Marian Sarr wechselte im vergangenen Winter as Leverkusen zum BVB © getty

Nach dem Sieg in Marseille hat der BVB in Sarr einen neuen Helden. Es gibt Parallelen zu Götze. Folgt jetzt das nächste Debüt?

Von Borussia Dortmund berichtet Nils Hotze

Marseille/Dortmund ? Am späten Mittwochabend war Marian Sarr der Letzte, der aus der Kabine kam. Und er wurde gut beschützt. Von der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze. Und von BVB-Mediendirektor Sascha Fligge.

Der sagte: "Der hat noch nicht mal einen Führerschein." Er hätte auch sagen können: Vergiss es, Marian Sarr gibt hier noch keine Interviews.

Borussia Dortmund packt sein neues Juwel in Watte. Und baut Panzerglas drumherum. Das hat gute Tradition beim Klub aus Westfalen. So wurde es schon bei einem gewissen Mario Götze gehandhabt.

Sokratis fehlt in Hoffenheim

Sarr, 18 Jahre jung und mit der Erfahrung aus 13 Saisoneinsätzen für die U23 in der Dritten Liga sowie einem Spiel für die A-Jugend in der Bundesliga West ausgestattet, hat den Sprung ins kalte Wasser beim 2:1 in Marseille gut überstanden.

Es war sein Debüt in der Champions League. Schon am Samstag in Hoffenheim (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) könnte der 18-Jährige schon wieder mittendrin statt nur dabei sein. Diesmal in der Bundesliga.

Manuel Friedrich ist dann anders als in der Königsklasse zwar wieder spielberechtigt, nicht aber Sokratis. Der sitzt seine Sperre aus dem Leverkusen-Spiel ab. Sarr scheint bereit, die Lücke zu füllen und Verantwortung zu übernehmen. Eine Karriere in Top-Geschwindigkeit.

Lob vom Kapitän

Das Vertrauen seiner Kollegen hat er sich durch seinen couragierten Auftritt in Frankreich jedenfalls bereits verdient.

Nur reden durfte er danach noch nicht. Musste er aber auch nicht. Die anderen sprachen ja gerne über ihn.

"Er hat das super ruhig gemacht. Insgesamt sehr, sehr abgebrüht", lobte etwa Kapitän Sebastian Kehl den Youngster.

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Zwar sei das Spiel in Überzahl dann auch ein Stück weit für den Verteidiger Sarr gelaufen, aber dennoch: "Er hat das sehr routiniert gemacht, hat gute Bälle gespielt und seinen Mann gestanden."

Das war notwendig geworden, weil dem BVB vor der Begegnung mit Marseille die komplette Viererkette und die "Doppel-Sechs" aus dem Champions-League-Finale vor sieben Monaten weggebrochen waren. Also das Rückgrat einer jeden Mannschaft.

Watzke: "Das war sehr mutig von Jürgen"

Auch deshalb wohl hatte sich Jürgen Klopp gegen weitere größere Umbaumaßnahmen entschieden.

Hätte er beispielsweise Kevin Großkreutz ins Zentrum gezogen, wären mehrere Umstellungen nötig geworden.

Mit der Nominierung von Innenverteidiger Marian Sarr für die vakante Stelle des Innenverteidigers aber begrenzte der BVB-Trainer das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel auf das Notwendige.

"Das war sehr mutig von Jürgen, sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: "Aber dafür wirst du halt auch belohnt."

Streit mit Leverkusen

Gleich beim ersten Pass wagte er sich an eine schwierige Variante; vertikal und weit. In Minute 72, als der Traum vom Achtelfinale auch endgültig hätte platzen können, klärte er vor dem einschussbereiten Andre-Pierre Gignac.

"Dass der Junge es drauf hat, war ja klar. Sonst hätten wir ihn nicht geholt", jubelte Watzke. Der BVB hatte das Top-Talent im vergangenen Winter bei Bayer Leverkusen losgeeist. Die Rheinländer waren alles andere als begeistert, witterten Vertragsbruch und fühlten sich ausgetrickst.

Bis auf Frust und eine Ablösesumme von angeblich 1,5 Millionen Euro blieb der Werkself jedoch nichts.

Klopp: "Fordern - nicht überfordern"

Sarr spielt nun in schwarz und gelb - und soll weiter behutsam aufgebaut werden.

"Marian ist klar im Kopf, sehr bodenständig. Ein Rohdiamant, der behutsam geschliffen werden muss", sagte BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken der "Bild", der Sarr den großen Sprung zutraut.

Klopp hatte schon bei der Begründung des Transfers von Friedrich erklärt: "Wir wollen unseren ganz jungen Spielern auch die Zeit für Entwicklung geben. Es heißt ja: Fördern und fordern - und nicht: überfordern."

Deshalb werden die Borussen ihr Abwehrjuwel jetzt auch weiter abschirmen. Mit Kapuzen. Durch Mitarbeiter.

Auf dem Platz hingegen wird sich Sarr, der viele mit seiner Spielweise an Nationalspieler Mats Hummels erinnert, auf keinen Fall verstecken.

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