Markus Gisdol beerbte Marco Kurz als Hoffenheim-Trainer © imago

Hoffenheims Trainer findet im Schiedsrichter den Sündenbock für die Pleite - während Eintrachts Coach diesen schützt.

Braunschweig - Als Trainer Torsten Lieberknecht zum Lobgesang auf Schiedsrichter Guido Winkmann ansetzte, hatte Markus Gisdol die Faxen endgültig dicke.

Ohnehin angefressen von der unnötigen 0:1 (0:1)-Niederlage bei Eintracht Braunschweig, verdrehte der Coach von 1899 Hoffenheim genervt die Augen und vergrub sein Gesicht in den Händen.(Bericht: Braunschweig siegt trotz Tor-Klau)

Erst Foul, dann Strafstoß

Der Zorn der Gäste entzündete sich an der Vorgeschichte zum Tor des Tages in der 29. Minute. Nach einem vermeintlichen Foul von Sven Schipplock entschied Winkmann auf Strafstoß, Torsten Oehrl verwandelte nervenstark.

"Wenn das ein Foul war, hätte es für uns mindestens drei Elfmeter geben müssen", zeterte der TSG-Stürmer.

"Absolut überfordert"

Mit Eiseskälte in der Stimme attackierte Hoffenheims Fußball-Chef Alexander Rosen den 40 Jahre alten Spielleiter aus Kerken: "Dieser Mann war dem Spiel nicht gewachsen und in vielen Situationen absolut überfordert."

Allerdings profitierten die Kraichgauer auch von einem Fehler des Gespanns in schwarz. Ein Treffer von Torsten Oehrl wurde wegen Abseitsstellung nicht anerkannt - zu Unrecht. ( 823717 Bilder des Spiels )

Lieberknecht lobte den Unparteiischen. "Der Schiedsrichter hatte es nicht leicht und ist speziell mit den Trainern gut und in angemessenem Ton umgegangen", sagte der 40-Jährige, ehe er sich auf den Weg zur Weihnachtsfeier der Niedersachsen machte.

"Haben noch alle Chancen"

Dort durfte der Neuling den dritten Saisonsieg feiern und das gute Gefühl genießen, im Abstiegskampf den Anschluss zu den Konkurrenten gehalten zu haben. "Im Januar geht es weiter, und wir haben noch alle Chancen", sagte Torschütze Oehrl und atmete dabei hörbar auf.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch der Weg zum Klassenerhalt bleibt für die Norddeutschen steinig und schwer. Spielerische Mängel wurden ungeachtet des verdienten Sieges auch gegen Hoffenheim immer wieder offenkundig, Einsatzwillen und Kampfkraft hingegen haben und hatten Champions-League-Niveau.

Kleine Schritte

Diese Diskrepanz war Lieberknecht auch gegen Hoffenheim nicht entgangen. "Man sieht, dass wir uns entwickeln, allerdings in ganz, ganz kleinen Schritten. Ob das am Ende reicht, um in der Liga zu bleiben, wird man sehen", sagte der Fußball-Lehrer.

Der Anspruch in Hoffenheim ist ein anderer, Rang zwölf mit 18 Punkten aus 17 Spielen dementsprechend eine enttäuschende Zwischenbilanz. TSG-Kapitän Andreas Beck: "Der Trend ist nicht so schlecht, aber es ist nie schön, mit einer Niederlage in die Winterpause zu gehen."

Gisdol hatte ebenfalls daran zu knabbern. Auch er hatte den Schiedsrichter als Sündenbock ausgemacht. Der 44-Jährige hatte aber registriert, dass es seinen Schützlingen nicht gelang, sich gegen den Aufsteiger mit spielerischen Mitteln zu behaupten: "Schwer zu akzeptieren, dass wir mit unserer Linie nicht durchgekommen sind."

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