Jürgen Klopp ist seit 2008 Trainer von Borussia Dortmund
Trainer Jürgen Klopp muss sich nach fünf Hinrunden-Pleiten sammeln © getty

Dortmund kassiert gegen die Hertha die dritte Heimniederlage in Serie. Der Trainer beschwört einen Neuanfang nach der Winterpause.

Dortmund - Weihnachtsstimmung ist anders. Die Fans hatten sich längst zum Frust-Trunk in den Kneipen im Bannkreis des Stadions versammelt, als Trainer Jürgen Klopp noch lange nach dem Abpfiff in der Kabine mentale Aufbauarbeit leistete.

Enttäuscht und völlig entkräftet hatte sich seine Mannschaft nach dem 1:2 gegen Aufsteiger Hertha BSC (Bericht: Dicke Patzer: Nächste Pleite für BVB) von ihren Anhängern verabschiedet.

"Man muss im Leben immer dankbar und demütig bleiben. Die großartigen Burschen haben schon großartige Geschichten geschrieben - heute war es anders", erklärte Klopp sichtlich angeschlagen, atmete tief durch und sprach unverblümt von einem "beschissenen Ende von 2013".

Ein Sieg aus den vergangenen sechs Spielen, drei Heimniederlagen in Folge - das gab es zuletzt vor 13 Jahren im April 2000 unter Trainer Bernd Krauss - und eine Vorstellung ohne Esprit gegen die Hertha hatten Spuren hinterlassen.

Klopp war froh, dass die Winterpause nun beginnt, der eine oder andere Langzeitverletzte wieder zurückkehrt und die Mannschaft ab den 5. Januar "von vorn beginnen kann".

So klang Dortmunds Niederlage bei SPORT1.fm:

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Erstes Liga-Heimtor seit dem 1. November

0:3 gegen Bayern München, 0:1 gegen Bayer Leverkusen und nun die Heimpleite gegen die Hertha vor eigenen Fans. Zumindest gelang Marco Reus mit seinem achten Saisontor (7.) der erste Liga-Heimtreffer der BVB seit dem 1. November.

Doch selbst die frühe Führung verhalf der Borussia nicht zur nötigen Sicherheit, um einen taktisch exzellent eingestellten Gegner aus den Angeln zu heben. ( 823717 Bilder des Spiels )

"Wir haben danach unsere Chancen nicht erkannt und genutzt", resümierte Klopp, die Reaktion auf den elften Saisontreffer von Adrian Ramos (23.) sowie das 1:2 durch Sami Allagui (45.) sei einfach nicht gut gewesen.

Fehlpässe, Missverständnisse und Hektik zogen sich durch das Dortmunder Spiel.

Doch nicht alles war am Samstag mit der außergewöhnlichen Verletztenmisere zu erklären. Nach dem 52. Pflichtspiel des Jahres schlichen seine Stammspieler auf dem Zahnfleisch über den Rasen, während die beiden Youngster Erik Durm (21) und Marian Sarr (18) mit zwei Blackouts die Hertha-Treffer einleiteten.

"Das Jahr war sehr intensiv für uns"

"Aber das war heute das kleinste Problem", sagte Klopp: "Das komplette Jahr war sehr intensiv für uns, besonders das letzte Drittel."

Fünf Hinrunden-Niederlagen hatte der BVB in den fünf Jahren unter Klopp noch nie kassiert, die Meisterschaft ist ohnehin längst abgehakt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir haben einen hohen Anspruch. Alle Spiele, die wir verloren haben, hätten wir nicht verlieren müssen", merkte Klopp an. Im Fokus stehen nunmehr das Viertelfinale im DFB-Pokal und das Achtelfinale der Champions League.

Die Hertha bot in Sachen Stimmung das Kontrastprogramm. Trainer Jos Luhukay strahlte über das gesamte Gesicht und suchte nach Superlativen für den Auftritt seiner Truppe: "Das ist unglaublich, das ist Wahnsinn. Das war die Krönung unserer starken Hinrunde."

Charakter gezeigt

Immerhin 28 Zähler haben die Berliner trotz vieler verletzter Spieler gesammelt. Seine Mannschaft hätte nicht nur in Dortmund Charakter gezeigt.

Besonders freute sich der Coach für seinen 18 Jahre alte Torhüter Marius Gersbeck: "Sonst steht er in der Fankurve. Ich glaube, er hat noch gar nicht realisiert, was er heute geschafft hat." Luhukay selbst - so schien es - aber auch nicht.

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