Gertjan Verbeek trainierte vor Nürnberg den AZ Alkmaar © getty

15 Spiele sieglos, Negativ-Rekord - und kein Ende in Sicht: Dem 1. FC Nürnberg misslingt auch beim Remis gegen Mainz die Wende.

Nürnberg - Serie? Welche Serie? "Das war mein sechstes Spiel", betonte Gertjan Verbeek.

Nein, mit diesen 15 Spielen seit Saisonbeginn ohne Sieg, mit diesem peinlichen neuen Rekord will der Trainer des 1. FC Nürnberg nichts zu tun haben. Drei Unentschieden, drei Niederlagen, das sei seine Bilanz, sagt der Niederländer.

Doch es ist ein untauglicher Versuch, die Situation schönzureden, in der sich der Club befindet. Und damit ja auch Verbeek.

Zweckoptimismus bei Verbeeck

Verbeek ist tatsächlich erst seit sechs Spielen da. Doch die Situation stellt sich nach dem 1:1 (1:0) am Freitag gegen Mainz 05 (Bericht) eben auch für ihn wie folgt dar: 15 Saisonspiele, kein Sieg, nur 14 Treffer erzielt, ein Abstiegsplatz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir können vor der Winterpause noch zweimal gewinnen", sagt Verbeek. Wahrseinlicher aber ist, dass der Club auch bei Hannover 96 und gegen Schalke 04 nicht gewinnt - es sei denn, die stellen sich noch ungeschickter an.

Die Geschichte der 50 Jahre alten Bundesliga verheißt für den 1. FC Nürnberg nichts Gutes: 1860 München (1977/78) und der MSV Duisburg (1994/95) sind ebenfalls schon mal 14 Spiele ohne Sieg ab Saisonbeginn geblieben, dass sie dann am 15. Spieltag gewannen, hat ihren Abstieg nicht verhindert.

Nürnberg droht nächster Negativrekord

Der Club würde die Erste Liga zum achten Mal verlassen müssen, auch das wäre ein neuer Rekord. Doch noch klammert sich Nürnberg auch an das Beispiel des FC Augsburg.

Der FC Augsburg hatte die vergangene Hinrunde mit nur neun Punkten beendet - so viele, wie der Club jetzt hat. Die Schwaben trennten vor gut einem Jahr drei Punkte vom Relegationsplatz, zehn vom ersten Nichtabstiegsplatz - und sie blieben drin.

"Wir sind im Rennen. Wir sind nicht abgeschlagen. Und das macht uns immer wieder Mut", sagte Mannschaftskapitän Raphael Schäfer. Aber auch er weiß: "Es bringt nichts, immer wieder darüber zu reden."

Club ohne Fortune

Doch mit dem Handeln ist das so eine Sache. Am Freitagabend führte der 1. FC Nürnberg nach einem Treffer von Per Nilsson (5.) bis zur 75. Minute. Der Club spielte zunächst gut, Mainz freilich auch erbärmlich schlecht ( 817460 Bilder des Spiels ).

Die Gastgeber vergaben ein paar Chancen, die Führung auszubauen, sie wurden zweimal in bester Postion wegen einer angeblichen Abseitsstellung ausgebremst. Sie begannen, ein bisschen fahrig zu werden. Und dann traf Shinji Okazaki. .

Harte Kritik am Schiedsrichtergespann

"Was muss man noch machen, um ein Spiel zu gewinnen?", fragte Verbeek hinterher.

Er haderte mit der Schwäche seiner Mannschaft beim Abschluss, er haderte wegen der Abseitsentscheidungen mit dem Schiedsrichtergespann um Manuel Gräfe aus Berlin ("Das war zweimal total kein Abseits, unvorstellbar auf diesem Niveau").

Am Ende aber war er bemüht darum, die Schuld nicht auf andere zu schieben. "Wir müssen auf uns selbst schauen", sagte Verbeek.

Club-Spieler mit Durchhalteparolen

Diese Selbstbetrachtung führte den 1. FC Nürnberg auch am Freitag zu der Meinung, die bessere Mannschaft gewesen zu sein und über weite Strecken auch guten Fußball gespielt zu haben.

"Das ist kein Haufen, der sich in jedem Spiel total abschlachten lässt. Die Mannschaft lebt", betonte Kapitän Schäfer. "Wenn wir umsetzen, was der Trainer uns zeigt, wird der erste Sieg bald kommen", ergänzte Abwehrspieler Marvin Plattenhardt.

Einstweilen sind solche Aussagen allerdings nichts anderes als Durchhalteparolen.

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