Marc-Andre ter Stegen spielt seit seinem vierten Lebensjahr bei der Borussia © imago

Gladbach steht kurz davor, den nächsten Leistungsträger zu verlieren. Manager Eberl ist genervt, der Keeper schweigt eisern.

Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Reiners

Mönchengladbach - Die Frage brachte Lucien Favre aus dem Konzept.

Der Schweizer lächelte kurz. Stockte. Überlegte. Atmete tief durch. "Das ist sehr schwer zu beantworten. Ich kann darüber nicht reden und antworten", sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach schließlich auf die Frage, die seit Wochen rund um den Borussia-Park diskutiert wird.

Bleibt Marc-Andre ter Stegen oder verlässt er den Verein im kommenden Sommer?

Perfekten Rahmen verpasst

"Wir wollen und hoffen natürlich alle, dass er bleibt", betonte Favre. Und sagte dann den Satz, der die Tendenz deutlich erkennen lässt. "Aber wenn ein Verein wie der FC Barcelona kommt, können sie sich vorstellen... Falls er geht ? was wollen sie machen?"

Es sprechen inzwischen aber auch weitere Dinge gegen eine Entscheidung für den Klub, für den ter Stegen seit seinem vierten Lebensjahr spielt. Denn der Abschluss einer starken Hinrunde, rund um das 2:2 gegen den VfL Wolfsburg (Nachbericht) , zwei Tage vor Heiligabend, wäre eigentlich der perfekte Rahmen gewesen, eine Vertragsverlängerung zu verkünden.

"Ihr müsst ihn fragen"

Doch die Möglichkeit blieb ungenutzt. Stattdessen soll nun in der Winterpause die Entscheidung verkündet werden.

Max Eberl war im Gegensatz zu Favre deshalb vor allem genervt. "Ihr müsst ihn fragen, nicht mich. Denn ich kann die Frage nicht beantworten. Ich weiß es nicht", sagte der Manager.

Doch ter Stegen war wie so oft in den vergangenen Wochen wortlos abgerauscht. Der 21-Jährige lässt die Borussia inzwischen seit Monaten zappeln (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Einmalige Chance

Immer wieder verschiebt das Eigengewächs seine Entscheidung, ob er bei der Borussia seinen bis 2015 datierten Vertrag nun vorzeitig verlängert oder den berühmten nächsten Schritt in seiner Karriere wagt.

Den Schritt zum FC Barcelona. Eine Chance, die wohl nur einmal in der Karriere kommt. Das weiß auch Favre. Und auch deshalb sprach alles in seiner Gestik und Mimik gegen die Hoffnung, ter Stegen könne sich doch für die Borussia entscheiden.

Baumann und Sommer im Fokus

Doch die Borussia hat vorgesorgt und befindet sich seit Wochen auf der Suche nach einem möglichen Nachfolger. Ein Wechsel würde immerhin gute zehn Millionen Euro in die Kassen spülen. Nach SPORT1-Informationen stehen der Freiburger Oliver Baumann und Yann Sommer vom FC Basel ganz oben auf der Wunschliste.

Doch Favre zeigte ganz offen, wie sehr ihn ein Wechsel des Nationaltorhüters treffen würde.

Denn der Weggang wäre auch ein Zeichen. Vor allem mal wieder ein Zeichen, dass die Borussia immer noch ein ganzes Stück davon entfernt ist, die tragenden Säulen der Mannschaft auf Dauer halten zu können. Vor fast genau zwei Jahren verkündeten Marco Reus und Roman Neustädter völlig überraschend ihre Wechsel.

Frappierende Parallelen

Und die Parallelen sind frappierend.

Auch damals hatte die Borussia 33 Punkte auf dem Konto. Und auch damals hieß der Gegner zum Auftakt der Rückrunde Bayern München ( 823717 DIASHOW: Die Bilder des 17. Spieltags ).

Der Rest ist bekannt. Trotz der feststehenden Abgänge des "Rückgrats" Reus, Neustädter und später auch Dante ließ sich die Borussia nicht aus dem Konzept bringen, schlug die Bayern 3:1, spielte eine famose Rückrunde und erreichte Platz vier.

Neues magisches Viereck

Auch 2013/2014 sind die Gladbacher auf dem besten Weg, sich nach einem Zwischenjahr der Konsolidierung oben festzusetzen. In Max Kruse, Raffael, Juan Arango und Patrick Herrmann hat Favre ein neues magisches Viereck auf dem Platz.

In Zahlen: Gladbach ist als Dritter seit acht Spielen in Folge ohne Niederlage. Das 2:2 gegen Wolfsburg war der erste Punktverlust im heimischen Borussia-Park nach zuvor acht Siegen in Serie.

Doch auch heute ist das Credo der Gladbacher: Man denkt nur von Spiel zu Spiel. Damit sind sie bereits vor zwei Jahren gut gefahren.

Nicht mehr der Underdog

"Da wo wir stehen, stehen wir verdient. Wir haben aber noch eine Rückrunde zu spielen. Wir sind jetzt nicht mehr der Underdog", mahnte Eberl.

Auch Favre ist sich bewusst, dass der Erfolg kein Selbstläufer ist. "Wir sind jetzt sehr stabil. Wir müssen aber realistisch sein. Wir sind ehrgeizig, aber wir bleiben auf dem Boden."

Doch was denn nun drin ist in dieser Saison ? auch diese Frage konnte und wollte Favre nicht beantworten.

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