Jens Keller ist seit dem 16. Dezember 2012 Trainer auf Schalke © getty

Nach dem erneuten Tiefschlag vermeidet Heldt ein klares Bekenntnis zum Trainer. Für die Schiris findet er dafür klare Worte.

Von Jan Reinold und Henning Maid

Mönchengladbach/München - Horst Heldt wand sich nach allen Regeln der Kunst. Er lavierte, er wich aus, er lenkte ab.

Wie meist in solchen Fällen wollte der Manager des FC Schalke 04 die Frage nach der Zukunft des umstrittenen Trainers Jens Keller einfach nicht klar und deutlich beantworten.

Irgendwann hatte sich Heldt dann dazu durchgerungen, Keller nach dem bitteren 1:2 bei Borussia Mönchengladbach (Spielbericht) doch so etwas wie eine Jobgarantie auszustellen. Zumindest für das Vorrundenfinale in der Champions League gegen den FC Basel am Mittwoch (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Wie es nach dem "Alles-oder-Nichts-Spiel" (Benedikt Höwedes) weitergeht, wollte Heldt aber nicht sagen. Der verbale Eiertanz ging von vorne los.

Saisonziele kaum noch zu erreichen

Nach dem Ende der Hinrunde werde man Bilanz ziehen, kündigte Heldt an. Für Keller dürfte das nichts Gutes verheißen.

Schalkes bei vielen Fans unbeliebter Trainer wird sich wohl nur retten können, wenn er die "Knappen" noch ins Achtelfinale der Champions League und zu zwei Siegen in den ausstehenden zwei Ligaspielen gegen Freiburg und in Nürnberg führt. Wenn überhaupt.

Denn die Niederlage beim direkten Konkurrenten in Gladbach war nach dem blamablen Pokalaus gegen Hoffenheim der nächste Tiefschlag. Schalke droht angesichts von sieben Punkten Rückstand bereits vor dem Ende der Hinrunde alle Saisonziele aus den Augen zu verlieren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es wird sehr, sehr schwierig", sagte Schalkes Torwart Ralf Fährmann zu SPORT1.

Schiedsrichterentscheidungen als Knackpunkt

Gut möglich also, dass Schalke selbst bei drei Erfolgen bis zu Weihnachten in der Winterpause die Reißleine zieht. Eine dauerhafte Entwicklung ist jedenfalls nicht zu erkennen, Schalkes Saison gleicht einer Achterbahnfahrt.

Das war auch in Gladbach so, wenngleich man Keller und der Mannschaft - anders als in vielen Spielen zuvor - diesmal in puncto Einsatz und Laufbereitschaft kaum einen Vorwurf machen.

Bis zur 45 Minute war das Duell der Tabellennachbarn recht ausgeglichen, beide Teams hatten Chancen, beide hatten gute und weniger gute Phasen.

Spielentscheidend waren schließlich drei Entscheidungen der Unparteiischen um Felix Zwayer.

Platzverweis wirft S04 aus der Bahn

Zunächst verzichtete Zwayer nach einem Elfmeterpfiff gegen Gladbach auf die durchaus mögliche Rote Karte für Julian Korb (16. Minute). Der Schiedsrichter beließ es für das Foul an Kevin-Prince Boateng stattdessen bei Gelb.

Kurz vor der Halbzeit schoss Max Kruse dann den grätschenden Benedikt Höwedes aus kurzer Distanz an. Zwayer entschied auf Handelfmeter und stellte den bereits verwarnten Höwedes mit Gelb-Rot vom Platz ( 817460 Bilder des Spiels ).

"Der Platzverweis", urteilte Fährmann später bei SPORT1, "hat uns herb getroffen".

Handregel sorgt wieder für Ärger

Dass Schiedsrichter-Entscheidungen vom Verlierer als spielentscheidend bezeichnet werden, ist keine Seltenheit. In diesem Fall muss man aber anmerken, dass sie in der Tat äußerst diskutabel waren. Um es vorsichtig auszudrücken.

Ganz zu schweigen davon, dass die generelle Auslegung der Handregel mit den Wirklichkeiten im Fußball nichts zu tun hat. Höwedes grätschte, um den Schuss von Kruse zu blocken. Der Schalker ging nicht mit der Hand zum Ball, er machte keine unnatürliche Handbewegung, es war kein absichtliches Handspiel.

Er vergrößerte zwar mit dem Arm seine Körperfläche, das aber war Teil des Bewegungsablaufs. Anders zu grätschen, ist schlicht unmöglich.

"Die Regelauslegung hat doch mit Fußball nix zu tun", schimpfte Heldt nicht zu Unrecht: "Ich weiß nicht, ob der Schiedsrichter schon mal Fußball gespielt hat. Wir sind klar benachteiligt worden."

Jubiläum oder Rauswurf?

Man kann Heldts Aussagen als das Zünden von Nebelkerzen bezeichnen, um von den sportlichen Problemen und der Trainerdiskussion abzulenken. Allerdings wird die Diskussion um Keller so oder so weitergehen.

Schalke wehrte sich auch in Unterzahl gegen die Niederlage. Nach den Toren von Jefferson Farfan (17., Foulelfmeter), Raffael (24.) und Kruse (45.+1. Handelfmeter) blieb es aber beim 2:1 für Gladbach, das auch das achte Heimspiel der Saison und das sechste Spiel in Serie gewann.

Patrick Herrmann feiert Heimserie bei Facebook:

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Keller könnte derweil in neun Tagen sein einjähriges Dienstjubiläum auf Schalke feiern. Voraussetzung dafür sind Siege gegen Basel und Freiburg.

Ansonsten könnte das Jubiläum am 16. Dezember 2013 gleichzeitig das Ende seiner Amtszeit auf Schalke sein.

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