Für SPORT1-Kolumnist Berthold analysiert die Ursachen der Misere in Hannover und Hamburg. Über van Marwijk wundert er sich.

Hallo Fußball-Freunde,

Der FC Bayern hat sich auch den fünften Titel in diesem Jahr gesichert. Die Spiele bei der Klub-WM waren aber eher wie Trainingsspiele für die Münchner und ein lockerer Abschluss eines perfekten Jahres.

Dazu passt, dass nun auch noch die Konkurrenz schwächelt. Leverkusen verliert in Bremen und Dortmund zu Hause gegen Aufsteiger Hertha - da lachen sich die Bayern doch kaputt.

Wenn die Bayern ihr Nachholspiel gegen Stuttgart gewinnen, sind sie zehn Punkte vor Leverkusen und 15 Zähler vor Dortmund.

Letzte Saison ist die Mannschaft mit 25 Punkten Vorsprung Meister geworden. Diesmal könnten die Verfolger ein noch schlimmeres Debakel erleben.

Spannender dürfte es in der zweiten Tabellenhälfte werden. Wenn der VfB das Nachholspiel gegen die Bayern verliert, beginnt bei Stuttgart auf Rang zehn mit 19 Punkten der Abstiegskampf.

Bremen, Hoffenheim, Hannover, Hamburg und Frankfurt ? alle hängen unten drin.

Gerade bei 96 hat man das Gefühl, dass sie im Moment gar nicht in der Lage sind, sich Chancen rauszuspielen.

Die Mannschaft wirkt von ihrer Fitness, ihrem Biss und ihrem Teamspirit nicht mehr so kompakt wie in den letzten beiden Jahren.

Mirko Slomka hat in Hannover sehr erfolgreich gearbeitet. Aber im Sommer haben charakterlich schwierige Spieler den Klub verlassen, die trotzdem wichtig für die Mannschaft waren.

Die Neuzugänge sind nicht eingeschlagen. Nun hängt vieles von Szabolcs Huszti und Mame Diouf ab. Und Diouf ist mit drei Toren weit von seiner Quote aus dem letzten Jahr entfernt.

Dementsprechend ist die Stimmungslage. Der Daumen zeigt wohl nach unten. Wenn man sich so anhört, was Martin Kind und Dirk Dufner, die Klubverantwortlichen sagen: Ich habe das Gefühl, dass unmittelbar nach Weihnachten etwas auf der Trainerposition passiert.

Beim HSV wurde der Trainer bereits gewechselt, die Situation ist trotzdem schwierig.

Es hat mich sehr überrascht, dass Bert van Marwijk ein so vernichtendes Urteil über die Mannschaft abgeben hat.

In der Medienstadt Hamburg ist ohnehin immer Ramba-Zamba. Und nun spricht der Niederländer den Spielern die Qualität ab.

Die Profis lesen auch Zeitung und schauen Fernsehen. Das müssen sie nun erstmal verarbeiten. Und mit diesen Spielern muss van Marwijk schließlich den Karren aus dem Dreck ziehen.

So etwas sollte man intern absprechen. Aus pädagogischer Sicht ist dieser öffentliche Weg sehr gewagt.

Hamburg hat mit 15 Punkten nur einen Zähler mehr als Freiburg. Aber dort ist Ruhe im Verein, alle ziehen an einem Strang.

Gefühlt würde ich sagen, Freiburg kommt noch da unten raus. Auch Nürnberg macht auf mich einen guten Eindruck.

Der Club ist in vielen Spielen unter Wert geschlagen worden, aber die Mannschaft ist kompakt und wirkt nicht verängstigt.

Trainer Gertjan Verbeek hat in kurzer Zeit Veränderungen bewirkt, die sich mit der Zeit auszahlen werden.

Wenn eine dieser Mannschaften mit einem Dreier in die Rückrunde startet, könnte sich die Situation im Tabellenkeller dramatisch ändern.

Ich könnte mir vorstellen, dass eine Mannschaft absteigen muss, die noch gar nicht damit rechnet.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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