SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold äußert sich zu diversen Wechseln auf der Torhüter-Position. Für Wiese sieht er eine Chance.

Hallo Fußball-Freunde,

Hoffenheim hat gegen Werder zu Hause zweimal eine Führung verspielt und bereits 34 Gegentore bekommen. Das aber ausschließlich am Torwart festzumachen, ist zu einfach.

Trainer Markus Gisdol hat Koen Casteels zwar erneut viel Talent bescheinigt, aber auch gesagt, dass der Belgier noch kein guter Bundesliga-Torwart sei. Und GisdoI hat angedeutet, dass im DFB-Pokal auf Schalke am Dienstag Jens Grahl im Tor stehen könnte.

Ich denke, solche Kritik sollte besser intern angesprochen werden. Die Spieler werden ja auch angehalten, sich nicht öffentlich über den Verein, Trainer oder Mitspieler zu äußern.

Ein Trainer, der mehr Verantwortung und auch Lebenserfahrung hat, sollte so etwas hinter verschlossenen Türen tun. Der Wechsel kann aber natürlich auch ein psychologisches Spielchen sein, um den internen Konkurrenzkampf ein wenig anzuheizen.

(Mehr zum Thema Keeper-Wechsel in Bundesliga Aktuell Mo., ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Dann muss man schauen, ob Casteels mental robust genug ist, um so etwas wegzustecken. Wenn er gestärkt daraus zurückkommt, war es eine positive Aktion. Wenn er daran knabbert, kann man dadurch auch einen Spieler für die Saison verlieren.

In Bremen ist die Situation ganz ähnlich. Das Gravierende an einem Torwart-Wechsel ist, das er meistens nicht nur für ein Spiel angedacht ist.

Bei Werder steht nun erstmal Raphael Wolf anstelle von Sebastian Mielitz im Tor. Sollte Wolf einschlagen, würde Mielitz mit einem schlechten Gefühl in die Winterpause gehen. Und die Chance, dass er danach wieder ins Tor zurückkehrt, wäre eher gering.

In Bremen wird ja auch immer wieder über Tim Wiese gesprochen, der das 4:4 zwischen seinem Ex-Klub und seinem aktuellen Verein am Samstag in Hoffenheim von der Tribüne aus verfolgte.

Ich glaube aber nicht, dass Wiese bei Werder oder bei einem anderen Bundesliga-Klub ein Thema ist.

Die aktuelle Situation ist für alle Beteiligten unglücklich. Aber es ist nicht so einfach, bei seinem Gehalt eine Alternative zu finden.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein anderer Klub dieses Gehalt eins-zu-eins übernehmen würde. Die Frage ist, inwiefern Hoffenheim bereit wäre, zu kooperieren und einen Teil des Gehaltes weiter zu zahlen, wenn ein Angebot da wäre.

Aber in Deutschland sehe ich aktuell keinen Bedarf. Zumal ich mir vorstellen könnte, dass die Vereine auch Vorbehalte wegen Wieses Charakter haben könnten. Die Vorfälle im vergangenen Karneval wurden schließlich medial breit getreten.

Von daher wäre ein Wechsel ins Ausland eine Chance. Dort könnte Wiese nochmal bei Null anfangen und Gas geben.

Denn wenn er sein Potenzial abruft, besteht an seiner Klasse kein Zweifel.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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