Dortmund braucht gegen Hertha einen Dreier für Königsklasse und Selbstwertgefühl. Ein heißer Teenie-Debütant will es verhindern.

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Von Christoph Lother

München - Der Kader zu klein, die Abwehr zu löchrig, die Chancenverwertung zu schwach.

Wo man auch hinschaut, ist bei Borussia Dortmund von Krise die Rede.

Es scheint so, als könne die Winterpause gar nicht schnell genug kommen.

Doch wie prekär ist die Lage des deutschen Vizemeisters vor dem Hinrunden-Abschluss gegen Hertha BSC am heutigen Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) wirklich?

Nur ein Sieg aus fünf Spielen

Fakt ist: Aus den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen holte der BVB gerade mal vier Zähler.

Sollte gegen Berlin kein Dreier gelingen, droht den Schwarz-Gelben der Absturz auf Platz vier (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Fakt ist auch: Der Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München beträgt bereits zwölf Punkte. Schießen sie gegen die Hertha kein Tor, bleiben die Dortmunder erstmals in ihrer Bundesliga-Geschichte drei Heimspiele in Folge ohne eigenen Treffer.

So stimmt sich die Hertha auf Twitter ein:

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Hertha mit Keeper-Debütant

Darauf, dass die Serie reißt, können sie sich auch nicht unbedingt verlassen, zumal ein hochmotivierter Debütant genau das verhindern will: Marius Gersbeck, 18 Jahre alt, Ersatz für Thomas Kraft, der sich im Training das Knie verdreht hat.

"Er ist ein großes Talent", sagt Trainer Jos Luhukay über den viermaligen U-18-Nationalspieler.

Zudem ist Gersbeck Herthaner durch und durch: "Wenn ich selber kein Spiel habe, stelle ich mich - wie die anderen Verrückten - in die Ostkurve oder fahre zu den Auswärtsspielen mit, weil ich halt so groß geworden bin und dafür lebe."

Brisant außerdem: In Adrian Ramos trifft BVB-Stürmer Robert Lewandowski womöglich auf seinen eigenen Nachfolger. BVB-Coach Jürgen Klopp hat im Vorfeld zugegeben, dass er sich mit dem Kolumbianer "beschäftigt".

Schießt also womöglich ein künftiger Kollege die Dortmunder endgültig in die Krise? Langsam.

Reus nimmt Chancenwucher gelassen

"Wir hatten jetzt zwei Heimpleiten in wichtigen Spielen, die wir nicht hätten verlieren müssen. Aber wir sind zuletzt immer gut aus der Hinrunde rausgekommen", sagte Nationalspieler Marco Reus vor dem Jahresabschluss der "Bild".

Dass er und seine Offensivkollegen in der laufenden Bundesliga-Saison schon 21 Großchancen versiebt haben und gegen den bislang überraschend starken Aufsteiger aus Berlin deshalb unter unerwartetem Druck stehen, ist Reus durchaus bewusst.

"Die Statistik ist nicht so schön", sagt er, sieht das Krisengerede aber trotzdem eher als Phantomdebatte: "Richtig problematisch wäre es erst, wenn wir keine Chancen kreiert hätten. Und wir haben nach wie vor eine Menge."

In Pokal und Königsklasse auf Kurs

Reus spricht einen wahren Punkt an: Obwohl sie zuletzt etliche Torchancen aus- und im gleichen Atemzug wichtige Zähler liegen ließen, spielen die Dortmunder keine schlechte Saison im eigentlichen Sinne.

In der Champions League schlossen sie die vermeintlich härteste aller Vorrundengruppen als Tabellenerster ab, im DFB-Pokal qualifizierten sie sich fürs Viertelfinale.

Und auch in der Liga holten die Borussen aus den bisherigen 16 Partien 32 Zähler - ein Schnitt, mit dem die Bayern sogar schon Meister wurden (2001).

Rückkehrer machen Hoffnung

Zudem dürften die zur Rückrunde wieder einsatzbereiten Nationalspieler Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Ilkay Gündogan dem Team neue Stabilität verleihen.

"Anfang 2014 kommen einige Verletzte zurück, dann haben wir wieder eine richtig schlagkräftige Truppe und greifen noch mal an", betont Reus.

Auch Trainer Jürgen Klopp freut sich über die Fortschritte bei Gündogan und Schmelzer. Letzterer könnte womöglich schon gegen die Hertha in den Kader zurückkehren.

"Wir hatten bisher eine klasse Trainingswoche und konnten endlich wieder fußballerisch arbeiten. Alle haben große Lust auf Fußball", versichert er.

Gegen Hertha "zurückschlagen"

Und doch verschließen sie auch in Dortmund die Augen nicht vor der Wahrheit.

Das Abrutschen auf Platz vier, der nicht mehr zur direkten Champions-League-Teilnahme berechtigen würde, gilt es gegen Berlin unter allen Umständen zu vermeiden.

"Wir müssen zurückschlagen und gewinnen", sagt Mitchell Langerak, der beim 2:2 in Hoffenheim zuletzt Roman Weidenfeller zwischen den Pfosten vertreten hatte.

Allein schon, "um mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen", wie der Australier anmerkt.

Klopp noch nicht in Weihnachtsstimmung

Vielleicht betont Coach Klopp auch deshalb, "noch nicht weihnachtsreif" zu sein.

"Es wird Zeit für einen Dreier in unserem Stadion", sagt er vor dem Duell mit dem Tabellensiebten und fordert: "Dafür müssen wir alles Notwendige in die Waagschale werfen."

Für die Rückkehr des Selbstwertgefühls. Für eine bessere Stimmung. Für Platz drei in der Bundesliga. Und für Klopps Weihnachtsreife.

Die voraussichtlichen Aufstellungen des Spieltags zum Durchklicken:

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