Frank Rost (l.) stand von 1992 bis 2002 bei Werder Bremen im Tor © getty

Vorm Hit gegen Bayern geht Ex-Werder-Profi Rost hart mit dem Klub ins Gericht. Schuld an der Krise seien nicht die Keeper.

Von Patrick Mayer und Uli Pingel

München/Hamburg - Frank Rost ist irritiert. Der ehemalige Nationalkeeper macht sich Sorgen um seinen SV Werder. Große Sorgen.

Er erkennt seinen früheren Verein nicht wieder. Fehlende Identifikation. Abstiegsgefahr.

"Dutt hat die Verantwortung", sagt der 40-Jähirge im Gespräch mit SPORT1 und macht die Misere am Bremer Coach und einem Mangel an Führungsspielern fest. "Es fehlt an Leuten mit Ecken und Kanten." Rost stellt seinen Nachfolgern im Werder-Trikot ein vernichtendes Zeugnis aus.

Werder droht Abstiegskampf

Vor dem Heimspiel gegen den übermächtigen FC Bayern München (ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) ist Bremen mit sechzehn Punkten als Tabellen-13. den Abstiegsrängen weitaus näher als den Europa-League-Plätzen.

Die Anhänger kreiden den Absturz vor allem zwei Spielern an: den Torhütern.

Eine Situation, die der Trainer seiner Meinung nach hätte entschärfen können. Robin Dutt versuchte Impulse zu setzen. Der 48 Jahre alte Coach ersetzte gegen 1899 Hoffenheim Stammtorwart Sebastian Mielitz durch Raphael Wolf.

Eigentlich konnte dieser Versuch nach Mielitz' Patzern gegen Mainz 05 nicht nach hinten losgehen. Eigentlich. Doch Wolf fing sich beim Debüt als neue Nummer eins vier Buden ein. Dutts' Entschärfungs-Strategie war zunichte. "Selbstvertrauen tankst du da nicht gerade", sagt Rost.

Rost nimmt Keeper in Schutz

Die Schuld liege aber nicht bei den Keepern, sondern beim Trainer, meint er. Dutt sende das Zeichen, dass er nicht von ihnen überzeugt sei.

Er habe Mielitz mit seiner Entscheidung das Misstrauen ausgesprochen, "und das während der Saison, sowas ist gefährlich. Mich wundert's, dass sich viele Trainer heutzutage schwer tun, einen Torhüter zu beurteilen", sagt Rost.

Es ist ein Seitenhieb in Richtung Dutt. Dasselbe gelte für dessen Einschätzung der Fähigkeiten Wolfs. Diesem traut er die Bundesliga nicht zu. "Ich hät's niemals gedacht, aber jetzt hat er die Chance und muss sie nutzen. Er ist ein intelligenter Kerl. Aber viele Chancen wird?s nicht geben im Profigeschäft", meint er skeptisch.

Die erste hat Wolf verbraten - unverschuldet. "Und jetzt geht's gegen die Bayern. Zweimal hintereinander vier zu kriegen, kann ganz schön happig werden", sagt Rost und prophezeit dem gebürtigen Münchner einen schweren Stand gegen den Rekordmeister.

Er brauche Körpersprache, um zu bestehen. Heutzutage werde nur darüber geredet, dass ein Keeper ein Spiel aufbauen müsse, moniert Rost. "Das erste, was er tun muss, ist seinen Laden zusammenzuhalten." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Torhüter müssen aggressiver sein

Ein Torwart müsse sich auch mal die Verteidiger greifen, stellt Rot fest. Er müsse ihnen erklären, dass sie bei vier Gegentoren Ärger mit ihm bekämen. "Das fehlt mir." Besonders fehlt es ihm in Bremen.

Das war nicht immer so, schildert er. "Der Tim Wiese ist ja nicht gerade mein Fall. Aber der war ein Typ, den du greifen konntest. Alleine, wie der Tim das vor den Derbys gegen den HSV gemacht hat, war genau richtig. Er wird sich selber ärgern, dass er diesen Schritt nach Hoffenheim gemacht hat."

Werder braucht wieder "echte" Typen

Doch Mielitz und Wolf sind nicht die Alleinschuldigen. Die beiden Schlussmänner sind die Bauernopfer des Bremer Stillstands.

Dutt braucht gegen die Bayern auch andere Typen. Rost sieht schwarz - er zielt auf Führungsspieler Aaron Hunt ab. "Bei Werder Bremen hast du viele Spieler wie Hunt. Wenn du nur an vier von 34 Spieltagen zeigst, dass du ein richtig Guter bist, reicht das nicht", sagt Rost.

Harsche Worte. Ist das schon der Abgesang auf seine alte Liebe? Mitnichten. Er macht Hoffnung. Ein wenig zumindest.

Rost nennt als Aufmunterer den Namen eines Mannes, der Werder 2004 zum Meister machte.

"Damals haben sie beim SV Werder Leuten eine Chance gegeben, die tot gesagt waren. Wenn ich da an Johann Micoud denke. Von dem hieß es, er sei ein Pflegefall, und dann war er einer der besten Spieler der letzten Jahrzehnte", erzählt er und hofft, dass die Totgesagten an der Weser ganz genau zugehört haben, denn: "Werder droht zu einer grauen Maus zu werden."

Beim Trainer kam die Botschaft offensichtlich an: "Wenn wir gegen Bayern was holen wollen, müssen die elf Spieler, die von Anfang an auf dem Platz stehen, ab der ersten Minute um ihr sportliches Leben rennen", sagte Dutt.

Das gilt auch für den Torwart. Er gibt Wolf die nächste Bewährungschance.

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