Martin Kind (l., mit Trainer Slomka) ist seit 1997 Präsident bei Hannover 96 © getty

Hannover 96 hängt den eigenen Ansprüchen weit hinterher. Klub-Boss Kind stärkt bei SPORT1 Trainer Mirko Slomka den Rücken.

Von Reinhard Franke

München - Es könnten unruhige Weihnachten werden für Mirko Slomka.

Während sich andere Menschen auf das Fest freuen, dürfte der Trainer von Hannover 96 momentan keinen Kopf für weihnachtliche Beschaulichkeit haben.

Der Grund liegt auf der Hand. Die Krise bei seinem Arbeitgeber spitzt sich zu. Ein Blick auf die Tabelle genügt, um zu wissen, dass die Verantwortlichen langsam unruhiger auf ihren Stühlen hin und her rutschen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Auch in der Rückrunde auf der Bank"

Ein bevorstehendes Ende der Zusammenarbeit mit Slomka schließt Klub-Boss Martin Kind im Gespräch mit SPORT1 "vom Grundsatz her" aus: "Er hat bisher gute Arbeit geleistet und er wird den Karren wieder aus dem Dreck ziehen, in der Rückrunde auf der Bank sitzen."

Dies sei auch der Fall, wenn die Roten das letzte Hinrunden-Spiel beim SC Freiburg verlören, stellte Kind bei Bundesliga Aktuell klar.

Dabei belegen die Niedersachsen nur Platz zwölf. Der Punkte-Abstand nach unten in der Tabelle ist kleiner als der nach oben. Das vor der Saison ganz klar definierte Ziel Europa League - weit entfernt.

"Man kann nicht zufrieden sein", sagt Kind. "Wir hatten andere Erwartungen. Es ist allerdings im Fußball nicht untypisch, dass Erwartungen nicht erreicht werden können. Es ist eine Analyse der Situation notwendig - und das machen wir."

Der 69-Jährige ist jedoch optimistisch, "dass wir in der Rückrunde die Leistungsstärke, die diese Mannschaft hat, erreichen werden. Die Hinrunde war sicher nicht gut, aber das Potenzial der Spieler ist gut."

Transferaktivitäten werden ausgesetzt

Die Tatsache, dass sämtliche Transferaktivitäten erst mal auf Eis gelegt sind, sei kein Indiz, dass eine Trainerentlassung bevorsteht, betont Kind: "Das hat nichts damit zu tun, dass wir abwarten wollen, bis es einen neuen Trainer geben wird."

Es ginge vielmehr darum "die Konzentration auf das Spiel in Freiburg nicht mit Gesprächen, die wieder Zeit kosten, zu belasten."

Beim 3:3 gegen den 1. FC Nürnberg (Bericht) zeigte die Mannschaft nach desolater erster Halbzeit tolle Moral, dennoch reichte es am Ende nur zu einem glücklichen Punkt. . ( 820738 DIASHOW: Die Bilder des 16. Spieltags )

Slomka sprach davon, dass sein Team gegen die Franken "großartige Charakterstärke" gezeigt habe und dass die Fans gesehen haben, "dass man fighten kann", doch für die Ansprüche seines Chefs ist das deutlich zu wenig.

"Kein Entscheidungsspiel für den Trainer"

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Slomka mit seiner Truppe das Spiel gegen den Club verloren hätte.

Auswärts hat Hannover in sieben Spielen nicht einen einzigen Punkt geholt. Das letzte Spiel des Jahres am Samstag beim SC Freiburg sei für Slomka ein Endspiel, mutmaßte der Boulevard.

Das aber schließt Kind aus.

Kein Grund zur Zufriedenheit

Das späte Happy End mit dem Last-Minute-Ausgleich gegen den FCN ist für ihn aber kein Grund zur Hoffnung. Vielmehr eine Betäubung für die monatelangen Schmerzen.

"Das", so Kind "würde den Blick verklären für die Situation, die wir seit Wochen und Monaten, für mich schon im Januar beginnend, beobachten."

Slomka geht trotz der sportlichen Krise "fest davon aus, dass ich auch 2014 noch 96-Trainer bin."

Mit einem Sieg in Freiburg könnte Hannovers Mannschaft dafür sorgen, dass ihr Trainer vielleicht doch ein besinnliches Fest feiern kann.

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