Lust bei der Hertha, Frust in Braunschweig. Die Bilder des 15. Spieltags © getty

Bei der Hertha will man nach dem Sieg in Braunschweig von Europa nichts wissen. Eintracht-Trainer Lieberknecht setzt auf Schokolade.

Braunschweig - Nach dem Sieg im Aufsteigerduell der Bundesliga strahlte Manager Michael Preetz mit den Berliner Profis um die Wette.

"Wir freuen uns unglaublich über diesen wichtigen Dreier, weil wir unbedingt die 20-Punkte-Hürde nehmen wollten", sagte Preetz nach dem 2:0 (1:0) von Hertha BSC bei Eintracht Braunschweig (Bericht) und dem Sprung auf den siebten Tabellenplatz.

Von den Europapokalplätzen, die nur noch zwei Zähler entfernt sind, wollte der Ex-Profi aber noch nichts wissen.

Matchwinner Ronny

"Vielleicht können wir in den nächsten beiden Spielen noch den einen oder anderen Punkt holen. Das ist unser Thema, nichts anderes", sagte der Hertha-Manager bei "Sky".

Bedanken durften sich die Berliner nicht zuletzt bei ihrem Sorgenkind Ronny.

Der Brasilianer, der am vergangenen Dienstag wegen schlechter Trainingsleistungen zum Rapport beim Manager hatte antreten müssen, war mit seinen Vorlagen zu den Toren von Adrian Ramos (20.) und Tolga Cigerci (80.) quasi der Matchwinner ( 817460 Bilder des Spiels ).

Frust in Braunschweig

"Er hat seine außergewöhnlichen Qualitäten gezeigt", lobte Preetz den Aufstiegshelden der vergangenen Saison, der zuletzt meist nur zweite Wahl gewesen war: "Er war mit spielentscheidend, weil er beide Tore vorbereitet hat."

Bei den Braunschweigern, die weiter im Besitz der Roten Laterne sind, war der Frust dagegen groß.

"Ich kann meiner Mannschaft wieder keinen Vorwurf machen. Letztendlich fehlt uns vorne nicht nur die Kaltschnäuzigkeit, sondern auch das Quäntchen Glück", meinte Trainer Torsten Lieberknecht: "Das haben wir im Moment nicht, obwohl wir viel dafür tun."

"Ein Nutellabrot essen und wieder aufstehen"

Sein Konzept für die nächsten Tage: "Zwei Nächte schlecht schlafen, aufstehen, Nutellabrot essen und dann gehen wir Augsburg an."

Gegen Berlin verpassten die Niedersachsen die Chance, den Drei-Punkte-Rückstand auf den rettenden 15. Tabellenplatz zu verkürzen. Zudem warten sie nun schon bereits seit 370 Minuten auf einen eigenen Torerfolg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nach dem zweiten Gegentor sah auch noch Timo Perthel nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte (81.).

Eintracht startet offensiv

Dabei hatten die Platzherren vor 23.100 Zuschauern im ausverkauften Eintracht-Stadion eindeutig den besseren Start hingelegt. Bei drei guten Einschussmöglichkeiten zwischen der 8. und 14. Minute waren die Braunschweiger der Führung nahe.

Wir schon so oft in dieser Saison fehlte vor dem Tor aber die letzte Entschlossenheit. Nicht umsonst stehen für die Eintracht-Löwen nach 15 Spieltagen erst magere acht Tore auf der Habenseite.

Und nach einer guten Viertelstunde änderte sich dann auch gegen die Hertha das Bild. Die Berliner agierten nun zielstrebiger und standen schon in der 17. Minute dicht vor ihrem ersten Torerfolg, doch Schulz traf nur die Latte.

Ramos bringt Hertha in Führung

180 Sekunden später machte es Ramos besser, als er eine Ecke von Ronny per Kopf aus kürzester Distanz über die Linie wuchtete. Es war das erste Erfolgserlebnis für Hertha BSC nach 207 torlosen Minuten.

Nach dem Seitenwechsel spielten die Berliner ihre technische Überlegenheit mehr und mehr aus, drei Minuten nach Wiederbeginn verpasste Ramos aus kurzer Distanz die Vorentscheidung.

Die Gastgeber warfen ihre Kampfkraft in die Waagschale, ihnen fehlten aber die Mittel, klare Einschussmöglichkeiten herauszuspielen. Da half auch die unermüdliche und wieder einmal beeindruckende Anfeuerung von den Rängen nichts.

Lieberknecht versuchte noch einmal alles und brachte in der 67. Minute mit Torjäger Domi Kumbela einen zusätzlichen Angreifer. In der Vorsaison war der Braunschweiger in der Zweiten Liga mit 19 Treffern noch Torschützenkönig geworden, auch gegen die Hertha blieb ihm aber sein drittes Tor im Oberhaus verwehrt.

"Leider gibt es diese Vollidioten"

So wurde der siebte Saisonsieg der Hertha letztlich nur durch die 2.500 mitgereisten eigenen Fans getrübt.

Pünktlich zum Spielbeginn zündeten sie ein halbes Dutzend Bengalos, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aus Herne musste die Partie unterbrechen. Es war nicht das erste Mal, dass die Berliner Anhänger in der laufenden Spielzeit unangenehm auffielen.

"Das ist abartig", sagte Preetz, "leider gibt es immer noch diese Vollidioten."

Weiterlesen