Pep Guardiola (r.) übernahm zu Saisonbeginn die Bayern von Jupp Heynckes © getty

Dominierende Bayern, Fehlentscheidungen, Trends die gingen und blieben. SPORT1 analysiert die großen Entwicklungen der Hinrunde.

Von Tobias Wiltschek

München - Pep Guardiolas Bayern thronen über allem, das haben in diesem Jahr Fußballfans ins 207 Nationen mitverfolgen können.

So viele Länder wie nie verfolgten in der Hinrunde der Saison 2013/14 das Top-Duell zwischen den Münchenern und ihren Dortmunder Rivalen, so viele Menschen wie nie verfolgen das Geschehen in der Bundesliga.

Kein Wunder, denn Deutschlands höchste Spielklasse hatte der Fußballwelt auch einiges zu bieten.

Was genau? SPORT1 blickt zurück und spürt den wichtigsten Entwicklungen der Hinrunde nach.

Dominante Bayern:

Unter dem neuen Trainer Guardiola hat der deutsche Rekordmeister in der Hinrunde nicht ein einziges Spiel verloren. Ganze zwei Unentschieden haben sich die Bayern geleistet - bei 14 Siegen in 16 Spielen.

Gewinnt der FCB auch die Nachholpartie des 17. Spieltags Ende Januar beim VfB Stuttgart, hat er zehn Punkte Vorsprung auf den Zweiten Bayer Leverkusen. Das ist noch ein Zähler mehr als in der vergangenen Saison, als die Münchner ebenfalls schon in der ersten Halbserie praktisch uneinholbar vorneweg marschierten.

Bei einer so erdrückenden Dominanz ist es nur logisch, dass die Bayern zahlreiche Rekorde purzeln lassen. So ist Guardiola der erste Trainer der Bundesliga-Geschichte, der in seinen ersten 16 Spielen ungeschlagen bleibt.

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In der Hinrunde baute der frisch gekürte Klub-Weltmeister seine Erfolgsserie auf 41 Bundesliga-Spiele ohne Niederlage aus. Kommt in Stuttgart noch ein Erfolg hinzu, würden die Bayern als erste Mannschaft in der Hinrunde 15 Siege feiern.

Die Dortmunder - von Verletzungspech und Problemen in Abwehr und Chancenverwertung gebeutelt - konnten die Rekordhatz nicht aufhalten.

Spannung:

Trotz der Bayern-Dominanz ist das deutsche Oberhaus keineswegs eine Langweiler-Liga. Im Kampf um die internationalen Plätze geht es genauso eng zu wie im Abstiegskampf, ein Mittelfeld ist praktisch nicht existent.

Zwischen Platz drei und Platz sieben sowie zwischen Rang zehn und 16 liegen jeweils nur fünf Punkte. Gerade die letzten Spieltage der Hinrunde belegten, dass hinter den Bayern jeder jeden schlagen kann.

Der BVB verlor zu Hause gegen die Berliner Hertha, Bayer Leverkusen unterlag Eintracht Frankfurt und Werder Bremen.

Krasse Fehlentscheidungen:

Dass die DFL im Gegensatz zu früheren Aussagen auf eine möglichst schnelle Einführung der Torlinien-Technologie drängt, hat ebenfalls mit einem Trend dieser Hinrunde zu tun.

Die Zahl der Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern ist Statistiken zufolge zwar im Großen und Ganzen gleichgeblieben. Allerdings häuften sich die klaren Fehlurteile; vor allem in Bezug auf die wichtigste Frage: Tor oder nicht Tor?

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Schon am ersten Spieltag verweigerte Thorsten Kinhöfer dem Tor von Hoffenheims Kevin Volland gegen Nürnberg die Anerkennung, obwohl der Ball klar hinter der Linie war. Am neunten Spieltag folgte das Phantomtor von Leverkusens Stefan Kießling in Sinsheim (Bild), als der Ball durch ein Loch im Außennetz den Weg ins Tor fand - und vom Unparteiischen Felix Brych auch als solches gewertet wurde.

Auch in anderen Spielen, wie beim 3:3 von Hannover gegen Nürnberg, als Kinhöfer eine klare Abseitsstellung von 96-Torschütze Mame Diouf übersah, nahmen Schiedsrichter mit ihren Fehlentscheidungen maßgeblichen Einfluss auf das Resultat.

Tore, Tore, Tore:

Bundesliga, Ballerliga. 486 Tore erzielten die Spieler der 18 Mannschaften in der Hinrunde - so viele wie seit der Saison 1985/86 nicht mehr. Die Marke von 1000 Treffern in einer Spielzeit ist nach wie vor in Reichweite.

An den Hoffenheimern sollte das Erreichen dieser Schallmauer nicht scheitern. Bei den Spielen der TSG fielen bislang 74 Tore - mehr als bei allen anderen Bundesligisten.

Pannen-Keeper:

Bei der Frage nach den Gründen für die vielen Treffer landet man ebenfalls im Kraichgau. Dass so oft gejubelt werden konnte, liegt auch an der Zunahme von Torwartfehlern.

30 schwere Fehler vor Gegentoren zählten die Statistiker, im Gegensatz zu 13 in der Hinrunde 2012/13.

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Dass zwei Drittel aller Stammkeeper jünger als 25 ist und mit altersbedingten Leistungsschwankungen zu kämpfen hat, ist ein Erklärungsansatz.

Selbst hochbegabte Torleute konnten sich dem Trend nicht entziehen - man denke an die drei Patzer von Freiburgs Oliver Baumann (Bild) gegen den HSV.

Das führte dazu, dass gleich fünf Trainer während der Hinrunde ihre Torhüter wechselten: Hoffenheims Markus Gisdol, Bremens Robin Dutt, Schalkes Jens Keller, Augsburgs Markus Weinzierl und Thomas Tuchel von Mainz 05.

Der Datendienst "Impire" geht aufgrund all dieser von ihm registrierten Entwicklungen so weit zu behaupten: Torhüterland Deutschland ? das war einmal.

Falsche und echte Mittelstürmer:

Auf der anderen Seite des Spielfeldes schien sich zu Beginn der Saison eine Revolution anzukündigen. Forciert vom neuen Bayern-Coach Guardiola spielten auf einmal mehrere Mannschaften in der Bundesliga ohne gelernten Stürmer.

Bei den Bayern fiel die echte Nummer 9 Mario Mandzukic häufiger der "falschen Neun" in wechselnder Gestalt von Mario Götze oder Thomas Müller zum Opfer. Auch der Hamburger SV und Werder Bremen zogen die kleinen, quirligen Spielern den Strafraumbrechern vor.

Doch weder Mandzukic noch seine Kollegen aus der vordersten Front ließen sich langfristig verdrängen. Mittlerweile spielen alle Teams wieder mit einem gelernten Mittelstürmer.

Und die danken es ihren Trainern, indem sie so zuverlässig treffen, wie eh und je. Knapp 20 Prozent aller Tore entfielen auf die Stürmer. Mit Adrian Ramos, Max Kruse und Mandzukic befinden sich gleich drei Stürmer unter den Top Ten der SPORT1-Notenliste.

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