Der FCB will Robben langfrsitig binden, der Niederländer flirtet zurück. Rummenigge erklärt bei SPORT1 den Plan mit dem Superstar.

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Von Tom Vaagt und Christian Ortlepp

München - So richtig vermisst hat ihn am Samstagnachmittag eigentlich niemand. Zumindest auf den ersten Blick.

Frank Ribery wirbelte, Mario Götze wuselte und Mario Mandzukic vollstreckte. 7:0 bei Werder, dem früher so großen Rivalen. Um Augenhöhe mit den Bremern herzustellen, hätte sich der FC Bayern dieses Mal auf den Bauch legen müssen.

Und das ohne ihn. Ohne Arjen Robben.

29 Jahre ist der Niederländer inzwischen alt. Vor der tiefen Risswunde am Knie, die ihn bis ins kommende Jahr außer Gefecht setzt, war er in der Form seines Lebens.

Ein Künstler, der auch arbeiten kann. Ein "unglaublicher" Spieler, wie Pep Guardiola sagt. Aus dem Mund des Spaniers wirkt diese Formulierung fast noch ein wenig ehrfurchtsvoller als das sonst so beliebte Attribut "super, super".

Kurz: Sie haben Spaß an ihrem Arjen.

Und das soll auch so bleiben. Noch lange. Ganz lange.

Verletzung spielt keine Rolle

"Wir sind mit Arjen sehr glücklich. Auch wenn er jetzt sechs Wochen ausfallen sollte, ändert das nichts an unserer Meinung über ihn. Wir sind ja auch dafür bekannt, dass wir mal den Vertrag verlängern, wenn der Spieler verletzt ist", sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im Gespräch mit SPORT1.

Soll Robben in München zum ewigen Arjen werden? Über das Ende seines bis 2015 befristeten Arbeitspapieres hinaus das Bayern-Trikot tragen?

"Das können wir uns sehr gut vorstellen", sagte Rummenigge. Man werde das Gespräch mit dem Flügelstürmer und dessen Vater suchen.

Man wolle Robbens derzeitige Situation "nicht auszunutzen, sondern dem Spieler zeigen, dass der FC Bayern ein fairer und zuverlässiger Partner ist."

Auch Robben schwärmt

Robben weiß das. Er erwidert Rummenigges Flirt und schwärmt vom FCB.

"Ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein. Bayern ist einer der besten Verein der Welt", sagte der Offensivstar dem "kicker": "Meine Familie fühlt sich wohl, alles ist gut. Natürlich weiß man nie, was im Fußball passiert, aber ich kann mir gut vorstellen, hier noch viele Jahre zu spielen."

Es klingt, als würden nur noch ein paar Dinge fehlen: Ein Blatt Papier, auf dem Gehalt und neue Vertragslaufzeit vermerkt sind, zum Beispiel. Und ein Kugelschreiber. Dieser Mangel sollte sich beheben lassen.

Auf den Spuren von Milan?

Beim FC Bayern wissen sie: Robben ist ein Weltklassespieler, der auch im fortgeschrittenen Alter noch wichtige Dienste leisten kann.

International sind derartige Kontrakte bis ins hohe Fußballeralter ein durchaus bekanntes Modell. Allerdings wurde es in der Vergangenheit nicht überall mit Augenmaß betrieben.

Der AC Mailand stattete seine Stars in seiner Glanzzeit regelmäßig mit opulenten Rentenverträgen aus. Irgendwann investierte man allerdings mehr in die Altersvorsorge als in die Gegenwart. Für den Privatgebrauch vielleicht keine schlechte Idee. Im Fußball aber kein probates Mittel.

Milan darf in der Champions League zwar noch mitspielen, für ganz vorn reicht es aber schon lange nicht mehr.

Die Mischung stimmt

Droht den Bayern ein ähnliches Schicksal? Wohl kaum.

Der aktuelle Kader hat eine ausgewogene Altersstruktur. Dank der guten Nachwuchsarbeit rücken regelmäßig Talente nach. Und klemmt es auf einer Position doch einmal, wird in einen hochkarätigen Kicker investiert.

Die Mischung muss stimmen, haben sie in München erkannt.

Robben kann dem Team wohl auch in drei oder vier Jahren noch helfen. Vielleicht ist er dann ein wenig langsamer. Aber immer noch handlungsschnell und führungsstark.

Neue Kräft nach neuem Vertrag?

Führungsstark? Ein Spieler, dem in den vergangenen Jahren regelmäßig immer mal wieder der Ruf einer launischen Diva anhaftete?

Nun ja, Robben ist ehrgeizig. Sehr ehrgeizig.

EIn Platz auf der Ersatzbank kommt für ihn einer Degradierung gleich. Das schlägt auf die Stimmung. Zu bestaunen in gewissen Phasen der vergangenen Saison, die dann doch mit Robbens Siegtor im Champions-League-Finale endete.

Erfährt Robben jedoch die volle Rückendeckung seines Trainers kommt das für ihn emotionalem Doping gleich. Zu bestaunen in den jüngsten Phasen der aktuellen Saison.

Dann geht er voran, reißt die Kollegen mit. Ein neuer Vertrag könnten da nach überstandener Verletzungspause noch größere Kräfte freisetzen.

HSV hat Angst vor "zwölf Stück"

Gut für Robben. Prima für die Bayern. Ganz mies für alle anderen.

Zumal die Münchner schon ohne Robben genug Angst und Schrecken verbreiten. Auch beim nächsten Gegner.

"Mit dieser Leistung kriegen wir nächste Woche bei den Bayern zwölf Stück", sagte Manager Oliver Kreuzer vom Hamburger SV nach dem 0:1 am Samstag gegen den FC Augsburg: "Wir sollten bei der DFL beantragen, mit 13 Spielern oder zwei Torhütern aufzulaufen."

Beim letzten Aufeinandertreffen im vergangenen März vermöbelten die Bayern den HSV mit 9:2. Robben schoss zwei Tore.

Am kommenden Samstag fehlt er. Gegen die Hamburger wird es wohl auch ohne ihn reichen.

In den ganz großen Spielen ist Robben aber unverzichtbar. Jetzt. Und auch in Zukunft.

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