Reus (M.) und Mkhitaryan (r.) ließen auch in Hoffenheim beste Chancen aus © getty

Ihre eklatante Abschlussschwäche kostet die Borussen in dieser Saison Nerven und Punkte. Die Probleme beginnen aber schon hinten.

Von Christoph Lother

München - Ein letzter Kraftakt noch. 90 Minuten lang alles geben. Dann ist es geschafft.

Mit dem Bundesliga-Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin geht für Borussia Dortmund am kommenden Samstag eine intensive, zermürbende und oftmals nervenzerreißende Hinrunde zu Ende.

Eine Hinrunde voller Aufs und Abs, voller Rückschläge und voller Endspiele. Gegen Neapel zum Beispiel. Oder in Marseille.

Mancher BVB-Fan dürfte innerhalb weniger Monate um Jahre gealtert sein.

Es scheint, als sehne sich der ganze Verein nach einer ebenso verdienten wie bitter notwendigen Pause (Mehr zum Thema in Bundesliga aktuell ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Klopp: Vor dem Tor die Ruhe bewahren

Die wollen die Borussen nutzen, um ihre vielen Wunden zu lecken. Um ihre Fehler zu analysieren. Um ihre Sinne zu schärfen.

"Es ist ein hartes Brot, was wir alles vergeben. Das hat mit der Belastung, aber auch der Intensität unseres Spiels zu tun. Wir müssen einfach sehen, dass wir beim Vollenden von Torchancen klar und ruhig bleiben", sagte Trainer Jürgen Klopp nach dem 2:2 in Hoffenheim und brachte so das ganze Dortmunder Dilemma auf den Punkt.

Personell gehen die Schwarz-Gelben seit Wochen am Stock, durch ihre schwache Chancenverwertung rauben sie sich immer wieder wichtige Nerven und Punkte (BERICHT: Schludriger BVB hakt Titel ab).

Nur 37 von 297 Torschüssen drin

In der Liga liegt der BVB bereits zwölf Punkte hinter Spitzenreiter Bayern München zurück (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Weil er vor dem gegnerischen Tor zu oft patzte, sich für seine Überlegenheit nicht oft genug belohnte. Wie in Gladbach (0:2). Oder in Nürnberg (1:1). Oder in der letzten halben Stunde in Hoffenheim.

Auch beim letzten Champions-League-Gruppenspiel in Marseille machten es die Borussen unnötig spannend, ehe Kevin Großkreutz mit seinem Treffer zum 2:1 kurz vor Ende doch noch das Achtelfinal-Ticket löste.

Insgesamt versiebten Klopps Mannen in der laufenden Bundesliga-Saison schon 21 Großchancen, gerade mal 37 ihrer 297 Torschüsse fanden den Weg ins Ziel.

Offensiv-Trio trifft zweistellig

Doch woher kommt diese Seuche im Abschluss?

Mittelstürmer Robert Lewandowski (16 Pflichtspiel-Tore) und Nationalspieler Marco Reus (11) haben das Toreschießen schließlich nicht von einem Tag auf den anderen verlernt.

Und auch die Neuzugänge Pierre-Emerick Aubameyang (11) und Henrikh Mkhitaryan (5) haben ihre Offensivqualitäten bereits unter Beweis gestellt.

Kraft- und Konzentrationsproblem

Statt einem fußballerischen, scheint es sich bei den Chancentoden aus dem Westen um ein mentales Problem zu handeln.

Weil sie die Ausfälle zahlreicher Stammkräfte kompensieren, weite Wege gehen und sich jeden Zentimeter auf dem Feld hart erarbeiten müssen, fehlt es den Borussen im gegnerischen Strafraum oft an der letzten Konsequenz.

Denn mit der Kraft schwindet eben auch die Konzentration.

Abwehrrochade kostet Sicherheit

Mit Jungspund Marian Sarr und dem reaktivierten Routinier Manuel Friedrich stand in Hoffenheim, dem 26. Pflichtspiel des BVB in dieser Saison, bereits das siebte Innenverteidiger-Pärchen auf dem Rasen.

In der Folge ist Dortmunds Abwehrverbund fast zwangsläufig mehr mit sich selbst beschäftigt, als damit, den Vorderleuten die nötige Sicherheit zu geben.

Eine Sicherheit, die der im Spielaufbau starke, derzeit aber eben verletzte Mats Hummels ausstrahlt.

Die der 18-jährige Sarr in seinem ersten Bundesliga-Spiel oder auch der zuvor über sechs Monate lang vereinslose Friedrich aber schlicht und ergreifend nicht ausstrahlen können.

Leistungsträger kommen zurück

Auch - oder gerade - unter diesem Aspekt dürfte den Dortmundern die nahende Pause gerade recht kommen.

Außenverteidiger Lukasz Piszczek sollte dem Vizemeister im neuen Jahr jedenfalls wieder vollständig zur Verfügung stehen. Gleiches gilt für Hummels und Marcel Schmelzer.

Im besten Fall auch für Mittelfeldstratege Ikay Gündogan.

Champions-League-Los macht Hoffnung

Leistungsträger, die der BVB spätestens in den Achtelfinalspielen der Königsklasse gegen Zenit St. Petersburg Ende Februar und Anfang März dringend brauchen wird.

"Mit Zenit haben wir nicht das schwerste Los gezogen. Es hätte uns schlimmer treffen können. Wenn wir alles abrufen, haben wir gute Chancen, die nächste Runde zu erreichen", sagte Kapitän Sebastian Kehl nach der Auslosung am Montag zwar.

Doch das mit den Chancen ist bei den Dortmundern so eine Sache.

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