Duell der Brüder, Duell der Kämpfer, Duell der Schmerzen: Dortmunds Sven Bender fordert seinen Bruder Lars und Leverkusen heraus.

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Aus Dortmund berichtet Nils Hotze

Ganz am Anfang, am 27. April 1989 in Rosenheim, lagen sie gerade mal zwölf Minuten auseinander. Heute sind es auch nur jene 81 Kilometer von Leverkusen nach Dortmund.

Gute Zwillinge kann niemand trennen.

In der Bundesliga-Tabelle stehen lediglich drei Punkte zwischen Sven Bender und Lars Bender.

Keine netten Mitbringsel

Wenn Sven, der zwölf Minuten Jüngere, also am Samstagabend mit Borussia Dortmund Lars und Bayer Leverkusen zum Familientreffen empfängt (Sa., ab 18.15 Uhr bei SPORT1.fm und im LIVE-TICKER), ist mit netten Mitbringseln nicht zu rechnen. Dafür steht zu viel auf dem Spiel.

Es geht darum, wessen Klub aktuell die Nummer zwei hinter Bayern München ist.

Es geht darum, wer die zweite Kraft im deutschen Fußball ist. Und um mehr.

Es geht nämlich auch um die Befindlichkeit vor den Alles-oder-nichts-Spielen in der Champions League.

Svens Nase gebrochen, Leverkusen vermöbelt

Hier sind die Zwillinge schon weiter voneinander entfernt.

Die Italiener des SSC Neapel haben Sven Bender vor zwei Wochen das Nasenbein gebrochen. Die Jungs aus Manchester hingegen haben beim 0:5 gleich ganz Leverkusen vermöbelt.

Folge: Der BVB hat nach dem 3:1 gegen Neapel am kommenden Mittwoch in Marseille wieder alles in der Hand.

Bayer auf Hilfe angewiesen

Leverkusen dagegen muss nicht nur sein eigenes Spiel bei Real Sociedad San Sebastian gewinnen, sondern zusätzlich auf das richtige Ergebnis zwischen Manchester United und Schachtar Donezk hoffen.

Hoffen jedoch ist eigentlich nicht Sache der Benders. Die Jungs sind Männer der Tat. Immer dabei. Immer mittendrin. Und meistens im Gleichschritt.

Das liegt natürlich auch an ihren zentralen Positionen vor der Abwehr. Das liegt im Kern aber vor allem an ihren Qualitäten.

Bescheiden neben - zupackend auf dem Platz

Beide sind zunächst bescheiden, zurückhaltend ? und zuverlässig. Beide preschen dann aber in den Mittelpunkt, sobald der Ball erst einmal rollt.

Sie sind ein Vorbild an Einsatzwillen und scheuen dabei keinen Zweikampf.

Beide übernehmen Verantwortung, sind Mannschaftsräte.

Parallele Karrieren

Gemeinsam haben sie von 1999 bis 2002 in der Jugend der SpVgg Unterhaching gespielt. Gemeinsam sind sie dann zum TSV 1860 München gewechselt.

Gemeinsam erhielten sie 2006 die Fritz-Walter-Medaille; Lars in Gold und Sven in Bronze.

Und gemeinsam wurden sie 2008 U19-Europameister.

Zugleich haben sie die "Löwen" im Sommer 2009 verlassen. Sven holte fortan mit Dortmund Titel und Triumphe.

Die EM 2012 trennte die Benders

Lars trumpfte bei Bayer derart auf, dass er von Bundestrainer Joachim Löw bereits für die kontinentalen Titelkämpfe 2012 nominiert wurde.

Gute Zwillinge kann kaum etwas trennen.

Gemein ist ihnen auch die dicke Krankenakte. Für Lars sind allein in dieser Saison Hüftprobleme, eine Sprunggelenksverletzung und ein Muskelfaserriss notiert. Dennoch hat er in zehn von 14 Bundesligaspielen mitgemacht.

Sven hatte in dieser Hinrunde schon eine "Ganzkörperprellung", er erlitt einen Nasenbeinbruch und hat aktuell Oberschenkelbeschwerden.

"Gegen Sven ist Chuck Norris ein Weichei"

Dennoch hat er sich in jedem einzelnen der 14 Bundesligaspiele zur Verfügung gestellt.

"Gegen Sven Bender ist Chuck Norris ein Weichei", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach dem Neapel-Spiel, das der Borusse nahezu komplett mit gebrochener Nase spielte.

Ob Sven, der Jüngere, Zwilling Lars am Samstagabend von Beginn an auf dem Platz begegnet oder ihm zunächst von der Bank aus zusieht, ist allerdings offen.

Gegen Leverkusen könnte BVB-Trainer Jürgen Klopp auch andere (Kehl, Sahin, Großkreutz, Kirch) auf die Sechser-Position schicken. In Marseille braucht er Sven Bender aber auf jeden Fall als Innenverteidiger.

Friedrich darf nicht Champions League spielen

Denn dort ist Manuel Friedrich, der gegen Leverkusen gleich einen ganzen Haufen alter Bekannter empfängt, nicht spielberechtigt.

Ganz am Ende des Duells Bender gegen Bender sollte also mit Blick auf die Alles-oder-nichts-Spiele in der Champions League stehen: Mit Selbstvertrauen, ohne neue Verletzung.

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