Jürgen Klopp verlor als BVB-Trainer 33 von 187 Bundesliga-Spielen - fünf davon in dieser Hinrunde © getty

Nach der dritten Heimpleite in Folge will sich Dortmund keine Krise eingestehen. Dabei gerät sogar das Mindestziel in Gefahr.

Aus Dortmund berichtet Andreas Reiners

Dortmund - Krise. Krise? Krise!

Das Wort mussten sie bei Borussia Dortmund erst einmal im Duden nachschlagen. Denn es ist eine gefühlte Ewigkeit her, dass sich der BVB mit einer sportlichen Misere auseinandersetzen musste.

Selbst der Kapitän kann sich nicht mehr daran erinnern. Und das will etwas heißen.

"Wir haben drei Heimniederlagen in Folge, das gab es zuletzt 2000 - da war selbst Sebastian Kehl noch nicht in Dortmund", sprach der Kapitän etwas kryptisch in der dritten Person nach dem 1:2 gegen Hertha BSC (Bericht: Dicke Patzer: Nächste Pleite für BVB).

Immerhin spielt der 33-Jährige seit elf Jahren in Schwarzgelb.

Die Krise in weiteren Zahlen: Fünf Hinrunden-Niederlagen hatte der BVB in den fünf Jahren unter Trainer Jürgen Klopp noch nie kassiert, zudem gelang dem Champions-League-Achtelfinalisten nur ein Sieg in den letzten sechs Partien.

So klang Dortmunds Niederlage bei SPORT1.fm:

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Gegen die Top-Teams allesamt verloren

Und ganz nebenbei hat der BVB gegen die fünf anderen Teams aus den Top sechs allesamt verloren. Doch diese Zahlenspielerei kannte dann auch Kehl nicht.

"Was soll ich jetzt dazu sagen? Dass wir nicht dahin gehören? Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass gerade die Spiele gegen die Top-Mannschaften nicht die entscheidenden waren. Wir haben unsere Ansprüche nicht zurückgesetzt, wir wollen die direkte Champions-League-Qualifikation", sagte er.

Platz drei in Gefahr

Doch gerade die gerät nun sogar in Gefahr. Holt Borussia Mönchengladbach heute (ab 15.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) gegen den VfL Wolfsburg mindestens einen Punkt, rutschen die Dortmunder auf Platz vier ab.

Doch es war nicht einmal die Niederlage selbst, die den BVB nach einem grandiosen Jahr 2013 mit dem Champions-League-Finale im Mai als Höhepunkt ratlos zurückließ. Es war vor allem die Art und Weise, wie die Dortmunder sich in die Winterpause verabschiedeten.

Mutlos, kraftlos, ideenlos, antriebslos: Gegen die Hertha ließen die Dortmunder alles vermissen, was sie unter Klopp bislang ausgezeichnet hatte.

Zu statisch

Es fehlten die zündenden Ideen, beim oft zu statischen Passspiel die Überraschungsmomente. Zudem ließen die Dortmunder, gepaart mit teils haarsträubenden Fehlern in der Defensive, die Bereitschaft vermissen, das körperbetonte Spiel der Gäste anzunehmen. ( 823717 Bilder des Spiels )

Kurzum: Der Eindruck enstand, als sei die Luft raus. Die Meisterschaft ist bereits seit Wochen abgehakt und der Kampf um Platz eins hinter den übermächtigen Bayern sorgt offenbar für mehr Frust als Lust.

Platz zwei? Das klappt schon. Ein Selbstläufer sozusagen. Doch der Schuss ging am Samstag nach hinten los.

Personalsituation keine Ausrede

Die zahlreichen Verletzten sind sicherlich ein Grund dafür, dass der BVB im 52. Pflichtspiel des Jahres sowohl im Kopf als auch in den Beinen extrem müde wirkte. Eine Ausrede waren sie indes nicht.

Kehl brachte das Dortmunder Dilemma auf den Punkt: "Wir haben tolle Momente gehabt in diesem Jahr, haben aber in der Bundesliga das Gefühl, viel zu wenig erreicht zu haben für die Ansprüche und die Qualität, die wir haben, trotz der personellen Situation."

Zorc nicht einverstanden

Und es war mehr als nur ein Warnschuss, als Manager Michael Zorc mahnte: "Nach langer Zeit bin ich mit der Art und Weise nicht einverstanden, wie wir aufgetreten sind." Denn es war trotz der Misere in den vergangenen Wochen bei weitem nicht alles schlecht.

Oft war es die mangelhafte Chancenverwertung, die dem BVB eine bessere Bilanz vermieste. Die Spiele in Gladbach (0:2), in Wolfsburg (1:2) oder Hoffenheim (2:2) wurden trotz teilweise grotesk großer Überlegenheit nicht erfolgreich beendet. Es ist auch das Quäntchen Glück, das in dieser Saison fehlt und das in knappen Spielen oft den Unterschied ausmacht.

Zu wenige Chancen

Das Bedenkliche am Samstag jedoch: Gegen die Hertha waren es mit gutem Willen gerade einmal zweieinhalb Möglichkeiten.

Torhüter Roman Weidenfeller wollte von einer Krise aber (noch) nichts hören. "Wir haben jetzt keine Krise. Aber wir haben natürlich zu wenig Punkte auf dem Konto", sagte der Nationalspieler.

"Über einiges nachdenken"

Kein Wunder, dass sich beim BVB alle auf die kurze, aber hoffentlich wirkungsvolle Winterpause freuen. "Da unten in der Kabine steht kein Spieler, der denkt: Ich würde gerne noch drei Spiele machen über Weihnachten und Neujahr. Wir können die Pause sehr gut gebrauchen. Aber wir haben uns auch eingebrockt, dass wir über einiges nachdenken müssen", sagte ein sichtlich angefressener Klopp. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und Weidenfeller fand nach langer Suche dann sogar noch etwas Positives. "Das Beste an dem heutigen Tag ist, dass alle ziemlich angesäuert in den Urlaub gehen und mit einer sehr guten Einstellung wieder zurückkommen."

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