Raphael Wolf (r., mit Lukimya) hat bei Werder Bremen einen Vertrag bis 2014 © getty

Bei Werder wird der Ton rauer, die Anzeichen der Krise sind unübersehbar. Dutt setzt ein nächtliches Training an.

Berlin - Der Ton wird rauer, der Abstiegskampf ist längst Realität: Bei Werder Bremen waren nach dem erneuten Defensiv-Debakel beim 2:3 (2:2) gegen Hertha BSC die Anzeichen der Krise unübersehbar (Bericht).

Aaron Hunt übte Kritik an seinen Mitspielern, die sportliche Leitung mit Manager Thomas Eichin und Trainer Robin Dutt nahm erstmals das Wort Abstiegskampf in den Mund.

"Es wird der Mannschaft nicht helfen, wenn sie hört, dass wir im Abstiegskampf stehen. Aber es sind nicht mehr viele Teams unter uns", sagte Dutt. Und Eichin erklärte: "Ich spreche nicht gern davon. Aber wenn Ihr es wollt, sage ich, dass wir im Abstiegskampf stehen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Training nachts um 4 Uhr

Erste Sofort-Maßnahme gegen die Krise: Die Spieler mussten am Freitag nach der Rückkehr nach Bremen mitten in der Nacht um 4 Uhr noch zum Ausradeln in den Kraftraum.

Eine entsprechende Meldung der "Bild" bestätigte Werders Mediendirektor Tino Polster bei SPORT1.

Er betonte aber zugleich: "Das hat mit Straftraining nichts zu tun." Die Spieler um 4 Uhr nach Hause zu schicken und um zu 10 Uhr wieder zum Training zu beordern, wäre aufgrund der kurzen Schlaf- und Regenerationszeit eher Straftraining gewesen.

"Es erschien dem Trainerteam sinnvoller, die Regeneration gleich in der Nacht durchzuführen", so Polster weiter.

"Das kann doch nicht sein"

Eigentlich hatten die Bremer nach der historischen 0:7-Klatsche gegen Bayern München Besserung gelobt, doch angesichts haarsträubender Patzer brachte sich das Dutt-Team erneut selbst um den Lohn.

Vor den Gegentoren von Adrian Ramos (17./26.) stellten sich Gebre Selasssie und Luca Caldirola äußerst laienhaft an ( 820738 DIASHOW: Die Bilder des 16. Spieltags ).

"Das kann doch nicht sein. Sobald der Gegner in unseren Strafraum kommt, wird es brandgefährlich", sagte Eichin.

Hunt übt Kritik

Auch Spielmacher Hunt ließ nach seinem 200. Bundesliga-Spiel kein gutes Haar an der Abwehr.

"Beim zweiten Gegentor haben wir zu körperlos agiert. Da hat sich wohl jeder auf den anderen verlassen", bemerkte der 27-Jährige.

"Aaron hat Recht", meinte Dutt: "Im Strafraum waren wir entweder zu körperbetont wie beim Strafstoß zum 1:1 oder zu weit von unseren Gegenspielern entfernt."

Offensiv stimmt alles - defensiv wenig

In den Augen von Dutt sind es individuelle "Konzentrations-Probleme", die seine Defensive immer wieder schwächen.

In den letzten sieben Ligaspielen kassierte seine Elf pro Partie mindestens zwei Gegentore.

"Offensiv stimmt alles", meinte Dutt, "aber es kann nicht sein, dass wir für einen Punkt in einem Auswärtsspiel zwei oder drei Tore schießen müssen."

Torwart ist "die ärmste Sau"

Dutt klammerte Keeper Raphael Wolf von der Kritik aus, obwohl der Mielitz-Ersatz in den letzten drei Spielen allein 14 Tore kassierte.

"Er hat keine Fehler gemacht, uns stattdessen vor höheren Niederlagen bewahrt", sagte der Coach.

Eichin brachte es auf den Punkt: "Wir machen die Fehler woanders. Der Torwart ist doch die ärmste Sau."

Werder unter Druck

Im letzten Vorrunden-Spiel gegen Bayer Leverkusen am kommenden Wochenende muss Werder nun siegen, um noch eine halbwegs erträgliche Weihnachtspause zu erleben.

"Das ist nicht mehr das Werder Bremen, das sich im Winter auf den Kampf um die internationalen Plätze gefreut hat", machte Dutt klar.

Von Neuzugängen in der Winterpause hält der Coach allerdings nichts: "Ich will es lieber mit den Spielern schaffen, die mir jetzt zur Verfügung stehen."

Luhukay hat zu wenig Spaß

Gegner Hertha BSC zog bereits eine positive Hinrunden-Bilanz.

"Wir freuen uns riesig, wir haben richtig was erreicht", sagte Trainer Jos Luhukay, der jedoch mit dem Defensivspiel seiner Mannschaft lange unzufrieden war.

Der erst 20 Jahre alte Innenverteidiger John Brooks musste noch vor der Halbzeit raus. "Das Ergebnis hat heute gestimmt, aber es hat mir zu wenig Spaß gemacht", sagte der Niederländer.

Trotz der guten Ausbeute wollte Luhukay das Saisonziel vom Klassenerhalt nicht nach oben korrigieren. "Man muss realistisch sein. Wir haben jetzt 25 Punkte. Wenn wir im letzten Spiel bei Borussia Dortmund einen oder drei Punkte machen, genießen wir es richtig."

Weiterlesen