Armin Veh führte Eintracht Frankfurt letzte Saison als Aufsteiger in die Europa League © imago

Veh wütet nach der nächsten Frankfurt-Pleite in Hannover über Schiri Perl und Rotsünder Lanig. Hannover relativiert und feiert.

Von Christoph Gailer und Jürgen Blöhs

Hannover - Auch nach Abpfiff war der Armin Veh nicht zu bremsen und holte zum Rundumschlag gegen die Schiedsrichter aus.

"Wenn es da keinen Elfmeter gibt, dann tut es mir leid", schimpfte der Frankfurter Trainer bei "Sky": "Ich glaube, wir kriegen sowieso keinen. Auch in anderen Situationen haben wir keinen bekommen."

Nach 65 Minuten war Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler nach einer Berührung von Hiroki Sakai im Strafraum zu Fall gekommen. Schiedsrichter Günter Perl ließ weiterspielen, praktisch im Gegenzug fiel nach einem Freistoß für Hannover das 2:0 - der Endstand (Bericht)

"Wahrscheinlich muss erst einer erschossen werden, dass wir einen Elfmeter kriegen", wütete Veh, der nach der strittigen Szene auf die Tribüne verwiesen wurde, weiter.

"Er hat wohl die Coaching-Zone verlassen, weil er kurz auf das Spielfeld gegangen ist", ärgerte sich auch Sportdirektor Bruno Hübner: "Das Verhältnis stimmt gar nicht. Wir müssen eigentlich Elfmeter kriegen und unser Trainer geht kurz aufs Feld und muss auf die Tribüne."(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Neun Spiele sieglos

Seit neun Spielen warten die Frankfurt mittlerweile auf einen Sieg, die Nerven liegen offenbar blank. Auch der eigene Spieler Martin Lanig wurde nach seinem Platzverweis von Veh mit deutlichen Worte bedacht.

"Ich will es gar nicht kommentieren, aber ich muss es", sagte der Trainer: "Er darf jedenfalls so nicht hingehen. Es ist zum Kotzen."

Lanig hatte hingegen ebenfalls den Schiedsrichter als Sündenbock ausgemacht. ( 814593 Bilder des Spiels )

Lanig: Schnell abhaken

"Entscheidungen haben das ganze Spiel mitgeprägt", sagte Lanig bei SPORT1: "Bei meiner Gelb-Roten Karte habe ich klar den Ball gespielt. Das war deutlich zu sehen. Und schon die Gelbe Karte war nicht nachvollziehbar. ich hatte bis dahin ungefähr zehn Ellenbogen im Gesicht. Dann fällt ein Hanoveraner, und ich sehe Gelb. Komisch. wir müssen das Spiel schnell abhaken."

Den Frankfurtern steht das Wasser inzwischen bis zum Hals. Nur drei Tage nach dem 1:0 in Bordeaux in der Europa League verliert die Eintracht in der Liga allmählich den Anschluss an das Mittelfeld.

"Wir müssen jetzt überleben bis zur Winterpause", sagte Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen bei SPORT1: "Die Spieler brauchen dringend Erholung. Knackpunkte des Spiels waren der nicht gegebene Elfmeter und Gelb-Rot für Lanig."

Erleichterung bei 96

Während bei den Hessen der Frust tief saß, fiel Hannovers Coach Mirko Slomka mit dem Schlusspfiff ein Stein vom Herzen. Erst herzte er mit einem Lächeln im Gesicht Manager Dirk Dufner, dann nahm er jeden einzelnen seiner Spieler in den Arm.

"So dramatisch war die Situation für mich nicht, weil die Verantwortlichen mir das Vertrauen ausgesprochen haben. Vor diesem Spieltag hat keiner damit gerechnet, dass wir wieder in die obere Tabelle klettern", kommentierte Slomka nach dem Match gelassen seine Situation und die von Hannover 96

Platz fünf kein Thema mehr

Im Mittelpunkt des Interesses stand Slomka trotzdem.

Nach fast vier Jahren in der niedersächsischen Landeshauptstadt steckten Trainer und Klub zuletzt tief in der Krise, Slomka war nicht mehr unumstritten.

Klub-Chef Martin Kind hatte vor der richtungweisenden Partie sogar das Saisonziel Europapokal revidiert. "Platz fünf ist kein Thema mehr", erklärte der 96-Boss, der noch vor der Saison öffentlich von der Champions League gesprochen hatte.

Neues Ziel: 20 Punkte bis zum Winter

"Der Trainer hat uns gesagt, es sind jetzt Typen auf dem Platz gefragt", sagte Leon Andreasen zu SPORT1: "Das Spielerische kommt mit den Erfolgserlebnissen von allein zurück. Wir müssen für die kommenden Aufgaben das Gute mitnehmen."

Nun peilt Hannover 20 Punkte bis zur Winterpause an. Es werden wieder etwas kleinere Brötchen in Niedersachsen gefahren.

Damit ist 96 in den letzten Jahren allerdings gut gefahren.

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