Jens Keller trainiert seit Dezember 2012 die Schalker © getty

Für Schalke-Coach Keller steht gegen Freiburg viel auf dem Spiel. SC-Trainer Streich ist auf Schalkes Spezialitäten eingestellt.

Aus Freiburg berichtet Patrick Mayer

Freiburg - Es war ein sommerlicher Tag im Mai. Doch von Idylle war im Breisgau keine Spur. Es ging heiß her in der Freiburger Schwarzwaldstraße.

24.000 Zuschauer. Ausverkauftes Haus. Der Sportclub gegen den großen FC Schalke 04.

Beide Teams duellierten sich am letzten Spieltag der Vorsaison um den vierten Tabellenplatz. Den holten sich die Königsblauen durch ein 2:1.

Es war mehr als ein Sieg, es war die Rettung für Coach Jens Keller. Der stand zuvor wochenlang in der Kritik. Er drohte seinen Job zu verlieren.

Keller ist wieder angezählt, wenn sich beide Teams an diesem Sonntag auf Schalke (ab 15.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) gegenüberstehen.

Alles-oder-nichts-Spiele zwischen Schalke und Freiburg

S04 gegen Freiburg - das sind Alles-oder-nichts-Spiele (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Daran lässt auch der Schalker Manager keinen Zweifel: "Ich kann nicht nach einem Sieg alles revidieren", sagte Horst Heldt nach dem 2:0 gegen den FC Basel und dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale unter der Woche.

Schon vorher hatte sich Heldt ungewohnt deutlich von seinem Cheftrainer distanziert. Zur Winterpause soll ein Fazit gezogen werden. "Wir werden sehen, wie die Situation nach dem Nürnberg-Spiel ist", sagte Heldt.

Die Frist bis zum Bilanzziehen läuft also, Keller steht mit dem Rücken zur Wand.

Es ist ein Dauerzustand, nachdem er am 16. Dezember 2012 das Traineramt von Huub Stevens übernahm - fast auf den Tag genau vor einem Jahr.

"Sagen Sie mir einen Tag, an dem kein Druck da war. Es gab aber nicht nur schlechte. Ein Großteil der Tage ist schon schön gewesen", schilderte der 43-Jährige jüngst.

Freiburg in Not

Ein solcher Tag war jener im Mai im Breisgau. Diesmal gastieren die Freiburger in Gelsenkirchen. Und auch der Sportclub ist mächtig unter Druck.

Die Freiburger haben aus 15 Spielen nur elf Punkte geholt, sind Tabellen-16. Ein Jahr liegt hinter den Anhängern der Badener, das ihnen wie eine Achterbahnfahrt vorgekommen sein muss.

SC plant auch für Zweite Liga

Trainer Streich ist jedoch in dieser Zeit immer Realist geblieben. So wie der gesamte Verein. Deshalb planen die Breisgauer bereits zur Saisonhalbzeit zweigleisig, wie Streich im Gespräch mit SPORT1 erklärt.

Der Verein habe eine Verantwortung gegenüber seiner Fußballschule und vielen Mitarbeitern, deshalb werde das Szenario Abstieg zwangsläufig miteinbezogen, sagte der 48 Jahre alte Trainer.

"Das machen wir immer - für Freiburg. Andere müssen sich nicht mit der Zweiten Liga beschäftigen, wir aber schon", schilderte er.

Boateng stützt Keller

Vom Abstieg sind die "Knappen" nicht bedroht. Doch die teils heftig schwankenden Leistungen verunsichern das Umfeld. Keller wirkt mitunter ratlos.

Da hilft es selbst nichts, dass sich Leader Kevin-Prince Boateng in jedem Fernsehinterview demonstrativ hinter seinen Trainer stellt. Andere werden da schon deutlicher.

"Ich kann mir das auch nicht erklären. Im Prinzip kriegen wir das ja hier schon seit Jahren nicht in den Griff", meinte Jungstar Julian Draxler. "Das ist auf Dauer sehr frustrierend."

Der 20 Jahre alte Nationalspieler wird gegen den Sportclub wegen eines Sehneneinrisses in der linken Oberschenkelmuskulatur fehlen. Ebenso fällt Kapitän Beneditk Höwedes angesichts eines Muskelfaserrisses bis zum Jahresende aus.

Ganz zu schweigen von den Lanzeitverletzten Dennis Aogo (Kreuzbandriss), Klaas Jan Huntelaar und Marco Höger (beide Reha nach Knie-Operationen). Wer also soll diesmal Kellers Job retten?

Papadopoulos nach langer Verletzung wieder da

Vielleicht Kyriakos Papadopoulos. Der knallharte griechische Innenverteidiger steht nach einjähriger Verletzungspause erstmals wieder im Kader der Königsblauen.

Der gegnerische Trainer hat noch so einen potentiellen Keller-Retter ausgemacht: "Schalke spielt gerne den langen Ball und verlagert das Geschehen auf die Seite von Farfan, um in die Konter zu gehen", sagt Streich vor der Partie und warnt sein Personal: "Bei uns muss jeder an die Kante gehen, damit wir mit solchen Gegnern mithalten können. Meine Jungs werden die letzten Körner rausholen."

Er prophezeit Königsblau einen harten Kampf. Es geht zwischen Schalke und Freiburg mal wieder um alles - vor allem für Jens Keller.

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