Der Club verpasst in Hannover den ersten Saisonsieg. Dafür geht er Referee Kinhöfer hart an. Nur Coach Verbeek bleibt cool.

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Hannover - Raphael Schäfer war außer sich vor Wut. Immer noch mit Entsetzen in den Augen stellte sich der Kapitän des 1. FC Nürnberg nach dem 3:3 (3:0) bei Hannover 96 (Bericht) vor die Mikrofone und rechnete mit Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ab.

"So ein Scheißding. Jeder im Stadion hat es gesehen, nur drei Mann nicht. Und dann wieder diese Arroganz, mit der man den Spielern entgegen tritt", sagte der 34-Jährige bei "Sky".

"Ich erwarte, dass er vernünftig pfeift", legte der Torwart nach: "Wenn ich schon Mist baue und auf der Anzeigetafel sehe, was ich für einen Mist gebaut habe, dann habe ich auch die Eier in der Hose und pfeife nach einer Minute Nachspielzeit ab."

Die Franken hatten bei den kriselnden Norddeutschen mehr am ersten Saisonsieg geschnuppert als an den 15 Spieltagen zuvor. Bis zur 87. Minute lag der Club mit 3:1 in Führung - bevor Kinhöfer und sein Assistent Detlef Scheppe entscheidend patzten und die klare Abseitsstellung von 96-Torjäger Mame Diouf übersahen. ( 820738 DIASHOW: Die Bilder des 16. Spieltags ).

Frantz spricht von Betrug

"Das sind ja keine Hobby-Schiedsrichter, die hier pfeifen", sagte FCN-Mittelfeldspieler Mike Frantz: "Jedes Kind, jedes Baby im Stadion hat das gesehen. Wir sind um den Sieg betrogen worden."

Die beiden späten Treffer von Diouf (87. und 90.+2) trafen den Tabellenvorletzten tief ins Mark. "Das ist brutal und ein Nackenschlag, von dem man sich schwer erholen kann", sagte Manager Martin Bader.

Doch Trainer Gertjan Verbeek, auch im siebten Spiel seit seinem Amtsantritt sieglos, hatte auch viele Mutmacher wahrgenommen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es ändert ja nichts. Der Schiedsrichter hat einen Fehler gemacht, das gehört dazu", sagte der 51-Jährige: "Aber wir waren über eine Stunde lang die bessere Mannschaft und sind auf dem richtigen Weg."

Nach der Pause nicht entschlossen genug

Tatsächlich hatte sein Team die 96er in der ersten Hälfte phasenweise vorgeführt und die Mehrzahl der 38.100 Zuschauer durch die Treffer von Adam Hlousek (30.), Josip Drmic (38.) und Per Nilsson (41.) geschockt.

Im zweiten Durchgang fehlte dem Club jedoch die letzte Entschlossenheit vor dem Tor. Stürmer Daniel Ginczek (59.), Nilsson (67.) und Drmic (69.) hätten die Begegnung entscheiden können. "Wir waren die bessere Mannschaft und hätten auch einen vierten Treffer nachlegen können", meinte Ginczek.

Doch Schäfer suchte die Schuld auch nach dem Wechsel nicht bei den Nürnbergern. "Wenn er das Abseits pfeift, das jeder gesehen hat, müssen wir jetzt gar nicht darüber reden, ob wir das vierte, fünfte oder sechste Tor machen müssen", echauffierte sich der Keeper weiter.

Slomkas Worte zeigen Wirkung

In dieser Phase schien der Job von Hannovers Chefcoach Mirko Slomka, der aus den vergangenen zehn Spielen nur einen Sieg vorweisen kann, akut gefährdet.

"Nach dem 0:1 sind viele Dämme gebrochen. Da war keine Konzentration, keine Ordnung mehr da, das war schon finster", sagte Slomka: "Die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit aber eine großartige Charakterstärke gezeigt."

Der 46-Jährige hatte in der Halbzeitpause offenbar den richtigen Ton getroffen. "Der Trainer hat gesagt, dass wir uns nicht so abschlachten lassen können", sagte Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler.

"Auch für den Trainer"

Slomka hätte auch geäußert, "dass wir es nicht für den Trainer machen, sondern für Hannover 96. Aber wir haben uns angeschaut und gesagt: Jungs, wir müssen das auch für den Trainer machen", ergänzte Leonardo Bittencourt.

Und dafür habe es nur einen Weg gegeben, nämlich mit Kampf, berichtete der Ex-Dortmunder, der mit seinem Treffer zum 1:3 (60.) den beherzten Schlussspurt erst möglich machte.

Hannover weit hinter Kinds Ansprüchen

Das Unentschieden hat Slomkas durchwachsene Bilanz in dieser Saison kaum verbessert. Die 96er hinken dem Anspruch Europacup deutlich hinterher.

Sportdirektor Dirk Dufner stellte sich dennoch vor seinen Trainer. Er gehe "fest davon aus", dass Slomka auch in der Rückrunde Trainer von Hannover sei, sagte Dufner im "ZDF".

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