Mirko Slomka trainiert Hannover seit Januar 2010 © getty

Nach der Pleite in Freiburg steht Hannovers Trainer auf der Kippe. Sportdirektor Dufner kündigt ergebnisoffene Gespräche an.

Freiburg - Es sah schon ein wenig nach Abschied aus.

Einsam schlenderte Mirko Slomka nach dem Schlusspfiff über den Rasen, dann spendete der heftig kritisierte Trainer von Hannover 96 seinen Spielern Trost und verschwand mit hängendem Kopf in den Katakomben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach dem bitteren 1:2 (0:2) beim Abstiegskandidaten SC Freiburg (Bericht) scheinen Slomkas Tage in Niedersachsen gezählt - auch, weil ihm ein klarer Vertrauensbeweis unmittelbar nach dem neuerlichen Rückschlag verwehrt blieb.( 823717 Bilder des Spiels )

"Wir werden ergebnisoffen an die Sache herangehen. Dass wir gemeinsam weitermachen wollen, steht außer Frage", sagte Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner bei "Sky" und verdeutlichte nochmals: "Es ist wie gesagt alles völlig ergebnisoffen, und daher werden wir auch nichts vorweg greifen. Es dürfte allerdings ein sehr langes Gespräch werden."

Noch am Samstagabend soll eine erste Unterhaltung auf dem Plan gestanden haben.

Kind: Fußball ein Ergebnissport

Rückendeckung klingt irgendwie anders. Zusammen mit Dufner und Slomka wird selbstverständlich auch 96-Präsident Martin Kind die desaströse Hinrunde ohne einen einzigen Punkt auf fremden Terrain aufarbeiten.

Kind, der unter der Woche noch bekräftigt hatte, dass es "weder eine Trainerdiskussion noch ein Ultimatum" gebe, klang nicht mehr ganz so entschlossen.

"Grundsätzlich hat der Trainer das Vertrauen, aber letztendlich ist es ein Ergebnissport", sagte Kind der "ARD".

Slomka sucht das Positive

Dafür lieferte der immer mehr in Not geratende Trainer selbst Argumente für eine Weiteranstellung.

Zumindest versuchte er es.

"Ich glaube nicht, dass sich die Meinung diesbezüglich geändert hat. Man kann ein Spiel auch lesen, und ich habe gegen Freiburg viel Positives erkennen können", sagte der 46-Jährige, der beim Blick auf die Tabelle dann aber umgehend zurückruderte: "Wir sind natürlich alle unzufrieden. Keinen einzigen Punkt auswärts und 18 Zähler insgesamt sind für unsere Ansprüche natürlich viel zu wenig."

Vor 25 Jahren hatte mit der Frankfurter Eintracht zuletzt eine Mannschaft in der Bundesliga die Hinrunde ohne Auswärtspunkt abgeschlossen.

Deutliche Worte von Zieler

Dass Hannover wie immer seit dem Wiederaufstieg vor elf Jahren das letzte Spiel der Hinserie nicht gewann und sich damit eine zweite traurige Serie fortsetzte, ging angesichts der Diskussionen um Slomka fast unter.

Deutliche Worte fanden nichtsdestotrotz Torhüter Ron-Robert Zieler und Leon Andreasen.

"Im Urlaub sollten sich einige Gedanken machen, ob es auch in der Rückrunde so weitergehen soll", schimpfte Zieler.

Die ganz schwache Leistung bei keinesfalls überragenden Freiburgern sei "nur schwer zu erklären. Und die Auswärtsschwäche ist peinlich, das muss man leider so sagen." Für Andreasen sei zudem der Gang zu den wütenden Fans nach dem Spielende `sehr unangenehm" gewesen.

Wütende 96-Fans

Dabei hatten sich die Gemüter zu diesem Zeitpunkt schon wieder beruhigt.

"Kind muss weg, Kind muss weg", hatten die 96-Anhänger nach den Freiburger Treffern durch Admir Mehmedi (25./36.) skandiert.

In Richtung der Spieler forderten sie: "Wir wollen euch kämpfen sehen" - doch mehr als der Anschlusstreffer durch Leonardo Bittencourt (90.+3) wollte an diesem Nachmittag nicht gelingen.

Zu allem Überfluss erlitt Salif Sane eine Fraktur der Mittelhand.

"Wir werden die Mannschaft jetzt in den Urlaub verabschieden, hoffentlich mit einem guten Gefühl zurück erwarten und dann angreifen", sagte Slomka.

Ob er das als 96-Trainer noch erleben wird, ist derzeit mehr als fraglich.

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