Werder Bremen schloss die vergangene Saison auf Rang 14 ab © getty

Bremen taumelt vor dem Spiel in Berlin den Abstiegsrängen entgegen. Ex-Boss Born sieht Werder in einem Teufelskreis gefangen.

Von Martin Jahns, Reinhard Franke und Fabian Greve

München - Sechs Mal nahm Werder Bremen in den letzten zehn Jahren an der Champions-League-Gruppenphase teil - häufiger als Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Schalke 04.

Inzwischen sind die Bremer jedoch so weit weg vom europäischen Wettbewerb wie schon lange nicht mehr. Am Freitag gehen die Werderaner als Tabellen-14. in die Partie gegen Hertha BSC (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und bei SPORT1.fm).

Der Abstand zu Relegationsplatz 16 beträgt nur noch fünf Zähler.

Selbst in der vergangenen Saison, als der Motor unter Langzeittrainer Thomas Schaaf schon merklich stotterte, hatten die Bremer nach 15 Spieltagen fünf Punkte mehr auf dem Konto als jetzt.

Noch kein Abstiegskampf?

"Wir sind auf keinem guten Weg", warnte der frühere Werder-Vorstandsvorsitzende Jürgen L. Born im Gespräch mit SPORT1 und ergänzte: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch mehr Blödsinn machen können als im Moment."

Werders Problem ist, dass man derzeit den Preis bezahlt für das schlechte Händchen, das der Klub in den letzten Jahren auf dem Transfermarkt bewies.

Teure Spieler wie Marcelo Moreno, Carlos Alberto, Wesley, Mehmet Ekici oder Eljero Elia wurden den in sie gesetzten Hoffnungen nicht oder noch nicht gerecht.

Sparkurs mit Dutt

Und ohne die Europapokaleinnahmen sind die Hansestädter gezwungen, kleinere Brötchen zu Backen.

"Wir sind im Moment in einer Negativspirale, die dreht sich etwas zu schnell nach unten", sagte Born zu SPORT1.

Der ausbleibende sportliche Erfolg ziehe geringere finanzielle Mittel nach sich, Fans und Sponsoren blieben dem Klub fern, erklärt der frühere Werder-Boss das Problem des Klubs:

"Es ist ein Teufelskreis, vor dem muss man sich fürchten."

"Das ist Harakiri"

Um den Trend umzukehren, wurde im Sommer in Robin Dutt ein Trainer verpflichtet, der zum eingeschlagenen Sparkurs passt. Schließlich brachte der schon den SC Freiburg mit geringen Mitteln in die Erfolgsspur.

Doch der angestrebte Umbruch ist ins Stocken geraten. Die Abwehrstärke zum Saisonstart ist allgemeiner Verunsicherung gewichen. Inzwischen stellt Werder mit 34 Gegentoren die zweitschwächste Defensive der Liga.

Tiefpunkte waren das 4:4 gegen Hoffenheim und das historische 0:7-Heimdebakel gegen die Bayern. Hätten die Konkurrenten nicht ebenfalls Punkte gelassen, würde Werder noch tiefer im Schlamassel stecken.

"Wir bauen im Moment darauf, dass die alle (Freiburg, Frankfurt, Nürnberg, Braunschweig, Anm. d. Red.) auch nicht gewinnen", meint Born: "Wenn die den Rest der Saison nicht gewinnen, können wir auch alles verlieren. Aber das ist Harakiri."

Eichin hofft auf Trotzreaktion

Während Born mit deutlichen Worten vor der Lage an der Weser warnt, mahnt Manager Thomas Eichin allerdings zu Ruhe.

"Ich sehe unsere Situation nicht gefährlicher, als ich sie die ganze Saison schon gesehen habe. Wir waren uns alle im Verein bewusst, dass es für uns eine ganz schwere Saison wird", sagte der Sportchef zu SPORT1.

Im Auswärtsspiel bei der Hertha hofft Eichin auf eine Trotzreaktion, damit bei Werder wieder mehr Ruhe einkehrt.

Viele offfene Baustellen

Die könnte Dutt gut gebrauchen. Denn die Problemzonen seiner Mannschaft hat der Coach bislang nicht in den Griff bekommen ? und die ziehen sich durch alle Mannschaftsteile.

Im Angriff konnten sich bislang weder Neuzugang Franco di Santo noch Nils Petersen noch Elia als Dauerlösung empfehlen.

Die weiteren Neuverpflichtungen Cedric Makiadi, Luca Caldirola und Santiago Garcia sind noch keine Leistungsträger und drohen in die Reihe der Bremer Fehleinkäufe der letzten Jahre einzugehen.

Auch die Torwartfrage ist nach 15 Spieltagen unter Dutt offener denn je: Sebastian Mielitz wurde nach zwei Fehlern gegen Mainz auf die Bank versetzt.

Sein Vertreter Raphael Wolf kassierte gegen Hoffenheim und den FC Bayern elf Gegentore in zwei Spielen, an allen war er allerdings schuldlos. Gerüchte um eine Rückkehr des in Hoffenheim aussortierten Tim Wiese halten sich dennoch hartnäckig.

Keine Trainerdiskussion

So gibt es für Dutt in fast allen Mannschaftspositionen offene eine Baustelle. Mit nur einem Sieg in den letzten neun Partien und dem Absturz von Rang acht auf Platz 14 zeigt die Tendenz klar nach unten.

Eine Trainerdiskussion gibt es aber (noch) nicht.

"Ich habe weiter hundertprozentiges Vertrauen in Robin Dutt. Da gibt es überhaupt keine Diskussion. Er soll und muss uns mittelfristig in die Erfolgsspur zurückbringen und dafür bekommt er alle Zeit der Welt", versicherte Eichin.

Dutt hat noch Kredit, auch weil man an der Weser wohl zur Einsicht gekommen ist: Ein Topverein ist Werder Bremen längst nicht mehr.

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