Konnte mit der Leistung seiner Mannschaft nicht zufrieden sein: Eintracht-Trainer Thomas Schaaf
Thomas Schaaf trainierte Werder Bremen fast 15 Jahre lang, trat am 14. Mai 2013 an der Weser ab © getty

Schalke dementiert eine Einigung mit Schaaf, aber Kellers Tage sind gezählt. Ein Bekenntnis zum Trainer gibt es seit Wochen nicht.

Von Andreas Reiners

Gelsenkirchen - Jens Keller wird die Ironie der Geschichte wahrscheinlich mit Humor nehmen.

Etwas anderes bleibt dem Trainer von Schalke 04 allerdings auch nicht übrig. Denn seine Zukunft bei den Königsblauen hat der 43-Jährige schon längst nicht mehr in der eigenen Hand.

Und ausgerechnet heute, exakt ein Jahr nach seiner Verpflichtung, könnten die Weichen für seine Entlassung gestellt werden.

Auf der turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung soll laut Medienberichten die Personalie Thomas Schaaf auf der Tagesordnung stehen.

Angeblich ist sich Manager Horst Heldt mit dem früheren Coach von Werder Bremen bereits über eine längerfristige Zusammenarbeit einig. Vom Aufsichtsrat soll es nun grünes Licht für den Wechsel auf der Trainerbank geben. Werder signalisierte Gesprächsbereitschaft.

Und Keller solle angeblich sogar eine Möglichkeit bekommen, in anderer Funktion weiter auf Schalke zu arbeiten.

Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies dementierte allerdings bei SPORT1 entsprechende Meldungen (Mehr zu Schalke ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell LIVE im TV auf SPORT1).

Kein Bekenntnis von Heldt

Doch Dementi hin oder her: Es wäre inzwischen eine faustdicke Überraschung, sollte Schalke mit Keller als Chefcoach tatsächlich in die Rückrunde gehen.

Denn Heldt hatte es nach dem schwachen 2:0-Sieg gegen den SC Freiburg (Bericht) erneut vermieden, dem Trainer den Rücken zu stärken, geschweige denn, ein Bekenntnis zu Keller abzugeben. ( 820738 DIASHOW: Die Bilder des 16. Spieltags ).

Offiziell bleibt es dabei, dass nach dem Spiel beim 1. FC Nürnberg am kommenden Samstag Bilanz gezogen wird. Wann genau "nach dem Spiel" sein wird, ließ Heldt offen.

"Wir werden eruieren, was gut war, was schlecht war, was wir besser machen können und wo wir ansetzen können. Wir werden die Spiele Revue passieren lassen und auch sehen, warum wir so viele Verletzte haben. Ob es persönliches Schicksal ist oder andere Ursachen hat. Das ist wichtig, um sich in der Winterpause neu aufzustellen", sagte Heldt SPORT1 und stellte klar: "Der Trainer ist der Hauptverantwortliche."

Aber Heldt betonte auch: "Wir schauen auf alle Beteiligten, nicht nur auf den Trainer. Ich habe nie gesagt, dass Jens am 3. Januar nicht auf dem Trainingsplatz steht. Bisher hat sich an unserer Situation nichts geändert", so Heldt.

23 Siege in 47 Pflichtspielen

An der Bilanz unter Keller wird das Spiel in Nürnberg aber auch nicht mehr viel ändern. In 47 Pflichtspielen holte Schalke unter dem 43-Jährigen 23 Siege und neun Remis und kassierte 15 Niederlagen.

Was schwerer wiegt, ist allerdings die beständige Unbeständigkeit der Schalker. In der Keller-Ära kam es immer wieder zu starken Leistungsschwankungen und teils unerklärlichen Einbrüchen wie jüngst beim peinlichen 1:3 im Pokal gegen Hoffenheim.

Eine Woche später kämpft sich dieselbe Mannschaft dann gegen den FC Basel in das Achtelfinale der Champions League.

Es ist nur ein Beispiel von vielen: Unter Keller gab es immer wieder schwer nachvollziehbare Rückschläge, eine Weiterentwicklung ist nicht wirklich zu erkennen.

Spielerisch geglänzt haben die Königsblauen in der Hinrunde noch gar nicht, allerdings lieferte die Mannschaft immer genau dann Resultate, wenn es für Keller richtig eng wurde.

Vom ersten Tag an unter Druck

Keller steht vom ersten Tag an unter Druck. Auch das Bekenntnis in Form einer Vertragsverlängerung im Mai brachte keine Ruhe in den Klub.

Nicht wenige hatten auf eine große Lösung gehofft. Nicht nur deshalb galt Keller trotz des Kontrakts bis 2015 immer als gefühlte Zwischenlösung.

Und das würde sich wohl auch bei einem Bekenntnis zu Keller im Winter nicht ändern. Mal ganz davon abgesehen, dass dann auch Heldt sein eigenes Schicksal endgültig mit dem Trainer verbinden würde.

"Keiner gedacht, dass ich so lange hier bleibe"

Keller selbst nahm die Situation auf Schalke sowieso immer mit dem für ihn typischen trockenen Humor.

"Es hätte ja eh keiner gedacht, dass ich so lange hier bleibe. Ich habe das Gefühl, dass ich weiter unter Druck bin und dass es immer so ist", sagte der 43-Jährige noch am Sonntagabend.

Die Ausschläge nach oben und unten erklärte Keller auch mit dem Verletzungspech. "Wir haben das ganze Jahr über zwischen drei und acht, neun Ausfälle gehabt, hatten die meisten Pflichtspiele in der Bundesliga. Dann ist es nicht einfach", so Keller.

Und dass er trotz eines Sieges mal wieder über seine eigene Zukunft reden sollte, lockte den introvertierten Keller nicht mehr aus der Reserve. Selbst, als er gezielt darauf angesprochen wurde, wie man ihn denn locken könne, bleibt sich Keller treu.

"Ich habe den nötigen Respekt, den der eine oder andere nicht hat. Deshalb werden sie es nicht schaffen, aus mir etwas herauszukitzeln. Das versuchen einige schon etwas länger."

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