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Dortmund verliert in der Bundesliga den Anschluss und muss in Marseille den nächsten Star ersetzen. Die Konkurrenz spricht Mut zu.

Aus Dortmund berichtet Nils Hotze

Dortmund - Irgendwann kam man mit dem Zählen der Negativmeldung kaum noch hinterher.

Spiel verloren. Kontakt zu den Bayern verloren. Kontakt zu Bayer Leverkusen verloren. Vorsprung auf Mönchengladbach verloren. Und vor allem: Sven Bender und Nuri Sahin verloren.

Alarmstufe Rot bei Schwarzgelb! Und dass ausgerechnet vor dem Sekt-oder-Selters-Spiel am Mittwoch bei Olympique Marseille.

"Es gab schon leichtere Momente, ganz bestimmt", sagte Trainer Jürgen Klopp nach dem 0:1 (0:1) von Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen (Bericht).

Zehn Punkte beträgt der Rückstand inzwischen schon auf Spitzenreiter FC Bayern. Auch Leverkusen ist bereits um sechs Zähler enteilt. Und von hinten drücken die punktgleichen Gladbacher. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Lange nicht so schlecht gesehen"

"Ich kann mich nicht erinnern, wann eine Dortmunder Mannschaft zuletzt so schlecht gespielt hat", sagte Experte Patrick Owomoyela am "Sky"-Mikro. ( 817460 Bilder des Spiels )

Es könnte auch daran liegen, dass die nächste Verletzung irgendwann mal eine zu viel ist. Dieses Mal also Bender und Sahin.

Der Erstgenannte erlitt eine Innenbanddehnung am rechten Sprunggelenk und Einblutungen in die Sehnenscheiden. Das Aus für das Champions-League-"Endspiel" in Marseille.

Auch Sahin droht eine Zwangspause. Ein Außenbandteilriss, ebenfalls am rechten Sprunggelenk, bereitet Sorgen.

Und dann sah Vertretungs-Abwehrchef Sokratis gegen Leverkusen auch noch Gelb-Rot. Er fehlt nun zumindest in der Bundesliga.

Weidenfeller fasst Probleme zusammen

Roman Weidenfeller brauchte nach der dritten Zu-Null-Niederlage gegen einen direkten Champions-League-Platz-Konkurrenten (zuvor 0:2 in Gladbach, 0:3 gegen die Bayern) keine 90 Sekunden, um die Dinge auf den Punkt zu bringen.

"Es ist unglaublich bitter, dass wir wieder drei Spieler verloren haben. Das macht die Sache nicht einfacher", sagte der Torhüter.

Und: "Wir hatten irgendwann kein Tempo mehr in unseren Aktionen. Wir haben zu lasch gespielt, waren nicht gut in den Zweikämpfen - und in der Luft war es auch schwierig."

Und: "Für uns ist entscheidend, dass wir jetzt möglichst schnell in die Winterpause kommen, uns dort sammeln und neu aufstellen können, um dann im neuen Jahr neu angreifen zu können."

Klopp: "0:1 ist das kleinste Problem"

Das Problem: Bevor die Borussen endlich ihre Wunden lecken können, müssen sie noch dreimal ran. Zuerst am Mittwoch bei Olympique Marseille.

An diese Herkulesaufgabe hat Klopp wohl gedacht, als er bei seiner Betrachtung des Leverkusen-Spiels sagte: "Dann kriegen wir das 0:1, aber das war heute eigentlich das kleinste Problem."

Nach Mats Hummels, Neven Subotic, Marcel Schmelzer und Ilkay Gündogan fehlt nun auch Bender. Und vielleicht kommt Sahin auch noch hinzu. Man kann kaum noch von einem Personal-Puzzle sprechen, das Klopp da zusammenzubasteln hätte.

Ein Puzzle besteht gemeinhin aus Teilen. Doch beim BVB bleiben derzeit nur Fragmente.

Neue Aufgabe für Großkreutz?

Auf Alles-Könner Kevin Großkreutz könnte nun mal wieder eine neue Aufgabe zukommen.

Borusse Nummer 19, gelernter Linksaußen, mittlerweile formidabler Rechtsverteidiger, zwischendurch auch schon mal Torwart, dürfte in Marseille ins Zentrum rücken.

Entweder als Innenverteidiger neben Sokratis, oder als Sechser neben dem zurückgezogenen Henrikh Mkhitaryan. Dann würde Kehl ganz hinten spielen.

Für vorne blieben Jakub Blaszczykowski, Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang und Robert Lewandowski - vorausgesetzt alle Beulen und Blessuren aus der knüppelharten zweiten Hälfte gegen Leverkusen lassen einen Einsatz bei diesen Spielern überhaupt zu.

Als Rechtsverteidiger könnte Lukasz Piszczek auflaufen. Der hat das sogar gelernt beziehungsweise eine sehr erfolgreiche Umschulung hinter sich - ist allerdings nach halbjähriger Ausfallzeit (Hüft-OP) auch erst kürzlich wieder ins Balltraining eingestiegen.

"Das ist zu wenig"

Und dann gibt es auch noch das Problem der gegen Leverkusen mangelhaften Spieleröffnung.

"Gefährliche Szenen", bemängelte BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball: "Kann man bei uns an einer Hand ablesen. Das ist zu wenig, um gegen eine Mannschaft wie Bayer Leverkusen zu gewinnen."

Und so wird es auch in Marseille nicht reichen.

Lewy: "Eine schwierige Situation"

Sahin spielte zwar einige gescheite, aber eben auch die immer gleichen Pässe. Jetzt fällt er nach Lage der Dinge aus.

Henrikh Mkhitaryan lief sich mit Ball so oft fest, dass beim Nachzählen auch zwei Hände nicht ausreichten. Jetzt ist er der einzig verbliebene Spielgestalter.

"Wir befinden uns zurzeit in einer sehr schwierigen Situation", sagte Robert Lewandowski.

Weidenfeller wurde deutlicher: "Ziel ist nach wie vor das Achtelfinale - allerdings glaube ich, dass wir dafür die Unterstützung von ganz Deutschland brauchen."

Warme Worte von Bonhof

Er hätte auch sagen können: Liebe Leute, steckt schon mal eine Kerze an. Unterstützung kommt ausgerechnet von der Konkurrenz.

"Ich glaube, dass Dortmund gewinnt und weiterkommt", sagte Galdbachs Vize-Präsident Rainer Bonhof am Sonntag im Volkswagen Doppelpass bei SPORT1: "Es ist wichtig, in Marseille möglichst lange die Null zu halten."

Klopp weiß das. Rätselhaft ist nur: Mit welchem Personal soll das noch gelingen?

[kaltura id="0_ascvinrv" class="full_size" title="Die Dortmund Diskussion im Volkswagen Doppelpass"]

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