Kirchhoff spielte vor seinem Wechsel zum FCB sechs Jahre in Mainz © imago

Die Bayern geben Kirchhoff nach nur einem halben Jahr nach Gelsenkirchen ab. Eine Rückkehr steht in den Sternen.

Von Tobias Wiltschek

München - Noch gar nicht richtig angekommen und doch schon wieder weg.

Nach nur elf Pflichtspielen, in denen er ausnahmslos eingewechselt wurde, ist die Karriere von Jan Kirchhoff beim FC Bayern München erst einmal vorbei.

Wie der FC Bayern mitteilte, wird der gelernte Innenverteidiger bis 2015 an den Konkurrenten Schalke 04 ausgeliehen und soll dort wieder regelmäßig zum Einsatz kommen.

Ob Kirchhoff nach seinem Engagement in Gelsenkirchen in die bayerische Landeshauptstadt zurückkehren kann, steht jedoch in den Sternen.

Rummenigge fordert Entwicklung

Zwar haben sich die Bayern eine Rückholoption in die Vereinbarung mit den Königsblauen hineinschreiben lassen. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge verband dies aber mit einer unverhohlenen Forderung an den U-21-Nationalspieler, der im Sommer von Mainz 05 an die Isar gewechselt war.

"Wir wünschen ihm alles Gute und hoffen, dass er sich dort gut weiterentwickelt, so dass er gegebenenfalls 2015 zum FC Bayern zurückkehrt", so Rummenigge.

Bei den Münchnern hatte Kirchhoff nie eine Chance bekommen, Spielpraxis zu sammeln und sich dadurch weiterzuentwickeln.

Selbst als Trainer Pep Guardiola den etatmäßigen Innenverteidigern Jerome Boateng und Dante wegen Leistungsschwankungen und hoher Belastung eine Pause verordnete, kam Kirchhoff nicht zum Zug.

Contento statt Kirchhoff

Stattdessen entschied sich der Coach häufiger für den belgischen Routinier Daniel van Buyten und ließ in der Champions League gegen Viktoria Pilsen sogar den gelernten Linksverteidiger Diego Contento in der Abwehrzentrale ran.

Und Kirchhoff? Den wechselte Guardiola zuletzt - wenn überhaupt - nur noch als defensiven Mittelfeldspieler ein.

Meistens aber saß der gebürtige Frankfurter, den Sportvorstand Matthias Sammer vor Saisonbeginn bei SPORT1 als "hochinteressanten Spieler und Rohdiamant" bezeichnet hatte, auf der Ersatzbank.

Dabei war auch dem 1,95 Meter langen Hünen bewusst, dass er es beim Triple-Sieger auf Anhieb kaum in die Stammelf schaffen würde. "Klar ist das Risiko bei so einem Kader größer, nicht so leicht zum Einsatz zu kommen", sagte er noch im August dem "Münchner Merkur".

Dass er sich vor seinem Wechsel einer Leistenoperation unterziehen musste und deshalb nicht vollkommen fit in die Saisonvorbereitung ging, benachteiligte ihn im harten Konkurrenzkampf bei den Bayern zusätzlich.

Im Schatten von Götze und Thiago

Kirchhoff stand trotz seiner Größe von Beginn an im Schatten der beiden Star-Einkäufe Mario Götze und Thiago Alcantara.

Nun muss er sich einstweilen in die weit weniger ruhmreiche Liste der Bayern-Spieler einreihen, die gekauft worden sind, um bald schon an einen anderen Verein abgegeben zu werden:

Jose Ernesto Sosa, Alexander Baumjohann, Jan Schlaudraff, Vahid Hashemian, Ali Karimi. Die Liste könnte man locker noch um den einen oder anderen Akteur erweitern.

Alle haben eines gemeinsam: Zurück zum FC Bayern schafften sie es nicht mehr.

Dabei gibt es auch andere Beispiele, die Kirchhoff zumindest Mut machen könnten.

Lahm und Kroos setzen sich durch

Philipp Lahm wurde als 19-Jähriger zum VfB Stuttgart ausgeliehen und kam zwei Jahre später als gestandener Bundesliga-Profi zu den Bayern zurück. Mittlerweile ist er dort Kapitän und hat schon über 100 Länderspiele bestritten.

Einen ähnlichen Weg ging Toni Kroos. Auch er scheiterte im ersten Anlauf bei den Bayern und sammelte später eineinhalb Jahre Spielpraxis bei Bayer Leverkusen.

Kirchhoff kann sich nun auf Schalke beweisen. Bei den Königsblauen kommt er entweder als Ersatz für die beiden langzeitverletzten Sechser Dennis Aogo und Marco Höger sowie als Vertretung des angeschlagenen Abwehrchefs Benedikt Höwedes in Frage.

Eine Rückkehr zu den Bayern ist aber nur dann realistisch, wenn er sich langfristig bei den Schalkern behauptet - egal auf welcher Position.

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