Unter Druck: Robin Dutt, Mirko Slomka, Bert van Marwijk © getty

Die Klubs an Elbe, Leine und Weser hinken den eigenen Ansprüchen klar hinterher. Ein weiteres Krisenzentrum liegt im Ruhrgebiet.

Von Denis de Haas

München - Trainer unter Dauerdruck, raufende Profis, Spieler auf der Abschussliste - von besinnlicher Stimmung ist in der Bundesliga nicht überall etwas zu spüren.

Bei mehreren Klubs herrscht vier Tage vor Heiligabend mehr Hektik als in den örtlichen Spielzeug- und Smartphone-Geschäften.

Besonders im Norden der Republik ist es unruhig. (Mehr zur Krise im Norden bei Bundesliga aktuell ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) Hannover 96, Hamburger SV und Werder Bremen hinken den eigenen Ansprüchen klar hinterher. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Ausläufer des Stimmungstiefs reichen jedoch bis in den Westen: Auch Schalke 04 will in dieser Saison trotz der jüngsten Erfolgserlebnisse nicht zur Ruhe kommen. Noch bleiben den vier Klubs jeweils 90 Minuten Zeit, um sich mit einem positiven Erlebnis in die Winterpause zu verabschieden.

SPORT1 zeigt vor dem letzten Hinrundenspieltag die Brennpunkte der Bundesliga.

Brennpunkt Bremen:

Die Nerven an der Weser liegen blank. Werder-Kapitän Clemens Fritz und Youngster Davie Selke lieferten sich zuletzt im Training ein Handgemenge ( 822146 Diashow ).

Die Aggresivität würde sich mancher Bremen-Fan auf dem Spielfeld wünschen. Denn dort hielten die Grün-Weißen immer einen großen Sicherheitsabstand zu ihren Gegenspielern. Die Konsequenz: 14 Gegentore in den vergangenen drei Spielen und ein Absturz auf Platz 14.

Die Innenverteidiger Luca Caldirola und Assani Lukimya wirkten zuletzt total verunsichert.

Die voraussichtlichen Aufstellungen zum Durchklicken:

So genießt auf einmal der oft gescholtene Sebastian Prödl den Status des Hoffnungsträgers. Der Österreicher kehrt zum Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (Sa., ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und LIVE-TICKER) in den Kader zurück.

Zudem schließt der Verein Wintertransfers nicht mehr aus. "Aber die Neuzugänge müssten deutlich besser sein als die Spieler, die wir haben - und finanziell muss es natürlich auch passen", erklärt Trainer Robin Dutt vor dem Spiel gegen seinen Ex-Verein.

Brennpunkt Hannover:

Eine Auswärtsdauerkarte dürfte bei keinem Fan der Niedersachsen auf dem Wunschzettel stehen. Fahrten in die Fremde sorgen derzeit für Verdruss.

Fast acht Monate hat das Team keinen Auswärtspunkt mehr geholt. Zuletzt gewann Hannover am 26. April ein Spiel.

Damals schossen Mohamed Abdellaoue (mittlerweile VfB Stuttgart), Sergio da Silva Pinto (mittlerweile UD Levante) und Andre Hoffmann (mittlerweile Dauerreservist) die Tore zum 3:2-Erfolg bei der Spielvereinigung Greuther Fürth (mittlerweile Zweite Liga).

Am Saisonbeginn konnte Hannover die Auswärtsschwäche noch mit gelungenen Heimauftritten kompensieren. Doch zuletzt wackelten die Niedersachsen auch zu Hause.

Auch für Mirko Slomka wird es ungemütlich. Zwar betonte Klubchef Martin Kind zuletzt bei SPORT1, dass er trotz der angekündigten Situationsanalyse nach der Hinrunde an Slomka festhalten will. Doch unterliegt Hannover auch beim SC Freiburg (Sa., ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und LIVE-TICKER), dürfte die Diskussion um Slomka doch noch anziehen.

Beim Gastspiel in Freiburg muss Szabolcs Huszti aufgrund einer Gelbsperre zusehen. "Er wird uns extrem fehlen", betont Slomka.

Brennpunkt Hamburg:

In der Hansestadt träumen sie von der Rückkehr in den Europapokal. Doch da müssen sich die HSV-Fans scheinbar noch etwas gedulden. Aktuell liegt der Klub neun Punkte hinter Platz sechs.

Die schwankenden Leistungen und die leere Klubkassen veranlassten die Verantwortlichen, schon jetzt das Spieler-Portfolio für die kommenden Jahre zu hinterfragen. Die Arbeitspapiere von 13 Profis enden im Sommer 2015.

Mit ihnen kann der Verein nur noch Geld verdienen, wenn er sie vorher abgibt. Sportchef Oliver Kreuzer und Trainer Bert van Marwijk überlegen genau, was Profis wie Ivo Ilicevic oder Nationalspieler Heiko Westermann zu einem Kurswechsel Richtung Europacup beitragen können.

Zudem müssen sie sich frühzeitig Gedanken machen über die Zukunft von Rafael van der Vaart und den umworbenen Hakan Calhanoglu, Marcell Jansen und Milan Badelj, die Millionenerlöse einbringen könnten.

Bei vier Spielern ist die Entscheidung bereits gefallen: Robert Tesche, Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne bietet der HSV im Winterschlussverkauf an. Doch um die Aussortieren scheint sich keiner zu reißen.

Leichter wird Hamburg dafür die Punkte im eigenen Stadion los. Erst zwei Heimsiege gab es in dieser Saison, nun soll der dritte gegen Mainz 05 folgen (Sa., ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und LIVE-TICKER). Und damit auch hinterher kein Schlendrian einkehrt, hat van Marwijk kurzfristig noch ein Sonntagstraining vor dem Weihnachtsurlaub angesetzt.

Brennpunkt Schalke:

Platz sechs in der Liga, Achtelfinale in der Champions League ? eigentlich keine Kennziffern für eine Krise. Bei den Schalkern rumort es trotzdem. Chefcoach Jens Keller hangelt sich von Schicksalsspiel zu Schicksalsspiel.

Es hat den Anschein, als würde die Trainerfrage in Gelsenkirchen nach dem Gänseblümchen-Verfahren beantwortet werden: Jens Keller, Thomas Schaaf, Jens Keller?

Nun haben Klubboss Clemens Tönnies und sein Gefolge offensichtlich alle Blätter abgezupft. Keller darf demnach nach der Winterpause Chefcoach bleiben.

Allerdings fehlt noch die offizielle Bestätigung aus Gelsenkirchen. Das dürfte taktische Gründe haben: Sollten die Schalker beim noch sieglosen 1. FC Nürnberg verlieren (Sa., ab 18.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und LIVE-TICKER), würde die Debatte um Keller wieder ein Fahrt aufnehmen.

Und gerade vor dem wichtigen Spiel droht der beste Spieler der vergangenen Wochen auszufallen: Jefferson Farfan liegt mit einer Grippe flach. Der Peruaner erzielte zuletzt vier Tore in drei Bundesliga-Spielen.

Keller hofft, dass sich Farfan bis zum Anstoß fit meldet. Zumal mit Julian Draxler ein weiterer Kreativgeist mit einem Muskelfaserriss ausfällt. Und um Kevin-Prince Boateng wird wegen Wadenproblemen auch mal wieder gebangt.

[kaltura id="0_pg6p5z16" class="full_size" title="Tr gerische Ruhe auf Schalke"]

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