Mkhitaryan bestritt bisher 43 Länderspiele für Armenien © getty

Dortmund schreibt nach dem Remis bei Hoffenheim die Meisterschaft ab, weil die Unterhaltung groß, aber der Nutzen klein ist.

Von Frank Hellmann

Sinsheim - Die meisten Protagonisten zogen ihren Rollkoffer flugs und kommentarlos zum abfahrbereiten Bus. Keine Frage: Irgendwie hatte sich die Delegation von Borussia Dortmund diese Dienstreise ganz anders vorgestellt.

Es bedurfte schon der langjährigen Erfahrung von Kapitän Sebastian Kehl, um die Ernüchterung nach dem 2:2 im spektakulären Schlagabtausch bei der TSG 1899 Hoffenheim (Bericht) auf den Punkt zu bringen.

"Das Gefühl, nur einen Punkt mitzunehmen, ist nicht berauschend. Die Bayern enteilen und marschieren durch. Das ist nicht mehr unser Zielfenster ? wir haben mit Leverkusen und Gladbach genug zu tun."

"Keiner denkt noch an die Bayern"

Und Nuri Sahin, der am lädierten Sprunggelenk bandagierte Mittelfeldstratege, stellte mit gesenktem Haupt fest: "Keiner ist jetzt so blauäugig, noch an die Bayern zu denken. Die sind zu weit weg. Wir müssen sehen, dass wir Leverkusen noch einkriegen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die schwarz-gelbe Ernüchterung führt in dieser Saisonphase vor allem auf die schlampige, ja schludrige Chancenverwertung zurück. Der Champions-League-Finalist garantiert in dieser Saison zwar wieder hohe Unterhaltung, aber doch nur geringe Effizienz.

Chancenwucher nervt BVB

Dortmunds Mittelfeldkämpfer Jakub Blaszczykowski kommentierte daher: "Wir hätten den Sieg verdient gehabt. Aber um so ein Spiel dann auch wirklich zu gewinnen, müssen wir unsere Chancen besser nutzen."

Und enttäuscht fügte er an: "Von daher bin ich nur bedingt zufrieden"

Nicht umsonst hatte Jürgen Klopp schon auf der Pressekonferenz von einer Stimmung in der Umkleide berichtet, die ihn fatal an eine Niederlage erinnerte. Der Grund war für den Lehrmeister schnell gefunden: "Wir sind immer gefährlich, wir sind richtig kreativ - aber wir machen die Bälle nicht rein."

Klopp: "Dürfen uns nicht wundern"

Oder wie er auch sagte: "Wir können hier auch 7:3 gewinnen können, das wäre dann auch in Ordnung. Aber wir haben es halt nicht gemacht. Wer so viele Chancen kreiert und so wenig daraus macht, darf sich nicht wundern." ( 820738 DIASHOW: Die Bilder des 16. Spieltags )

Hier noch einen unnötigen Schnörkel (Marco Reus), da noch einen überflüssigen Schlenker (Henrikh Mkhitaryan), dort eine unglückliche Aktion (Robert Lewandowski), schlussendlich ein unpräziser Schuss (Julian Schieber) ? bei keinem Team fokussiert sich das Versagen derzeit so sehr auf den Strafraum wie beim BVB, die sich diese auch von Torwart Roman Weidenfeller schon wortreich angeprangerten Nachlässigkeiten irgendwie selbst zuzuschreiben haben.

Die Laufleistung ist famos, das Spiel intensiv, die Sprintwerte so überragend wie die Zahl der Torchancen - aber der Ertrag bei 37 Treffern nicht zufriedenstellend.

Analyse läuft

"Das ist ein hartes Brot", klagte Klopp, "was wir vergeben ? das hat mit der Belastung, aber auch der Intensität unseres Spiels zu tun. Wir müssen einfach sehen, dass wir vor dem Tor klar bleiben."

Auf Klopp wartet reichlich Arbeit. Die betrifft ironischerweise nicht nur die lädierte Abwehr, sondern eben auch die Offensive.

Nuri Sahin sieht das Team gar in einer Orientierungsphase. "Wir ? die ganze Mannschaft ? müssen uns jetzt erst einmal finden, dann geht es auch wieder bergauf."

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