Der 1. FC Nürnberg hat mit Gertjan Verbeek einen Trainer aus dem Hut gezaubert, den keiner auf dem Zettel hatte. Geht das gut?

Die Trainersuche beim 1. FC Nürnberg ist beendet. Endlich. Zuletzt zog sich diese Personalie wie Kaugummi. Der neue starke Mann auf der Bank der Franken heißt Gertjan Verbeek.

Bitte, wer?

Das haben sich wohl viele Anhänger des fränkischen Traditionsvereins und die Fußball-Fans in der restlichen Republik im ersten Moment gefragt, als die Entscheidung der Verantwortlichen auf den 51-Jährigen fiel.

Der Name erinnert ein bisschen an Hermann van Veen. Der ist aber ein niederländischer Liedermacher und hat mit der Bundesliga so wenig zu tun wie bisher Verbeek.

Er ist hierzulande ein unbeschriebenes Blatt, trainierte bisher unter anderem Feyenoord Rotterdam und bis zu seiner Entlassung im vergangenen Monat AZ Alkmaar. Mit Verlaub, nicht unbedingt Klubs von Weltruf.

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Viel weiß man nicht über den grauen Wolf, der mit seiner Frisur etwas an Rod Stewart erinnert - oder auch an Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards.

Ob er aber mit dem FCN die Liga rockt wie diese zwei älteren Herren die Bühnen, bleibt abzuwarten.

Club-Manager Martin Bader nennt den Niederländer einen Trainer, der "Fußball lebt und liebt", prophezeit ihm aber auch einen "zähen Ritt".

Verbeek muss schnell den Hebel für Lösungen finden, denn bis zum Winter wollen die Nürnberger die Abstiegsränge verlassen.

Der Versuch mit dem großen Unbekannten kann gutgehen, weil er unvorbelastet an die ganze Sache rangehen kann. So wie einst ein Huub Stevens, der als Nobody 1996 von Roda Kerkrade zum FC Schalke 04 kam und ein halbes Jahr später den UEFA-Cup gewann.

Die Verpflichtung Verbeeks birgt aber auch ein großes Risiko, denn wenn es gerade am Anfang nicht laufen sollte, werden die vielen Kritiker rund um den Valznerweiher schnell die Frage aufwerfen, warum nicht Liga-erfahrene Trainer wie Bruno Labbadia, Markus Babbel oder Torsten Fink den Vorzug erhielten.

Bader muss vorerst mit der Unsicherheit leben, dass die Verpflichtung Verbeeks für ihn zum Bumerang werden kann.

Dem Druck müssen er und der neue Coach standhalten. Dem Niederländer eilt der Ruf des harten Hunds voraus, eines knorrigen Schleifers.

Wer ihn aber auf der ersten Pressekonferenz bei seiner Vorstellung erlebte, der sah einen lächelnden Mann voller Vorfreude.

Diese Vorfreude sollte er bündeln für seine schwierige Aufgabe. Schon am Freitag wartet mit dem VfB Stuttgart bei seiner Bundesliga-Premiere ein erster Härtetest.

Er habe sich in den Club verliebt, sagte Verbeek am Dienstag.

In Nürnberg hofft man, dass es sich dabei nicht nur um Schmetterlinge im Bauch handelt, sondern um eine langfristige Beziehung mit Happy End.

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