Nach langer Demontage muss der Trainer gehen. Mögliche Nachfolger gibt's viele - Rangnick sagt bei SPORT1 aber ab.

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Hannover - Die Würfel sind gefallen: Hannover 96 hat die wochenlange Hängepartie beendet und Mirko Slomka entlassen.

Der niedersächsische Bundesligist zog nach einer regelrechten Demontage seines Cheftrainers am Freitag einen Schlussstrich und gab Slomka den Laufpass.

Der Klub reagierte damit auf die sportliche Talfahrt der vergangenen Monate. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber gemeinsam haben wir die Überzeugung, etwas verändern zu wollen", sagte Sportdirektor Dirk Dufner.

Dufner und Kind sprechen Dank aus

Und Klubchef Martin Kind ergänzte: "Mein persönlicher Dank gilt Mirko Slomka, der Hannover 96 vor dem Abstieg in die Zweite Bundesliga gerettet hat und anschließend zwei Mal in die UEFA Europa League geführt hat. Diese Erfolge werden immer eng mit seinem Namen verbunden sein."

Mit insgesamt 135 Spielen betreute kein anderer Coach 96 in der Bundesliga so lange wie Slomka, der zudem der 58. Trainer der Niedersachsen war.

Kind hatte vor wenigen Tagen freimütig zugegeben, dass er Dufner angewiesen habe, eine Liste mit potenziellen Nachfolgern zusammenzustellen. (KOMMENTAR: Logisch, aber stillos)

Wochenlange Demontage

Der Schlusspunkt der wochenlange Demontage Slomkas deutete sich da schon an.

"Ich schließe es nicht aus. Im Moment würde ich 60:40 sagen", hatte Klubboss Martin Kind auch am 23. Dezember bei SPORT1 vielsagend die Chancen auf eine Entlassung Slomkas kommentiert.

Dufner wiederum hatte nach dem 1:2 beim SC Freiburg im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 erklärt: "Wenn wir sagen würden, wir sind uns total im Klaren, dass wir dem Trainer weitermachen wollen, dann wäre das nicht die Wahrheit."

[kaltura id="0_74rwjraq" class="full_size" title="Dufner im Doppelpass ber Slomka"]

Nachfolger "in den kommenden Tagen"

Nun ist die Trennung vollzogen, sie sei Slomka am Freitag durch Dufner mitgeteilt worden, teilte 96 mit.

"Die Modalitäten für die Beendigung des Angestellten-Verhältnisses des Cheftrainers sind in seinem bis zum 30. Juni 2016 laufenden Vertrag geregelt. Beide Seiten vereinbarten darüber Stillschweigen", hieß es in einer Pressemitteilung.

Ein neuer Cheftrainer soll "in den kommenden Tagen" gefunden werden.

Slomka reagiert gelassen

Slomka, den die Nachricht seiner Entlassung im Weihnachtsurlaub in Abu Dhabi erreicht hatte, reagierte gelassen.

Auf seiner Website (www.mirko-slomka.de) dankte er der "lieben 96-Familie" für die "grandiose Unterstützung in den letzte fast vier Jahren".

Der 46-Jährige forderte: "Bleibt dem Verein treu und unterstützt die Jungs weiter auf dem Feld."

Sportliche Talfahrt

Nur einen Sieg aus den zurückliegenden elf Spielen, kein einziger Punkt aus acht Auswärtsspielen, Tabellenplatz 13 - die sportliche Erfolglosigkeit wurde Slomka am Ende zum Verhängnis.

Der selbst ernannte Europacup-Anwärter hinkt seinen eigenen Ansprüchen zur Saison-Halbzeit meilenweit hinterher.

Slomka hatte die Niedersachsen am 19. Januar 2010 übernommen, vor dem Abstieg gerettet und zweimal in die Europa League geführt.

Nochmals intensive Gespräche

Die Entscheidung gegen Slomka hatte sich bereits in den vergangenen Tagen angedeutet.

