Christian Streich war von 1995 bis 2011 Trainer der Freiburger U19 © getty

Der SCF-Coach reagiert nach der Wolfsburg-Pleite ungewollt hilflos. Zur Schirileistung will er sich diesmal nicht äußern.

Freiburg - Eigentlich wollte Christian Streich seine Profis in Schutz nehmen, doch die Verteidigung des Trainers klang eher wie ein Offenbarungseid.

"Jeder Spieler probiert, so gut zu spielen, wie er kann", sagte der Coach des SC Freiburg nach dem 0:3 (0:2) am 15. Spieltag gegen den VfL Wolfsburg ( 817460 Bilder des Spiels ).

Wenn es die Breisgauer tatsächlich nicht besser können als bei ihrem Auftritt gegen die Wölfe, droht unter der Woche das Aus in der Europa League und am Saisonende der Abstieg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Denn ohne Heimsieg wird es nicht nur schwer, sich im letzten Gruppenspiel am Donnerstag gegen den FC Sevilla (ab 20.50 im LIVE-TICKER) für die K.o.-Phase des Europapokals zu qualifizieren.

Warten auf Heimdreier

Ohne Dreier auf eigenem Platz dürfte auch die Mission Klassenerhalt zu einem aussichtlosen Unterfangen werden - und auf einen Erfolg vor den eigenen Fans wartet der Drittletzte seit nunmehr über sieben Monate 818701 (Tops und Flops des Spieltags) .

"Es tut mir leid für unsere Zuschauer. Sie kommen immer wieder, sie stehen toll hinter uns, es gibt kein böses Wort - aber sie sehen nicht einmal einen Sieg", sagte Streich, der sein Team aber trotz der eklatanten Heimschwäche in Schutz nahm.

"Den Jungs ist tatsächlich kein Vorwurf zu machen."

Kriegt Streich die Kurve?

Ob das auch für Streich noch uneingeschränkt gilt, ist allerdings fraglich.

Auf der einen Seite zweifelt niemand an den harausragenden Fähigkeiten Streichs als Fußballlehrer.

Schließlich schickt der 48-Jährige zweimal pro Woche eine blutjunge Mannschaft mit vielen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs auf den Platz, die trotz der Abgänge zahlreicher Leistungsträger im Sommer und der langen Verletztenliste meistens absolut konkurrenzfähig agiert.

Immer gleicher Tenor

Doch andererseits laufen die fast schon peinlichen Auftritte des studierten Lehrers nach den Partien längst nicht mehr unter der Rubrik "unkonventioneller Fußballverrückter bei der Arbeit".

Der Coach bastelte zuletzt immer wieder an seiner Verschwörungstheorie, der Tenor Streichs ist dabei ständig derselbe: Der Sport-Club wird andauernd von den bösen Schiedsrichtern benachteiligt, weil er so klein ist und man es deshalb mit ihm machen kann.

Schiri? "Kein Kommentar"

Dass sich Streich nach der Pleite gegen Wolfsburg auf die Zunge biss und anstatt seines üblichen Gejammers "keinen Kommentar" zur Leistung von Referee Knut Kircher abgab, war fast schon wohltuend.

Streich versprach, sich in den kommenden Tagen auf das Wesentliche zu konzentrieren.

"Wir werden probieren, alle wieder aufzurichten. Dann werden wir gegen Sevilla und Schalke antreten", sagte Streich, der bei der Aufzählung der Gegner so seufzte, als ob er alle Last der Welt auf seinen Schultern tragen müsste und deshalb doch sehr zu bedauern wäre.

Coquelin verletzt

Zu bedauern war zuvor das SC-Team, das vor 22.800 Zuschauern nur in kurzen Phasen den Gästen Paroli hatte bieten können.

Zu allem Überfluss musste auch noch Mittelfeldspieler Francis Coquelin mit Verdacht auf Bänderriss im Sprunggelenk vom Platz getragen werden (48.).

Luiz Gustavo mit Leistenproblemen

Auf der anderen Seite sorgten Maximilian Arnold (8.), Ivica Olic (11.) und Marcel Schäfer (90.+1) mit ihren Toren dafür, dass die Wolfsburger seit sieben Punktspielen ungeschlagen sind.

Der Meister von 2009, bei dem Luiz Gustavo wegen Leistenproblemen in der zweiten Hälfte raus musste, kletterte dank dieser Serie auf den fünften Platz.

In Freiburg fiel selbst des Fehlen von Diego (muskuläre Probleme), um den es weiter Wechselgerüchte gibt, nicht weiter auf.

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