Bayern packt nach dem Sieg gegen den HSV den Herbstmeistertitel ins Gepäck. Der Halbfinalgegner bei der Klub-WM gibt Rätsel auf.

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Aus Agadir berichtet Tom Vaagt

Agadir - Irgendwann, als der Uhrzeiger schon zwischen den Zeitzonen pendelte und die Reiseflughöhe längst erreicht war, wurde der Samstag für die Profis des FC Bayern doch noch turbulent.

Die Sondermaschine LH2570 nach Agadir wankte und wackelte. Anschnallen. Augen zu. Und durch. So etwas hatten die Münchner vier Tage zuvor beim 2:3 in der Champions League gegen Manchester City schon einmal erlebt. Zumindest im übertragenen Sinne.

Doch wie schon gegen die Engländer sorgte das Ganze auch dieses Mal allenfalls temporär für Unruhe. "Luftfelder", wie die Erklärung für das Auf und Ab aus dem Cockpit lautete, können den deutschen Rekordmeister nicht aus der Bahn werfen. So wenig wie der Hamburger SV einige Stunden zuvor. ( 820738 DIASHOW: Die Bilder des 16. Spieltags ).

3:1 (1:0) hatten die Bayern den Nordrivalen besiegt (Bericht), sich damit vorzeitig die Herbstmeisterschaft gesichert und noch schnell ein weiteres Erfolgserlebnis in die Koffer für die Klub-WM in Marokko gepackt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bei der Klub-WM gegen Guangzhou

Noch Fragen zu Hamburg? Eigentlich keine. Fragen zur Vereins-Weltmeisterschaft? Jede Menge. Schließlich gilt es dort im Halbfinale am Dienstag zunächst ein Rätsel zu lösen. Es heißt Guangzhou Evergrande und kommt aus China.

"Ich kann das nicht mal aussprechen", gestand Sportvorstand Matthias Sammer noch in München, als er mit seinem Rollkoffer im Schlepptau eilig in Richtung des Flugsteigs hetzte. Die Bayern waren spät dran.

Nach dem Sieg gegen den HSV hatten Mannschaft und Verein die Fans noch mit einer Lasershow in die Bundesliga-Pause geschickt. Anschließend wollte es bei Franck Ribery einfach nicht laufen. Dopingprobe.

Traum vom "perfekten Jahr"

Am Ende ging dann aber doch alles pünktlich über die Bühne. Und als die Maschine um 23.42 Uhr Ortszeit auf der Landebahn von Agadir aufsetzte, blickte aus den Augen der Spieler neben Müdigkeit vor allem eines: Die Entschlossenheit, das Triplejahr 2013 mit dem Weltmeistertitel zu krönen.

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"Wenn wir diesen Titel gewinnen, haben wir es 2013 sehr gut gemacht", sagte Ribery auf SPORT1-Nachfrage. Der Franzose wurde von Trainer Pep Guardiola gegen den HSV eigens für die Klub-WM 63 Minuten lang geschont und meinte: "Wenn wir diesen Titel gewinnen, dann ist es das perfekte Jahr."

Zunächst einmal hat aber Chinas Meister Guangzhou Evergrande etwas dagegen. Im möglichen Finale am kommenden Samstag ginge es dann entweder gegen Raja Casablanca oder Atletico Mineiro aus Brasilien.

"Gibt keine leichten Gegner"

"Bei der Klub-WM gibt es keine leichten Gegner. Auch die Chinesen werden schon eine gute Mannschaft auf den Platz stellen", meinte Thomas Müller.

Marcello Lippi heißt Evergrandes Trainer. Jener knorrige Italiener, mit dem die Deutschen schon bei der Heim-WM 2006 nicht die besten Erfahrungen gemacht haben.

Und: Der frühere Dortmunder Lucas Barrios spielte mal dort und läutete damit den Knick in seiner Karriere ein. Ansonsten sind die Wissenslücken eher schwierig zu schließen.

Tohuwabohu am Flughafen

Einer wird jedoch ganz sicher die Antworten auf all die offenen Fragen kennen: Guardiola.

Der Bayern-Coach wirkte nach der Landung in Marokko entspannt. Zunächst ließ er die kurze Busfahrt vom Flugzeug zum Terminal mit einer gepfiffenen Melodie auf den Lippen über sich ergehen.

Dann meisterte er mit seinem Team und Präsident Uli Hoeneß, der von einem Begrüßungskomitee umgehend mit dem Nationalgetränk "The a la menthe" versorgt worden war, auch das Tohuwabohu im Ankunftsbereich souverän.

"Mit uns kommt man halt rum, nachts um halb zwei in Marokko", rief Hoeneß vergnügt.

Mit Blaulicht ins Hotel

Wohl auf keinem Airport der Welt waren zu dieser nächtlichen Stunde mehr Flughafenangestellte im Dienst. Ein Zufall? Wohl kaum. Schnell wurde klar: Gemeinsame Fotos mit den Stars sind die neuen Autogramme.

Anschließend ging es mit einer mehrere Mannschaftswagen umfassenden Polizeieskorte durch die fast leeren Straßen Agadirs zum Hotel.

"Wir sind momentan nicht die Besten in Europa und verdienen nicht so viel Lob", hatte Guardiola vor dem Spiel gegen die Hamburger gesagt. Der Empfang in Agadir war allerdings fast schon weltmeisterlich.

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