Arjen Robben (r.) spielt seit 2009 beim deutschen Rekordmeister © getty

Arjen Robben erreicht die Form seiner ersten Bayern-Saison. Matthias Sammer begründet das bei SPORT1 mit einer neuen Einstellung.

Vom FC Bayern berichten Denis de Haas und Christian Ortlepp

München - Die rote Strumpfhose war dahin. Aber das störte Arjen Robben nicht.

Schließlich hatte der Star des FC Bayern München das Kleidungsstück beim Torjubel zerschlissen. Eine Rutschpartie über den Rasen verursachte große Löcher an den Knien ( 814593 Bilder des Spiels ).

Angesichts seiner Leistung vom Samstag stellte sich jedoch die Frage: Warum trägt Robben überhaupt eine Strumpfhose?

Eine Partie im Vollsprint

Frieren dürfte der Niederländer kaum, wenn er im Vollsprint den Platz rauf und runter flitzt. Am Samstag lief er Eintracht Braunschweigs Spielern permanent davon und war mit seinem Doppelpack der Garant für den 2:0 (2:0)-Sieg gegen den Aufsteiger (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .

Mit dieser Leistung krönte sich der 29-Jährige endgültig zu Bayerns Mister November. Schon beim 3:0 in Dortmund und in der Champions League beim 3:1 in Moskau hatte Robben geglänzt und jeweils ein Tor erzielt.

Keine Spur von Müdigkeit

Während andere Bayern-Spieler wie Thomas Müller oder Toni Kroos nach der strapaziösen Russland-Reise ausgelaugt wirkten, war bei ihrem Teamkollegen von Müdigkeit keine Spur. "Wenn man wieder hierherkommt und auf diesem guten Rasen spielt, macht das einfach Spaß", erklärte der Matchwinner.

Robbens erster Treffer auf SPORT1.fm

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Überhaupt befindet sich Robben aktuell wieder in der Form seiner ersten Bayern-Saison. In der Spielzeit 2009/10 hatte er die Münchner fast im Alleingang zum Double und ins Champions-League-Finale geführt. Die Leistungen brachten Robben den Titel "Fußballer des Jahres" in Deutschland ein.

Muskelriss und Leistenbruch

Danach begann die Leidenszeit: In drei Spielzeiten machte er nur 54 von 102 möglichen Bundesliga-Partien. Robbens Stammplatz war die Tribüne. Verletzungen bremsten den Bayern-Turbo aus: Mal fiel er mit einem Muskelriss aus, mal mit einem Leistenbruch, mal mit Rückenproblemen.

Hinzu kamen seelische Schmerzen: Die Bayern-Fans sahen in Robben den große Sündenbock im "Finale dahoam". Sein Elfmeter-Fehlschuss war im Endspiel gegen Chelsea der Anfang vom Ende.

Mittlerweile feiern die Bayern-Fans Robben wieder: Er hat ihnen schließlich nachträglich den Champions-League-Titel geschenkt - durch sein Tor in Wembley gegen Borussia Dortmund. Und durch die Leistungen der vergangenen Spielen erfährt er großen Zuspruch.

"Ich freue mich für ihn, weil ich gesehen habe. durch welches Stahlbad er nach dem verlorenen Finale in München gehen musste", sagte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer zu SPORT1.

Als Streichkandidat gehandelt

Dass Robben in dieser Saison wieder durchstarten würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Mario Götze, Thiago Alcantara, Philipp Lahm oder Toni Kroos - das waren die Lieblingsschüler von Neu-Trainer Pep Guardiola. Robben galt im Bayern-Team eher als Streichkandidat.

Doch der Niederländer strafte die Skeptiker Lügen, stand bereits in zwölf Spielen in der Startelf. Guardiola steht auf den Flügelflitzer. Die harmonischen Störungen nach dem Elfmeter-Zwist aus dem Mainz-Spiel sind längst vergessen. Und so darf Robben Woche für Woche Eigenwerbung betreiben .

Sein Vertrag läuft nämlich im Juni 2015 aus. Er hat zuletzt aber immer betont, wie wohl er sich in München fühlt. Beschwerdefrei liefert Robben derzeit gute Argumente für eine Vertragsverlängerung.

Für Sammer kommt es nicht von ungefähr, dass Robben derzeit von Verletzungen verschont bleibt. "Er ist ein Vollprofi, aber ein Vollprofi muss auch mal durchschnaufen. Er hat jetzt einen guten Mittelweg gefunden zwischen Trainingsfleiß und Normalität. Und Normalität ist für ihn auch förderlich", sagte der FCB-Sportvorstand zu SPORT1.

Fokus auf Augsburg

In den Spielen schaltet Robben aber weiterhin keinen Gang runter. Als die Partie gegen Braunschweig nach der Pause vor sich hinplätscherte, war der Rechtsaußen Münchens einziger Aktivposten.

Er dachte gar nicht daran, sich für das DFB-Pokal-Achtelfinale beim FC Augsburg zu schonen. Gründe dazu hätte er nach eigener Auffassung gehabt. "Das wird schwierig für uns. Díe Augsburger haben einen guten Lauf", erklärte Robben in Hinblick auf das Duell am Mittwoch.

Den guten Lauf hat er auch. Ob mit oder ohne Strumpfhose.

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