Jermaine Jones begann seine Profikarriere 1999 bei Eintracht Frankfurt © getty

Tor mit Ansage: Nach seinem Treffer beim Schalker 3:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart ist die Genugtuung bei Jermaine Jones groß.

Vom FC Schalke 04 berichtet Andreas Reiners

Gelsenkirchen - Kevin-Prince Boateng hatte es vorher gewusst.

"Er hat mir vor dem Spiel gesagt, dass ich treffe. Auf dem Platz war ich dann auch überrascht, dass er das so vorhergesagt hat. Ich hatte ihn eigentlich gar nicht so richtig ernst genommen", verriet Jermaine Jones im Gespräch mit SPORT1.

Jones war die Genugtuung deutlich anzumerken, sie sprach aus jedem seiner Sätze.

Denn der 32-Jährige hatte mit seinem Treffer zum 3:0-Endstand gegen den VfB Stuttgart (Spielbericht) nicht nur den Sack zugemacht, sondern seine eigene Leistung gekrönt. Und die war endlich einmal wieder eindrucksvoll (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Zwölf Kilometer gelaufen, gerackert, gekämpft, die Löcher gestopft, klug nach vorne gespielt und dann auch noch getroffen, was bei dem defensiven Mittelfeldmann sowieso selten genug vorkommt: Jones war nach dem Spiel bester Laune und zu Scherzen aufgelegt.

Wenn, dann höchstens ein Eigentor

"Die ersten 15 Minuten von mir waren nicht gut. Da dachte ich "Wenn, dann treffe ich höchstens ins eigene Tor". Und wenn ich ehrlich bin, habe ich den Ball auch gar nicht gut angenommen und dachte: "Nur weg mit ihm, bevor es einen Konter gibt'." ( 814593 DIASHOW: Die Bilder des 14. Spieltags )

Doch Jones traf und stand an diesem Abend stellvertretend für die ganze Mannschaft, die in den vergangenen Wochen oft Kritik einstecken musste. Und Jones selbst oft als Sündenbock hingestellt wurde.

Jones' Schlusspunkt bei SPORT1.fm

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Nach dem 3:3 in Hoffenheim Ende September war er aus dem Kader geflogen. Daraufhin kündigte er an, sich einer Meniskus-Operation unterziehen zu wollen, machte dann aber doch einen Rückzieher. Schalke sei wichtiger, betonte er damals. Und kehrte nach einem Spiel Denkpause in den Kader zurück.

Keller: "Er hat ein überragendes Spiel gemacht"

"Jermaine Jones hat oft genug auf den Deckel gekriegt, auch von mir. Er hat heute ein überragendes Spiel gemacht", lobte Trainer Jens Keller.

Wie viel Genugtuung ist also dabei nach den vergangenen Wochen? "Es ist immer schön, wenn man das vom Trainer hört. Für mich ist es wichtig, dass ich mich auf das Spiel konzentriere. Und wenn ich das so abrufe, dann kann ich der Mannschaft auch helfen", sagte Jones nur.

Doch der Stachel sitzt tief. Bei aller Freude über seinen Treffer, den er mit einem ausgedehnten Jubellauf feierte ("Ein Herzchen für meine Frau, das Tor für die Mannschaft und den Verein"), nagen die vergangenen Wochen an dem US-Nationalspieler.

"Wenn man lange in einem Verein spielt und von außen nicht so richtig den Rückhalt bekommt und immer wieder totgeschrieben wird, dann ist es schwierig. Jeder wünscht sich auch Vertrauen. Heute habe ich den Leuten bewiesen, dass ich noch nicht totgeschrieben bin", sagte Jones.

Keine Gedanken über die Zukunft

Seit 2007 ist er im Verein und sein Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Gedanken über seine Zukunft macht er sich aber noch nicht. "Ich möchte erst einmal in die Spur kommen mit der Mannschaft, dann wird sich auch schon etwas ergeben", ließ Jones seine generelle Bereitschaft durchblicken.

Und auch mit seinem Knie ist offenbar wieder fast alles in Ordnung. "Ich hatte Probleme, die sind aber so gut wie weg. Ich lasse es immer wieder behandeln, ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. Mit meinem Knie bin ich absolut zufrieden."

Mit der sportlichen Situation auf Schalke ist er es aber noch nicht ganz. Auch wenn Jones und Co. durch das 3:0 zumindest schon einmal erfolgreich in ihre Wochen der Wahrheit gestartet sind.

"Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind aber noch nicht da, wo wir sein wollen. Man muss den jungen Spielern auch die Zeit geben und sie nicht von allen Seiten unter Druck setzen", erklärte Jones den Grund für die schwankenden Leistungen.

Gefühlte Dauerkrise

Doch der Druck ist auf Schalke allzeit präsent. Trotz einer gefühlten Dauerkrise ist S04 als Fünfter zumindest wieder auf Tuchfühlung zu den Champions-League-Plätzen.

Am Dienstag kommt Hoffenheim im DFB-Pokal, dann wartet der Vierte Borussia Mönchengladbach und in der Champions League die entscheidende Partie um den Achtelfinaleinzug gegen den FC Basel.

Ärger um Basel-Spiel

Das Spiel gegen die Schweizer am 11. Dezember sorgt bereits im Vorfeld Ärger, weil das "ZDF" nicht live überträgt, sondern das Spiel zwischen Marseille und Dortmund zeigt. Schalkes Spieler verweigerten deshalb nach dem Sieg gegen Stuttgart die Interviews mit dem Sender.

"Wir fanden es nicht attraktiv genug, uns ihnen in Interviews zu stellen", erklärte Sportchef Horst Heldt das Interview-Verbot in der "Bild" (News).

Jones hofft auf weitere Boateng-Prognosen

Jermaine Jones und seine Mitspieler wissen um die Wichtigkeit der anstehenden Partien. "Es sind Endspiele für uns. Wir haben gegen Hoffenheim etwas gutzumachen. Dann kommt ein schweres Spiel in Gladbach und dann spielen wir gegen Basel, was auch ein K.o.-Spiel ist. Das ist uns bewusst" meinte der Mittelfeldmann.

Vielleicht ja wieder mit einem seiner seltenen Tore. Trifft er sich vor den nächsten Spielen wieder mit Boateng zu einer konspirativen Sitzung? "Ich werde ihn jetzt nicht pushen, dass er es mir wieder sagt. Aber ich hoffe, dass er es mir wieder vorhersagt."

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