Der Manager wirkt angeschlagen. Schalke findet trotz guten Kaders nicht in die Spur. Trägt dafür nur Keller die Verantwortung?

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Von Marcel Guboff

München - Jens Keller steht angeschlagen im Ring. Er ist angezählt. Von den Fans. Von den Medien sowieso. Aber auch von Horst Heldt.

Der Manager des FC Schalke 04 kündigte an, im Winter Bilanz zu ziehen und die Situation zu analysieren.

Dies ist alles andere als ein unverrückbares Bekenntnis zum Coach, an dem Heldt seit dessen umstrittener Beförderung vom Jugend- zum Cheftrainer bisher immer so entschlossen festhielt.

Phasenweise wirkte die Treue des Managers zu seinem sportlich Verantwortlichen wie ein verzweifelter Versuch, für Kontinuität bei den Schalkern zu sorgen. Doch in Kellers einjähriger Amtszeit ging es mal bergauf, mal bergab.

Nur eines blieb konstant: Die kritische Betrachtung des Trainers. Von den Fans. Von den Medien sowieso. Vielleicht zu selten von Horst Heldt.

Am Mittwoch (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) kommt es zum Endspiel. Für Schalke, wahrscheinlich auch für Keller.

Gegen den FC Basel muss ein Sieg her, um ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Sollte dies misslingen, stehen wohl Veränderungen an.

Gewiss: Keller ist verantwortlich für das Geschehen auf dem Platz. Doch auch Heldt steht unter Druck. Wie groß ist sein Anteil an Schalkes Situation?

Aus Magaths Schatten

Seit er 2011 aus dem Schatten des geschassten "Trainer-Managers" Felix Magath trat, bewies er zunächst ein gutes Händchen bei Trainerverpflichtungen. Er machte Ralf Rangnick zum Coach. Dieser gewann den DFB-Pokal und zog ins Halbfinale der Champions League ein.

Als Rangnick im September 2012 wegen Krankheit zurücktrat, holte der 44-Jährige Huub Stevens zurück. Der Niederländer hielt die "Knappen" vorerst in der Spur.

Doch nach einigen Wochen begann die Talfahrt. Sie endete mit der Trennung von Stevens im Dezember.

Dann kam Keller. Der vorherige U17-Coach sollte sich zunächst bis zum Ende der Rückrunde beweisen.

Keller mit Vertrag bis 2015

Nach zahlreichen Rückschlägen, rappelten sich die Gelsenkirchener immer wieder auf. Es reichte schließlich für die Qualifikation zur Champions League.

Keller erhielt ein bis 2015 datiertes Arbeitspapier. Ruhe kehrte damit aber nicht.

Als S04 in der Ausscheidungsrunde zur Königsklasse an PAOK Saloniki und Ex-Coach Stevens zu scheitern drohte, nahm die Kritik an Keller schnell wieder zu. Inzwischen ein Dauerzustand.

"Wo ist die Strategie?"

"Schalke hatte mit Huub Stevens einen markanten, namhaften Mann. Nun haben sie in Keller einem jungen Trainer die Chance gegeben. Wo ist da die Strategie auf der Trainerposition?", bemängelt SPORT1-Experte Thomas Berthold.

Auch Ex-Manager Andreas Müller kritisiert bei SPORT1: "Mir fehlt der rote Faden."

Worte, die auch in Heldts Richtung zielen. Der Manager ist gefordert. Sollte es zur Trennung von Keller kommen, muss sein nächster Schuss bei der Besetzung des Trainerpostens sitzen.

Zumal der Kader eigentlich über großes Potenzial verfügt. Auch ein Verdienst von Heldt.

Zugänge stagnieren

Nachdem er von Magath ein teures und aufgeblähtes Aufgebot übernahm, begann er mit der Umstrukturierung.

Mittlerweile ist es überwiegend Heldts Mannschaft. Er steht für das Konzept. Und er trägt die Verantwortung.

In diesem Sommer verstärkte der Manager das Team punktuell. Mit Adam Szalai für den Sturm, Felipe Santana für die Defensive sowie den umworbenen Youngster Christian Clemens und Leon Goretka. Bisher konnte das Quartett sein wahres Können aber nur phasenweise abrufen.

Ähnlich sieht es bei Kevin-Prince Boateng aus. Der Königstransfer wurde zwar zum Leader, kämpft aber immer wieder mit Knieproblemen.

Keine Spielidee

Eine Verkettung von unglücklichen Umständen? Oder macht Keller schlicht zu wenig aus den ihm zur Verfügung gestellten Ressourcen?

Zu oft waren es Einzelleistungen Schalkes starker Individualisten, die Punkte retteten. Eine kontinuierlich entwickelte Spielidee ist seit Kellers Amtsantritt jedenfalls nicht zu erkennen.

Das dürfte auch Heldt, der nach dem 1:2 in Mönchengladbach am vergangenen Wochenende ungewohnt angeschlagen wirkte, inzwischen festgestellt haben. Angeblich hält er bereits nach einem Keller-Nachfolger Ausschau. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Lückenfüller bis zur großen Lösung?

Ein Kandidat soll Thomas Schaaf sein. "Aber als Typ passt er eigentlich nicht zu Schalke. Thomas ist ein ruhiger und moderater Typ - genau wie Jens Keller", sagt Berthold.

Auch der Mainzer Thomas Tuchel oder der mit Heldt befreundete Armin Veh von Eintracht Frankfurt werden immer wieder genannt.

Beide wären aber wohl allenfalls zur kommenden Saison verfügbar. Anders sieht es bei Martin Jol aus. Der frühere Hamburger Coach wurde jüngst beim FC Fulham entlassen.

Oder darf Keller bei einem Sieg gegen Basel doch über den Winter hinaus weitermachen?

In jedem Fall ist eine Entscheidung gefragt. Endgültig und ohne Hintertürchen. Heldt ist gefordert.

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