Juan Arango (l.) und Torschütze Raffael sind zwei der Gladbacher Erfolgsgaranten © getty

Gladbach eilt von Rekord zu Rekord, denkt jedoch nur von Spiel zu Spiel. Jetzt warten die Schalker zum Sechs-Punkte-Duell.

Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Reiners

Mönchengladbach - Max Kruse lachte kurz auf, dann verdrehte er die Augen. Schließlich hat er in wenigen Monaten in Mönchengladbach schon eine Menge gelernt.

"Wir wissen, dass es noch ein schwerer und langer Weg wird bis den zu den europäischen Plätzen, die wir im kommenden Jahr belegen wollen. Deshalb denken wir nur von Spiel zu Spiel", sagte der Gladbacher Stürmer nach dem 1:0 gegen seinen Ex-Klub SC Freiburg SPORT1(Bericht).

"Von Spiel zu Spiel": Es ist das Credo bei der Borussia, seit Lucien Favre vor knapp drei Jahren das Ruder übernommen hat. Das übliche Understatement. Sieben Heimsiege in Folge: Rekord in der 113-jährigen Vereinsgeschichte. Fünf Siege in Serie: Das gelang zuletzt vor 18 Jahren( 814593 Bilder des Spiels ).

Kampfansagen? Kommen weniger mit Worten, sondern mit Taten.

Die Zwischenbilanz: Gladbach hat Platz vier gefestigt. Drei Punkte Rückstand sind es zum Dritten Borussia Dortmund, vier Vorsprung auf den Fünften Schalke 04, gar neun auf Rang sieben, den ersten Nicht-Europa-Platz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Champions oder Europa League?

Wo schaut man bei der Borussia denn nun hin? Nach oben oder nach unten? Champions oder Europa League?

Angeblich schaut man bei der Borussia nicht einmal auf die Tabelle.

Dafür sind Kruse und Co. über die Ausgangsposition vor dem kommenden Heimspiel gegen Schalke aber bestens informiert.

"Wenn wir nächste Woche gegen Schalke verlieren, ist es nur ein Punkt auf den Fünften und die anderen gewinnen auch, dann sind es nur noch sechs Punkte. Über die Champions League brauchen wir uns noch nicht unterhalten. Die europäischen Plätze wollen wir belegen, aber es ist ein ganz gutes Stück bis dahin", sagte Kruse.

Sein Teamkollege Patrick Herrmann ergänzte: "Das Trio oben hat besondere Qualitäten, auf die sollte man nicht schauen."

Sechs-Punkte-Spiel

Dafür schaut man bekanntlich nur auf das nächste Spiel. Und das steigt gegen einen direkten Konkurrenten. "Wir spielen am Samstag gegen Schalke ? das ist für uns ein Sechs-Punkte-Spiel", erklärte Kapitän Martin Stranzl.

Der Vorteil: Wenn das Duell des Vierten mit dem Fünften für die Borussia virtuell ein Sechs-Punkte-Spiel ist, dann geht es für Schalke um mindestens neun Zähler.

In Gelsenkirchen gab man Rang drei als Saisonziel aus, in Mönchengladbach einen einstelligen Tabellenplatz.

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Während jeder Sieg in Mönchengladbach also ein Bonus für eine schon jetzt erfolgreiche Hinrunde ist, stehen die Schalker seit Wochen unter Dauerdruck. Und haben im Gegensatz zur Borussia in dieser Woche das DFB-Pokalspiel gegen Hoffenheim vor der Brust.

Und beim Gastspiel in Gladbach das Endspiel um den Achtelfinal-Einzug in der Königsklasse gegen den FC Basel vier Tage später bereits im Hinterkopf.

Kein beruhigendes Polster

Trotzdem: Von einem beruhigenden Polster auf die Konkurrenz will Kruse nichts hören: "Das sind im Grunde nur drei Spiele und wir haben noch 20 vor der Brust. Und von dem Polster kannst du dir im Endeffekt auch nichts kaufen", sagte Kruse.

Von irgendwelchen Rekorden natürlich auch nicht. Die unterstreichen allerdings die derzeitige Qualität und inzwischen auch die Routine, mit der die Gladbacher auch so mühsame Aufgaben wie gegen defensiv hervorragend eingestellte Freiburger lösen. Es war ein hartes Stück Arbeit, ein Geduldsspiel und am Ende ein dreckiger Sieg.

Routine als neue Stärke

"Der Rekord zeigt natürlich unsere Qualität, das kann irgendwann kein Zufall mehr sein. Im Moment ist das Quäntchen Glück auf unserer Seite. Und wir sind so routiniert, dass wir das auch zu Ende spielen können. Ich glaube, dass das unsere Stärke ist im Moment", sagte Kruse.

Zu einer Ansage ließ er sich dann doch noch bewegen. "Wenn wir am 30. Spieltag neun Punkte Vorsprung haben, sage ich auch, dass wir es schaffen."

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