gefunden werden. Wunschkandidaten wie Bremens Ex-Coach Thomas Schaaf, Fürths Trainer Frank Kramer oder Paderborns Andre Breitenreiter haben bereits abgesagt. Wie muss der neue 96-Coach sein? ( 825659 DIASHOW: Die Trainerkandidaten in Hannover )

Kind: Ich muss sagen, dass wir bei Herrn Kramer und Herrn Breitenreiter gar nicht angefragt haben. Herr Dufner sondiert jetzt den Markt, wir haben viele Profile diskutiert und wir werden die Gespräche führen. Unser Ziel ist es zügig eine Entscheidung zu treffen. Der Idealfall wäre, wenn der neue Trainer zu Trainingsstart anfangen könnte. Das wird uns hoffentlich gelingen.

SPORT1: Wie muss der neue Mann sein?

Kind: Namen werde ich nicht kommentieren. Das wäre nicht seriös. Es gibt Trainer, die sind gut für den Abstiegskampf, dann gibt es Trainer mit sehr viel Erfahrung und dann wieder junge Konzepttrainer mit hoher Motivation und Zukunft. Noch sind wir offen, wir sollten aber etwas Mut für unsere Entscheidung haben. Man muss natürlich auch sagen, dass wir zwar in einer kritischen Situation sind, aber noch nicht auf einem Abstiegsplatz stehen. Wenn wir am Ende 40 Punkte haben, werden wir nicht absteigen. Das ist mit dieser Mannschaft möglich.

[kaltura id="0_1kshtv9x" class="full_size" title="Hannover feuert Slomka"]

Weiterlesen