Rosenthal (r.) wechselte im Sommer von Freiburg nach Frankfurt © getty

Frankfurt überwintert zwar in allen drei Wettbewerben, aber Armin Veh schwant für das neue Fußball-Jahr nicht viel Gutes.

Von Frank Hellmann

Frankfurt - So ganz ohne weihnachtliche Grußbotschaft wollte der Trainer seine Spieler dann doch nicht in die Winterpause schicken.

Armin Veh sah sich zwar am Freitagabend beim mageren 1:1 (1:1) gegen den FC Augsburg (Bericht) in seiner stets aufgetischten These bestätigt, "dass wir ziemlich platt sind", trotzdem hatten die Profis am Samstag noch einmal an der Arena vorstellig. Allerdings nur zum formalen Akt der Verabschiedung, wie Veh erklärte, "trainiert wird nicht mehr."

Ihm sei nun ganz wichtig, dass sein Kader die Festtage nutze, um durchzuschnaufen. "Ich brauche die Spieler alle erholt und gesund wieder." Und auch diese Hoffnung lebt im Fußballlehrer über die Weihnachtspause fort. "Wenn wir alle dabei haben, werden wir anders auftreten."

Rosenthals Erklärung verblüfft

Gegen die bayrischen Schwaben landeten die Hessen wieder keinen Heimsieg. Die stets prächtig besuchte Arena im Stadtwald ist zwar ein Stimmungstempel - wie sich bei der eindrucksvollen Verabschiedung der Eintracht-Legende Oka Nikolov zeigte, dessen 22-jähriges Wirken in einer einmaligen Choreografie gehuldigt wurde -, aber eben auch ein Selbstbedienungsladen.

Mickrige drei Punkte hat das Veh-Team zuhause geholt.

"Mit der Staffelung des FCA kamen wir nicht zurecht", merkte Vorstandschef Heribert Bruchhagen nach einem über weite Strecken ideenlosen Auftritt an. Augsburg war über 75 Minuten das bessere Team, ging durch Raoul Bobadilla (33.) in Führung, ehe Frankfurt durch Neuzugang Jan Rosenthal (42.) in seiner besten Szene ausglich ( 823717 Bilder des Spiels ).

Erstaunlich, was Rosenthal hinterher zu seiner Fehlpassflut erklärte: "Ich habe Balleroberungen, mit denen keiner rechnet. Ich habe aber auch Ballverluste, mit denen keiner rechnet."

Bruchhagen vermisst spielerische Momente

Irritierend, in welcher Verfassung sich die belasteten Berufsfußballer der Frankfurter Eintracht in ihrem 28. Pflichtspiel der Hinrunde präsentierten. Mit dem Tanz auf drei Hochzeiten sind nicht nur Frische und Spritzigkeit, sondern auch Selbstbewusstsein und Automatismen verloren gegangen. Das Vorwärtsspiel wirkt bisweilen gar konfus.

"Wir müssen froh sein, dass wir noch einen Punkt geholt haben", konstatierte Bruchhagen, "wir haben nur noch wenige spielerische Momente zu bieten." Und: "Wir sind weiter in einer schwierigen Situation."

Denn im Gegensatz zum anderen Europa-League-Starter, dem SC Freiburg, kann sich Eintracht Frankfurt in der Rückrunde nicht allein auf den Liga-Alltag und den Abstiegskampf fokussieren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Frankfurt ist neben Bayern, Dortmund und Leverkusen das vierte Team, das noch auf allen Bühnen aktiv ist.

Galgenhumor bei Veh

Und so attraktiv die Lose für die Zwischenrunde der Europa League (FC Porto) und das Viertelfinale im DFB-Pokal (Borussia Dortmund) auch erscheinen ? die Gefahr ist immens, dafür in der Bundesliga bitter zu bezahlen.

Veh schwant Böses. "Der Februar wird einfach. Da haben wir nur sieben Spielen, zweimal gegen Porto, zweimal gegen Dortmund, einmal gegen Bayern - da könnte was gehen", befand der 52-Jährige in seiner ihm eigenen Selbstironie.

Eigentlich könnte der Trainer reflexartig Verstärkungen einfordern, was Veh aber nicht tut, "weil wir uns schon im Sommer schwer tun, gescheite Spieler zu verpflichten." Einfach zwei Akteure zu holen, die den Kader auffüllen, das bringe nichts, erklärte er, "wenn brauchen wir Leute, die sofort Akzente setzen und die Liga kennen." Die sind allerdings nur schwer bezahlbar.

"Mannschaft ist am Limit"

So setzt die Eintracht darauf, dass Stammspieler wie Alexander Meier oder Stefan Aigner beschwerdefrei zurückkommen. "Meine Mannschaft ist am Limit", hatte Veh am Freitag wieder registriert. "Dem Johannes Flum war sogar schwindlig." Deshalb gilt für die Spieler: ab in den Urlaub.

Der Trainer ("Wenn ich in den Weihnachtsmodus schalte, ist mir egal, ob wir 15 oder 30 Punkte haben") verbringt die Feiertage übrigens in Augsburg. Und Veh hat in seiner Geburts- und Heimatstadt ein bisschen Arbeit.

Um seinen Villa-Neubau dort gibt es Ärger, die Behörde hat wegen einer angeblich zu hohen Stützmauer einen Baustopp verhängt. Trotzdem sind bereits die Kisten gepackt. Und beim Einzug packt auch Armin Veh mit an.

Sein Bonmot zum Wochenende: "Wenn wir umziehen, macht das meine Frau. Wenn wir einziehen, bin ich dabei."

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