Gladbachs Raffael (r.) schoss bislang acht Tore und bereitete vier vor. Granit Xhaka spielte 15-mal von Beginn an © getty

Gladbach jagt gegen Wolfsburg einen Vereinsrekord. Hecking sieht die derzeit besten Teams hinter Bayern aufeinandertreffen.

Von Pierre Winkler

München - Gebrochener Knochen, zittriger Kreislauf, macht alles nichts. Borussia Mönchengladbach gibt trotz kleinerer Wunden vor dem letzten Bundesliga-Spiel des Jahres gegen den VfL Wolfsburg nicht nach (ab 15.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER).

Granit Xhaka wird von Anfang an auf dem Platz stehen, obwohl er sich vor einer Woche beim 0:0 in Mainz die linke Hand gebrochen hatte.

Der Schweizer spielt mit einer Schiene. Unter der Woche trainierte er damit ganz normal, einzige Kollege Julian Korb half ihm dabei, seine Schuhe zu binden.

Und Christoph Kramer war so von einer Grippe geschwächt, dass es ihm am Donnerstag nach Sonnenaufgang kurz wieder Nacht wurde: ein Kreislauf-Kollaps, der ihn aber wohl ebenfalls nicht vom Spielen abhält.

Die Bundesliga hat sich das Duell um Tabellenplatz vier als Weihnachts-Rausschmeißer ausgesucht. Jeder will sich hier noch mal zeigen - und die Gladbacher haben nach Dortmunds überraschender Pleite sogar die Chance, den direkten Champions-League-Platz drei zu erobern.

Für Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking treffen sogar die hinter dem FC Bayern "erfolgreichsten Mannschaften der letzten Wochen" aufeinander.

Gladbach (aktuell 32 Punkte) könnte mit einem Sieg die Hinrunde der überragenden Saison 2011/12 toppen, als nach 17 Spielen 33 Punkte standen und hätte dann alle neun bisherigen Heimspiele dieser Runde gewonnen.

Beste Gladbacher Bundesliga-Hinrunde winkt

Wolfsburg ist mit 29 Punkten schon jetzt deutlich besser als in den letzten Hinrunden mit 19, 20 und 19 Zählern. Bei drei Punkten mehr stünde die Mannschaft so gut da wie noch nie in der eigenen Bundesliga-Geschichte nach der Saison-Hälfte.

Beide krallen sich oben fest. "Die Mannschaft spielt wieder attraktiv und die Menschen kommen wieder gerne ins Stadion", sagte Hecking. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dabei die Stärken des VfL auf den ersten Blick Ur-Heckingsche: Wolfsburg kassiert die drittwenigsten Gegentore der Liga (17) und lässt nur wenige Torschüsse zu.

Vorsichtiges Ziel in Wolfsburg

Hecking weiß, dass die Vereinsführung nur Fortschritte akzeptiert, geht aber vergleichsweise defensiv zu Werke: "Unser Ziel ist es, eine bessere Saison zu spielen als die letzte."

Etwas anders sieht es in Gladbach aus, wo der Klub nach dem Scheitern in der Champions-League-Qualifikation im vergangenen Jahr eine Übergangssaison hinnahm.

Lucien Favre mahnte mal wieder, ihm gehe das zu schnell mit den Erwartungen in Gladbach. Dortmund-Jäger sollen sie sein? Lächerlich, findet Favre.

Trotzdem soll natürlich mit einem Sieg gegen Wolfsburg das Kissen zwischen Gladbach und Platz fünf noch fluffiger werden. Und dank der Dortmunder Pleite gegen die Hertha reicht Gladbach ein Punkt, um sogar als Dritter in die Winterpause zu gehen. ( 820738 DIASHOW: Die Bilder des 16. Spieltags )

"Unabhängig von dem Spiel gegen Wolfsburg haben wir eine sehr gute Hinrunde gespielt", sagte Favre - aber: "Es muss unser Anspruch sein, immer weiter Fortschritte zu machen und die richtigen Lösungen zu finden." Spielerisch gibt es also immer etwas zu verbessern.

Mit der dann besten Gladbacher Bundesliga-Hinrunde hätte die Borussia zudem ein weiteres Argument, um Marc-Andre ter Stegen zu einer Vertragsverlängerung zu locken. Eine Entscheidung solle bald nach dem Wolfsburg-Spiel fallen, beeilte sich Manager Max Eberl.

Hecking lobt Gladbach

Vom Gegner kommt Lob: "Die Gladbacher sind vielleicht ein Jahr weiter als wir. Das merkt man. Sie spielen sehr stabil in der Aufstellung, ihr Trainer Lucien Favre wechselt nur, wenn er durch Verletzungen oder Sperren gezwungen wird", sagte Hecking den "Wolfsburger Nachrichten".

Weil seine Mannschaft nicht in Europa mitspielt und sich in der ersten Pokalrunde für die Variante des Favoritentodes im Elfmeterschießen entschied (4:5 in Darmstadt), kann sich Favre das leisten.

Granit Xhaka etwa bekommt so nach einer schwierigen Debüt-Saison jetzt die Möglichkeit, sich in aller Ruhe zu entwickeln.

Den Neuzugängen Raffael und Max Kruse fällt die Einbindung in die Mannschaft außerdem leichter. Alle drei spielen seit Wochen stark: Xhaka etwa hat die meisten Ballkontakte aller Bundesliga-Spieler.

Favre joggt allein

Mehr Tage für die Trainings-Planung ermöglichen es Favre, wie beispielsweise am Freitag eine Rasen-Einheit kurzfristig abzusagen und seine Spieler zum individuellen Training in den Kraftraum zu schicken.

Der Trainer selbst joggte anschließend alleine in der Gladbacher Vormittagssonne um den Platz.

Weiterer Effekt: Ohne Spiele unter der Woche sind Fälle wie Xhaka und Kramer kein Problem. Außerdem bleibt über die Feiertage auch noch genug Zeit, so einen Knochenbruch und eine Grippe zu pflegen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Gladbach: ter Stegen - Korb, Stranzl, Jantschke, Wendt - Xhaka, Kramer - Herrmann, Raffael, Arango - Kruse

Wolfsburg: Benaglio - Ochs, Naldo, Knoche, Rodriguez - Luiz Gustavo, Medjoevic - Diego, Arnold, D. Caligiuri - Olic

Schiedsrichter: Günter Perl

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