Martin Bader ist seit 1. Januar 2004 Sportdirektor beim 1. FC Nürnberg © getty

Sieglos auf Tabellenplatz 17 - und doch giert Verbeek nicht nach Neuzugängen. Der Club-Manager rückt die Situation zurecht.

Von Reinhard Franke

München - Platz 17, nur elf Punkte und kein einziger Sieg in der Vorrunde. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Diese nackten Zahlen lassen keinen Bundesliga-Manager entspannt die Weihnachtsfeiertage genießen - auch Nürnbergs Manager Martin Bader nicht.

Da gilt es, die Zeit zu nutzen, um im Januar-Transferfenster die Mannschaft zu verstärken und deren sportliche Qualität zu erhöhen.

Umso überraschender, dass die Sehnsucht nach neuen Spielern bei Club-Trainer Gertjan Verbeek gar nicht allzu hoch ist.

"Wenn wir einen neuen Spieler holen, dann muss es einer sein, der uns besser macht. In der Breite haben wir genug Qualität", sagte er dem "kicker".

Täglich viele Gespräche

Bader rückt dies aber im Gespräch mit SPORT1 gerade: "Der 1. FC Nürnberg will sich schon verstärken, aber wir haben einen Trainer, der grundsätzlich an die Qualität im Kader glaubt, weil er sie in den letzten Wochen gesehen hat."

Die hitsorische Sieglos-Serie der Franken ist aber auch dem Coach nicht entgangen, wie Bader betont:

"Die Ergebnisse treiben uns dazu, zu überlegen, trotzdem etwas zu machen. Das eine schließt das andere nicht aus."

Bis zu zwei Millionen Euro würde Bader für einen Defensivmann ausgeben.

Man führe momentan "intern täglich mit vielen Beratern und Spielern Gespräche, ob es eine Möglichkeit gibt, im Januar nach Nürnberg zu kommen."

Dies geschehe aber immer in enger Abstimmung mit Verbeek.

Wunschspieler statt Ladenhüter

Bei seiner akribischen Shopping-Tour will Bader nicht einfach nur billige Ladenhüter verpflichten. Es sollen echte Wunschspieler sein.

"Ich suche weiter, mache und tue, aber, wenn wir etwas machen, dann muss es sinnvoll sein. Es ist immer schwierig zu sagen es muss mehr Qualität sein, es muss einfach passen."

Das sei dann der Fall, "wenn wir eine Position gut besetzen, damit wir dort keine Bauchschmerzen bekommen, wenn etwas passiert."

Hinten drückt der Schuh

Bauchschmerzen bereitet beispielsweise der Defensivbereich der Franken. Die Hoffnungen ruhen dort derzeit auf dem 18 Jahre alten Niklas Stark.

Das reicht Bader zufolge langfristig nicht aus.

"Wenn du 20 Punkte hast, dann kannst du einen 18-Jährigen mal spielen lassen, aber über einen längeren Zeitraum kann das gefährlich werden."

Bader schaut deshalb etwas neidisch zu Liga-Konkurrent Borussia Dortmund: "Der BVB hat auf einem anderen Niveau einen Marian Sarr eingebaut. Das kann sich der BVB leisten, aber nicht wir, weil uns das Wasser bis zum Hals steht. Niclas ist unsere Zukunft, aber die Zukunft muss Erste Liga sein."

Ein Routinier kehrt zurück

Bader will kein Risiko eingehen. Auch ein Grund, warum in der Rückrunde wieder ein Routinier eine Chance bekommen wird. Hanno Balitsch, der unter Verbeeks Vorgänger Michael Wiesinger suspendiert und zur U 23 abgeschoben wurde, darf wieder im Profikader mit trainieren und ist damit eine Art Neuzugang beim Club.

In den letzten Spielen der Hinrunde wollte auch Verbeek noch nicht auf den 32-jährigen Mittelfeldspieler zurückgreifen, jetzt aber schon.

"Mit Hanno Balitsch haben wir einen Spieler, bei dem klar war, dass er zur Rückrunde wieder dabei ist. Verbeek musste ihn erst mal richtig einschätzen. Das kann eine Option werden", so Bader.

"Mit dem Grund, warum Michael Wiesinger Balitsch damals entfernt hat, hat sich der Trainer beschäftigt und das mit Hanno besprochen und wieder alles auf null gestellt."

Lob für Balitsch

Balitsch sei ein Spieler, "der seine Leistungen schon gebracht hat, in anderen Vereinen wie auch beim 1. FC Nürnberg."

Er sei "im Sommer etwas verrutscht, das haben wir jetzt wieder korrigiert. Hanno hat einiges dazu beigetragen, indem er wieder auf die Mannschaft zugegangen ist und er hat auch mit dem Trainer lange gesprochen."

Das Verhalten, wie sich Balitsch in den letzten Wochen bei der U 23 verhalten habe, sei "vorbildlich" gewesen, betont Bader.

Kirchhoff: Bader nimmt es sportlich

Einen, den Bader gerne beim FCN gesehen hätte, ist Bayerns Mittelfeldspieler Jan Kirchhoff, der nun aber für anderthalb Jahre an Schalke 04 ausgeliehen wird.

Auch der Club hätte den 23-Jährigen gerne geholt, ähnlich wie es in den letzten Jahren schon bei den Bayern-Spielern Breno, Andreas Ottl und Mehmet Ekici praktiziert wurde.

Nun also wird Kirchhoff ab Januar für die Königsblauen auflaufen.

"So ist das Geschäft. Es war klar, dass in dem Moment, wo die Bayern signalisieren ihn auszuleihen, mehrere Vereine sich um Jan Kirchhoff bemühen", sagt Bader.

"Das nehme ich komplett sportlich."

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