Bert van Marwijk ist seit dem 25. September 2013 Trainer des Hamburger SV © getty

HSV-Coach ist van Marwijk nach der Pleite gegen Augsburg enttäuscht von seinem Team. Sportdirektor Kreuzer befrürchtet Schlimmes.

Hamburg - Nach dem katastrophalen Heim-Auftritt platzte Oliver Kreuzer der Kragen.

"Mit dieser Leistung kriegen wir nächste Woche bei den Bayern zwölf Dinger. Wir waren heute vom Kopf her nicht bereit", motzte der Sportchef des Hamburger SV nach der bitteren 0:1 (0:1)-Pleite seines Teams gegen das Überraschungsteam vom FC Augsburg (Spielbericht).

Eine Woche vor der Partie beim Liga-Giganten in München schrillen an der Elbe mal wieder die Alarmglocken. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Van Marwijk bitter enttäuscht

Selbst der sonst eher zurückhaltende Bert van Marwijk sparte nach dem unerwarteten Rückschlag im Kampf um den Europacup nicht mit Kritik an seinen Spielern.

Der HSV-Coach sprach nach seinem neunten Spiel auf der Hamburger Trainerbank von seiner "größten Enttäuschung. Das ist ein schlechter Tag für den Klub und für mich auch" ( 817460 Bilder des Spiels ).

Anstatt mit 19 Zählern erstmals in dieser Saison in die obere Tabellenhälfte zu klettern und endlich wieder an den Europacup-Plätzen zu schnuppern, geht der Blick als 13. erst einmal wieder nach unten.

"Wir haben keinen Biss gezeigt und fast alles falsch gemacht", kritisierte van Marwijk vollkommen zu Recht. Sein Team sei zu "naiv in den Zweikämpfen" und "ohne Mut" aufgetreten.

HSV ohne van der Vaart harmlos

Tatsächlich wirkten die Norddeutschen ohne ihren aus den bekannten privaten Gründen fehlenden Kapitän Rafael van der Vaart (News) über die gesamten 90 Minuten verunsichert.

Nichts war zu sehen vom Selbstvertrauen der letzten Spiele, als die Hamburger Formkurve sowohl in der Liga (3:1 gegen Hannover 96, 1:1 beim VfL Wolfsburg) als auch im Pokal (2:1 gegen den 1. FC Köln) deutlich nach oben gezeigt hatte.

"Das war ein Scheißspiel", resümierte Nationalspieler Marcell Jansen treffend. Keine Spielkontrolle, wenig Kreativität, kaum Torchancen:

Ohne ihren Spielmacher fanden die Gastgeber in keiner Phase ihren Rhythmus und ließen sich von den Augsburgern, die zuvor neun ihrer letzten elf Partien auf fremden Platz verloren hatten, zeitweise im eigenen Strafraum einschnüren. Schon zur Pause pfiffen sich die Hamburger Fans die Seele aus dem Leib.

Adler verhindert höhere Pleite

"Augsburg musste nie wirklich schwitzen", moserte Jansen und kritisierte mit Blick auf den Gegner die Einsatzbereitschaft seines Teams: "Man sieht, was man mit guter Einstellung und gutem Zweikampfverhalten erreichen kann."

Am Ende konnten sich die Hausherren sogar bei Keeper Rene Adler bedanken, dass die vierte (!) Niederlage im siebten Heimspiel nicht höher ausfiel. "Wir mussten heute erfahren, dass nicht viel geht, wenn die Mannschaft nicht kompakt steht", kritisierte Jansen bei SPORT1 zu Recht.

Youngster Maximilian Beister warb dagegen für Geduld. "Wir dürfen nicht vergessen, wir befinden uns nach dem Trainerwechsel noch immer in einem Lernprozess", sagte der Offensivspieler, der in München aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt sein wird, zu SPORT1. Seine Mannschaft müsse jetzt schnell die Lehren aus der Niederlage ziehen.

Calhanoglu will in München mauern

Ersatz-Regisseur Hakan Calhanoglu, der dem Hamburger Spiel nicht wie zuletzt die notwendigen Offensiv-Impulse gegeben hatte, äußerte den frommen Wunsch:

"Wir müssen in München versuchen, eine Mauer hinzustellen." Die allein dürfte bei den Bayern allerdings kaum reichen.

Bobadilla: "Wir waren wie Tiger"

Die Augsburger genossen ihren zweiten Auswärtssieg der Saison unterdessen in vollen Zügen. Mit seinem furchtlosen Auftreten knüpfte das Team von Trainer Markus Weinzierl nahtlos an seine starke Vorstellung aus dem Pokalspiel gegen die Bayern (0:2) drei Tage zuvor an.

"20 Punkte bedeuten für uns einen sehr schönen Blick auf die Tabelle - nicht mehr und nicht weniger", sagte Weinzierl, der mit der Hereinnahme von Raul Bobadilla ein goldenes Händchen bewies.

Der Startelf-Debütant, der überraschend den Vorzug vor Sascha Mölders und Arkadiusz Milik erhalten hatte, sorgte nach Vorlage von Halil Altintop für das Tor des Tages (18.). "Wir waren heute wie Tiger, jeder ist für jeden gelaufen", sagte Bobadilla.

Der Argentinier richtete nach der Partie den Blick auf die Tabelle: "In der Liga ist alles eng beisammen. und nach ein paar Niederlagen in Folge ist man wieder unten drin", sagte der Neuzugang vom FC Basel zu SPORT1.

Raphael Holzhauser feiert den Sieg auf Facebook:

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Reuter: Kein Gedanke an Europa

Vom Europacup will im Schwabenland ohnehin keiner etwas wissen. "Wir fangen jetzt nicht an zu träumen", sagte FCA-Manager Stefan Reuter. Ein wenig angriffslustiger gab sich dagegen Trainer Weinzierl:

"In den verbleibenden zwei Spielen wollen wir nochmal alles raushauen", sagte der Coach. So wie die Mannschaft zurzeit spiele, "hab ich vor keinem Gegner Angst".

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