Und doch gab es am Freitagvormittag noch einmal intensive Gespräche zwischen Vereinsboss Kind, dem Aufsichtsrat, den Investoren und Dufner.

Neben der sportlichen Perspektive ging es bei der Trennung von Slomka nämlich auch um viel Geld. Sein Vertrag bei 96 lief ursprünglich noch bis Juni 2016.

Teure Abfindung wahrscheinlich

Die Beurlaubung ihres langjährigen Übungsleiters kommt den Verein nun teuer zu stehen.

So muss der Klub seinem beurlaubten Coach nach Informationen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" eine im Arbeitsvertrag festgeschriebene Abfindung in Millionenhöhe zahlen.

Hinzu kommen die Kosten für Slomkas ebenso scheidendes Trainerteam.

Nachfolge: Lange Kandidatenliste

Wer beim Trainingsauftakt am 5. Januar an der Seitenlinie stehen wird und mit 96 am 25. Januar beim VfL Wolfsburg in die Rückrunde startet, ist derweil völlig offen.

Nach der Absage von Wunschkandidat Thomas Schaaf ist die Liste möglicher Kandidaten lang.

Namen wie die jobsuchenden Bruno Labbadia, Markus Babbel, Christian Gross und Michael Frontzeck werden an der Leine ebenso gehandelt wie die Zweitligatrainer Andre Breitenreiter (SC Paderborn), Markus Kauczinski (Karlsruher SC) und Frank Kramer (SpVgg Greuther Fürth).

Korb von Breitenreiter - Kramer Favorit?

Kramer, laut "Bild" Favorit und Kinds Wunschkandidat, besitzt beim fränkischen Zweitliga-Zweiten bis 2015 allerdings noch einen Vertrag

Fürths Präsident Helmut Hack sagte in der "Nürnberger Zeitung" zudem: "Wir haben wirklich anderes zu tun, als uns mit so einem Humbug zu beschäftigen. An dieser Sache ist gar nichts dran. Deshalb verschwenden wir unsere Zeit auch nicht damit."

Breitenreiter, einst Profi bei 96, sagte bereits verbindlich ab: "Es ehrt mich sehr, zum Kandidatenkreis als Trainer von Hannover 96 zu gehören. Es ist auch sehr reizvoll, Trainer in der 1. Bundesliga bei Hannover 96 zu sein. Der Zeitpunkt ist jedoch für mich noch nicht der Richtige."

Rangnick sagt gleich ab

"Wir werden uns über alle Kategorien unterhalten: erfahrene Trainer, im Abstiegskampf erfahrene Trainer, junge Konzepttrainer", hatte Kind kürzlich gesagt.

Zudem kursiert mit Ralf Rangnick auch der Name eines alten Bekannten im Umfeld des Klubs.

Rangnick, derzeit Sportchef bei RasenBallsport Leipzig und Red Bull Salzburg, hatte die Niedersachsen 2002 in die Bundesliga geführt und einst mit Slomka zusammengearbeitet.

Bei SPORT1 erklärte Berater Oliver Mintzlaff aber: "Nein, Ralf Rangnick wird nicht Trainer bei 96. Es gibt keine Gespräche, und er fühlt sich sehr wohl als Sportdirektor bei RB Leipzig und Red Bull Salzburg."

Kritik an Spieler-Fitness

In jedem Fall wartet auf den neuen Mann eine knifflige Aufgabe. Die Mannschaft ist nach der jüngsten Pleitenserie vollkommen verunsichert, agierte zuletzt meist planlos und ohne erkennbares Spielsystem.

Von der gefürchteten Konterstärke, als Hannover mit seinem überfallartigen Angriffsfußball die Europa League rockte, ist das Team zurzeit meilenweit entfernt.

Zudem wurde zuletzt immer wieder der Fitnesszustand der Spieler bemängelt.

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