Slomkas Aus bei 96 ist anders als Entlassungen sonst. Kinds Vorgehen ist fragwürdig, weil er Slomka öffentlich verbrannte.

Rein sportlich hatte Hannover 96 viele Argumente auf seiner Seite, Mirko Slomka den Laufpass zu geben (Bericht und Video)

Der Tabellenstand und die eklatante Auswärtsmisere mit null Punkten in der Fremde bei einem Torverhältnis von 6:20 wurden dem Trainer dabei zum Verhängnis.

Den nach zweimaliger Qualifikation für die Europa League hochgesteckten Zielen zum Trotz finden sich die Niedersachsen mitten im Abstiegskampf wieder.

Slomka ebenso anzulasten ist der spielerische und taktische Abwärtstrend der Mannschaft, die obendrein wegen ihres Fitnesszustands zuletzt immer mehr in die Kritik geriet.

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So grundsätzlich, so logisch. Gleichwohl ist Slomkas Rauswurf bemerkenswert, da anders als sonst in der Branche.

Weil er nämlich spätestens kurz vor Weihnachten feststand und öffentlich angekündigt wurde.

Auch bei SPORT1 hatte Martin Kind seinen Chefcoach schon längst zum Abschuss freigegeben.

"Ich schließe es nicht aus. Im Moment würde ich 60:40 sagen", hatte der Klubboss am 23. Dezember die Chancen auf eine Entlassung Slomkas kommentiert - nachdem Kind mit Verweis auf eine Nachfolger-Suche bereits erklärt hatte: "Ich habe Herrn Dufner gebeten, Namen aufzuschreiben und Profile."

Auch wenn es offenkundig üblich ist, dass die Chefetage eines Klubs schon vor der Entlassung seinen leitenden Angestellten nach einer Alternative aktiv wird: Dies auszusprechen verbietet sich und ist schlichtweg stillos.

Einem jahrelang erfolgreichen Trainer gebührt eine aufrichtigere respektvollere Behandlung. Zumal nach Kinds Worten trotzdem noch versucht wurde, den Eindruck zu vermitteln, Slomka habe irgendwie doch eine Chance auf Weiterbeschäftigung, von ergebnisoffenen Gesprächen die Rede war.

In Wahrheit war der 46-Jährige da schon längst verbrannt in Hannover, eine Weiterbeschäftigung undenkbar geworden.

Dass dürfte auch Slomka klar gewesen sein, der wohl nur einer Millionen-Abfindung wegen nicht selbst hingeworfen hat als Reaktion auf die öffentliche Demontage seiner Person.

Egal, wer nun Slomkas Nachfolge antritt - ihre Regelung wird auch zum Gradmesser für die Zukunft von Dirk Dufner:

Dass die vermeintlichen Top-Transfers Marcelo, Salif Sane, Edgar Prib und Leonardo Bittencourt bisher nicht einschlugen, geht auch aufs Konto des Sportdirektors.

Im Gegensatz zu Vorgänger Jörg Schmadtke wirkt Dufner noch immer profillos und ist den Beweis schuldig geblieben, Einfluss auf die Mannschaft zu nehmen.

Der von ihm auszusuchende Slomka-Erbe sollte ein Mann sein, der 96 schnell wieder in die Erfolgsspur zurückbringt.

Sonst gehen auch Dufner bald die Argumente aus.

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